Putbus Festspiele 2020: Spiel der Elemente


Berthe Jentzsch ist zwar gebürtige Berlinerin, braucht aber ab und zu Meer. Daher reist sie gerne. Entweder auf die Insel Rügen oder auf die Halbinsel Italien, wo sie einige Zeit lebte. Sie studierte Literaturwissenschaft in Wien und am Peter-Szondi-Institut in... mehr

Ein Sommertag im Juni. Es ist die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Eine Zeit, die in der ehemaligen Fürstenresidenz Putbus seit vielen Jahren zu einer ganz besonderen wird. Trauben von Besuchern ziehen mit Decken, Picknickkörben und Klappstühlen bepackt Richtung Schlosspark. Mitglieder vom Förderverein des Putbusser Theaters haben ein Büfett aufgebaut. Es gibt selbst gebackenen Kuchen und belegte Brote. Was improvisiert wirkt, ist eine der hochkarätigsten Veranstaltungen klassischer Musik auf der Insel. Die Putbus Festspiele bieten Raum und Gelegenheit für junge Klassik, regionale, nationale und internationale Musiker und Tänzer. Seit mehr als 20 Jahren ist die Veranstaltungsreihe fest verankert in der Kulturszene Rügens. Zehn Tage lang lauschen bis zu 6000 Rügenbesucher als auch Einheimische von der eigenen Decke zwischen Rosengarten und Schwanenteich, auf Campingstühlen vor der Orangerie oder vom Theatersessel aus, den Klängen klassischer und moderner Darbietungen.

Wind, Sonne und Wetter sind Teil der Performance

Künstlerische Leitung des Festivals übernahmen 2018 die Streicher des “Amaryllis Quartett”. Ihr Konzept: Die Konzertreihe widmet sich jedes Jahr einem anderen Element. Angefangen wurde – wie kann es auf Rügen anders sein – mit dem Wasser. Zu den Saxofonklängen des Xenon-Quartetts schipperten Gäste etwa auf einem Segelboot über den Greifswalder Bodden. Starpianist Alexander Krichel und das Jazzduo “Deep Springs” entführten ihre Zuhörer musikalisch auf die Hebriden, nach Neapel, Venedig, durch Regen und Sturmböen. Besonders in der Outdoor-Variante der Festspiele, bei ‚Musik im Park‘ stehen die Künstler im wahrsten Sinne mit den Elementen in Kontakt. Gespielt, getanzt und gesungen wird auf ebener Erde. Wind, Sonne und Wetter sind Teil der Performance. So verlegte das Martinez-Quartett ihren Tanz bei Regen auch mal von der Wiese ins Theaterfoyer. Auch der Stuttgarter Dirigent Wilhelm Keitel ließ 1994 in der Ruine des Marstalls unter freiem Himmel spielen.

Getragen werden die Festspiele vom Förderverein und dessen 195 Mitgliedern. Ihr Engagement ist vielfältig: in der Vorbereitung, beim Auf- und Abbau, im Marketing oder bei der Versorgung der 40 Berliner Ballettschülerinnen, die traditionell die Veranstaltung mit einer Gala beehren. Einer der wichtigsten Organisatoren hinter den Kulissen der Festspiele ist der Bergener Klaus Möbus. Der ehemalige Putbusser Theaterdirektor ist auch nach seinem Ruhestand 2012 dem Theater treu geblieben. Als Mitglied und von 2016-2019 auch als Vorsitzender widmet er seine freie Zeit dem Förderverein. Der Verein springt ein, wenn Geld für Weihnachtskonzerte oder Märchenaufführungen fehlt und ermöglichte 1992 die dringend notwendige Sanierung.

2020 verspricht das Element Feuer leidenschaftliche Klänge

Dieses Jahr, 2020, verspricht das Element Feuer vielleicht tanzende, wärmende, leidenschaftliche Klänge. Sicher ist, dass Beethovens 250. Geburtstag eine musikalische Rolle spielen wird. Ebenso zeigt das Theater Putbus zum 200. Jubiläum eine Koproduktion von Haydns “Die Apotheker”. Die Oper ist der Aufführungspraxis ihrer Entstehungszeit von 1768 nachempfunden. Die Sänger werden in Kostümen, ähnlich denen des 18. Jahrhunderts und begleitet von historischen Instrumenten, in Schloss Kochberg, Putbus und im maltesischen Valletta zu sehen sein.

Rügen hat übrigens nicht nur akustisch, sondern auch visuell einiges zu bieten – besonders bei Instagram.


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