Pferdetheater Zirkow – ein Interview mit Marlen Schulz


Versehentlich in Stralsund geboren, ist Emy waschechte Rüganerin und ihrer Insel seither immer treu geblieben. Nachdem sie jahrelang mit Zahlen jonglierte, widmet sie sich nun ihrer Leidenschaft für das geschriebene Wort. In ihrer Freizeit erkundet sie am liebsten die Natur... mehr

2001 gründete der Belgier Leon Vermeulen das Pferdetheater auf der Insel Usedom. Die eigenwilligen Inszenierungen sind als Hommage an das Pferd und seine Kultur zu verstehen. Seit Juni 2017 gibt es am Rande des Ortes Zirkow, auf der Insel Rügen, eine weitere Spielstätte. Ich habe Marlen Schulz getroffen, eine der Betreiberinnen, die bei den Aufführungen auch selbst im Sattel sitzt.

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© Detlef Witt

 

Pferdetheater – das klingt erstmal ungewöhnlich – wie kam es zu der Idee?

Das Pferdetheater wurde durch Leon Vermeulen, einem belgischen Dressurtrainer, Anfang der 2000 Jahre begründet.Seine Interessen lagen neben der Ausbildung von Pferd und Reiter schon immer im Bereich der Kunst. So war die Idee es miteinander zu vereinen, naheliegend. Er hat schnell festgestellt, dass es besondere Emotionen in einem Menschen auslöst, wenn Pferd und Reiter sich gemeinschaftlich zu einer besonderen Musikdarstellung bewegen. Daraus hat sich die heutige Show des Pferdtheaters entwickelt. Nach und nach lassen sich von dieser Faszination immer mehr Leute mitreißen.

Wer hat bei euch die kreativen Auftrittideen?

Leon ist unser kreativer Kopf im Team. Er überlegt sich den roten Faden für die Vorstellung. Bei den gemeinsamen Proben bringen wir uns alle mit ein. Abends sitzen wir oftmals gemeinsam und überlegen, was wir noch verändern könnten. Leon sammelt die Ideen und setzt seinen Stempel darauf.

Wie kam es zu dem diesjährigen Jahresthema?

Leon wählt die Jahresthemen aus. Er würde es nicht als bewusste Entscheidung beschreiben. Gewisse Dinge treiben ihn um und das Waldthema ist schon seit Jahren aktuell. Mit der Zeit kam dann die Idee der Umsetzung. Dabei geht es nicht um die Wahl politischer Themen, sondern um Themen, die ihn auf vielerlei Ebenen bewegen.

Warum habt ihr euch für den Standort auf Rügen entschieden?

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© Detlef Witt

Zuletzt fand unser Pferdetheater viele Jahre in Berlin statt, auf einem Hof, der durch einen Reitverein betrieben wurde. Wir konnten uns dort gut einbringen und begrenzt unsere Veranstaltungen durchführen. Unser Traum war es, einen Ort zu schaffen, an dem es nur um das Pferdetheater geht.Diesen Ort bauen wir uns in Zirkow gerade auf. Wir fangen eine besondere Stimmung ein und versuchen etwas Eigenes zu kreieren.

Welche Eigenschaften brauchen die Pferde?

Ein ruhiges Gemüt und einen ausgeglichenen Charakter. Wir arbeiten regelmäßig mit Musik und Projektionen, haben Auswärtsauftritte. Da kommt es hin und wieder zu unvorhergesehenen Situationen. Nicht jedes Pferd ist dafür geeignet. Optisch sollten Sie eine besondere Ausstrahlung haben. Und nachdem man eine Weile mit einem gewissen Pferd gearbeitet hat, merkt man, ob es genügend Potential mit sich bringt.

 Und ihr? Seid ihr sehr aufgeregt vor einer Vorstellung?

Einige von uns sind schon manchmal aufgeregt. Ich eher weniger. Ich fühle mich recht sicher auf dem Pferd und freue mich, dass es wieder losgeht.

War es schon immer dein Traum, eine Show zu reiten?

Ich reite schon seit vielen Jahren, habe dabei ziemlich von Anfang an mit dem Theaterreiten etwas zu tun gehabt. Direkt habe ich aber nie in die Richtung des Theater- oder Showreitens geplant. Für mich ist es ein schönes Gefühl, erfolgreiche Trainingseinheiten zeigen zu können. Ich konnte schon tolle Erfahrungen sammeln, in dem ich ein paar Jahre für Apassionata reiten durfte. Für mich ist das Wichtigste die tägliche Beschäftigung mit dem Pferd, das Gefühl dem Pferd etwas beibringen zu können und einen Lernerfolg zu sehen.

Wie entstand die Liebe zu diesem Tier?

Ich reite schon, seit ich 5 Jahre alt bin. Ich bin auf dem Dorf groß geworden. Immer wenn ich ein Pferd gesehen habe, mussten meine Eltern es mit mir streicheln oder zum Ponyreiten gehen. In der Schule habe ich dann eine Freundin kennengelernt, die zwei Shetlandponys hatte. Damit ging es los.

 Was war dein schönstes Bühnenerlebnis?

Eine besondere Erinnerung habe ich an die Apassionata – Show. Wir sind in großen Arenen geritten, mit bis zu 10 000 Menschen. Man schaut sich um und sieht diese auf den Rängen immer kleiner werdenden Menschen. Eine weitere besondere Erfahrung war die erste Vorstellung in Zirkow, in der Feldsteinhalle. Wir haben viel Arbeit in diese Reithalle gesteckt und dann war der Saal zum ersten Mal gefüllt.

Was ist für Dich das Besondere am Pferdetheater Zirkow?

Der Ort selbst ist besonders. Unser Hof liegt am Rande des Dorfes, leicht abgelegen und eher still. Die Reithalle ist eine denkmalgeschützte Feldsteinhalle, mit einem alten Flair. Die Einrichtung der Halle ist dabei modern, mit rot bezogenen Theaterstühlen auf einer kleinen Tribüne. Im Foyer steht ein großes Holzpferd. Die Stücke selber sind besonders. Theatervorführungen, in denen Pferde vorkommen, verbindet man oft mit einem gewissen Gefühl von Kitsch oder eher mit knalligen Mittelaltervorführungen. Unsere Show hingegen ist einmalig.

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© Detlef Witt

Noch bis Ende August immer Mittwochs bis Samstags und im September immer Samstags um 19:30 Uhr, könnt Ihr das Stück „Into the forest i go to lose my mind and find my soul“ im Pferdetheater in Zirkow anschauen. Weitere Infos über das diesjährige Thema findet ihr hier.

Im August kann man immer Donnerstag zwischen 10 und 12 Uhr beim Training der Pferde zuschauen. Der Eintritt ist frei.

Wer es im Sommer nicht schafft, kann sich die neue Vorführung zum Thema Wald vom 27.12. bis 02.01. nochmals anschauen. Da spielt das Pferdetheater jeden Abend jeweils 19:30 Uhr in der schönen Feldsteinhalle.


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