Wir wandern fürs Meer im Ostseebad Baabe


Im südöstlichen Zipfel Mecklenburg-Vorpommerns geboren, verschlug es Claudia zunächst nach Leipzig, dann nach Schottland, Berlin und zuletzt auf eine Berghütte in den Alpen. Die Sehnsucht nach Wind und Meer zog sie schlussendlich nach Rügen, wo sie jede freie Minute Rad-... mehr

Der Himmel ist noch grau verhangen, als ich mich am Morgen auf den Weg nach Baabe mache zum „Wandern fürs Meer“. Erst vor wenigen Minuten hat es aufgehört zu regnen. Alles ringsum ist sattgrün, die Bäume bilden ein dichtes Dach über den Alleen, zwischen ihnen kniehohes Gras, als wäre es über Nacht in die Höhe geschossen. Auf der Straße, oder besser gesagt, in diesem tiefgrünen Tunnel, liegen weißgelbe, nasse Blüten, die der Regen von den Zweigen gespült hat.

Mit Bollerwagen und Greifzange: Auf gehts!

Als ich am Haus des Gastes ankomme, lugt die Sonne immer mal wieder zwischen flauschigen Wolken hervor. Die Luft ist frisch, wie reingewaschen. Ich bin gespannt, wie viele auf der Wanderung dabei sein werden, so früh am Morgen und bei einer Wetterlage, die sich eher nach April als nach Mai anfühlt. Und dann sehe ich Heike und Tino. Ob sie auch fürs Meer wandern wollen, frage ich sie. Beide strahlen und Heike verrät mir, dass sie beide schon in Wandern fuers Meerder letzten Woche an der Wanderung teilgenommen haben, die das Schöne mit dem Nützlichen verbindet. Denn während der einstündigen Wanderung geht es mit Bollerwagen, Greifer und Eimer auf Beutezug an Strand und Promenade zum Müllsammeln.

Johanna von der Kurverwaltung nimmt uns in Empfang und verteilt das Zubehör. Währenddessen erzählen mir Heike und Tino, die aus Riesa bei Leipzig kommen, dass sie schon seit Anfang der Neunzigerjahre nach Rügen reisen. Genauer nach Baabe: „Schon mit den Kindern, als die noch klein waren“, sagt Heike, die bereits erste „Fundstücke“ entlang des Weges Richtung Strand aufsammelt. Warum sie schon zum zweiten Mal an der Aktion teilnehmen, frage ich sie. „Wir kommen jedes Jahr hierher und lieben es, hier Urlaub zu machen. Es ist schön, dass wir auf diesem Wege etwas zurückgeben können“.

Von A wie Hunde-AA bis Z wie Zigarettenkippe

Mit Schreibblock und Kamera in der Hand habe ich für den Greifer keine Hand frei, ziehe mir aber einen Handschuh über und freue mich schon bald über die erste Beute, eine Zigarettenkippe. Es wird die erste von mindestens 50 sein, nach denen ich mich in der nächsten Stunde noch bücken werde. Schnell wird uns warm. Heike bindet sich die Jacke um die Hüften und Johanna meint, dass wir so auch noch sportlicher und dynamischer aussehen würden.

Nur eine kleine, dafür aber sehr gut gelaunte Truppe, erregen wir mit unsrem Bollerwagen einige Aufmerksamkeit bei den frühen Spaziergängern, Gassigehern und Joggern. Was wir da denn tun? Und warum? Johanna nimmt sich die Zeit, die Fragen der Leute zu beantworten. „So schafft man es dann eben auch, sie für das Problem zu sensibilisieren“, sagt sie. Und ein Problem ist es. In unseren Eimern stapeln sich schon nach kurzer Zeit diverse Kabel, Bonbonpapier, Wegwerfbecher, kleine Schnapsflaschen, Kaugummipapier, Taschentücher, die Hinterlassenschaften von Hunden in zugeknoteten Tüten und Kippen, Kippen und nochmals Kippen. Mehr als 300 haben wir am Ende gesammelt. 300 von 4,5 Billionen weltweit weggeschnippten Zigarettenstummeln jährlich. Was kaum jemand weiß: es handelt sich dabei um giftigen Sondermüll. Mit Nikotin verseuchtes Wasser wird für Fische zu einer tödlichen Falle. Junge Forellen etwa erleiden innerhalb von Sekunden einen Nervenschock. Eine einzige Zigarettenkippe kann einen Liter Wasser so vergiften, dass darin schon nach vier Tagen Fische sterben. Dabei ist es so einfach, der nächste Mülleimer selten als ein paar Meter weit entfernt.

Weniger fuers MeerWeniger fürs Meer? – Ja, bitte, unbedingt!!

Nach einer Stunde verabschieden wir uns zufrieden, Heike und Tino nehmen gleich noch an einer Tour durch Baabe teil. Ein großer Eimer ist voll mit Dingen, die in unserer schönen Natur nichts zu suchen haben. „Das ist sogar noch wenig“, sagt Johanna zum Abschied, für die diese wöchentlichen Wanderungen eine schöne Abwechslung sind. Ein bisschen nachdenklich, mit der Aussicht auf Muskelkater vom vielen Bücken und mit dem schönen Gefühl, an einer tollen Aktion teilgenommen zu haben, trete ich den Rückweg ins Büro an.

Wandern fürs Meer ist eine Initiative im Rahmen des Projekts Weniger fürs Meer, das seit Anfang des Jahres im Rahmen des Modellvorhabens Land(auf)Schwung vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert wird. Hier findet ihr noch mehr Infos zum Projekt.

Wandern fürs Meer könnt ihr noch bis zum 16. September immer montags um 10 Uhr. Treffpunkt ist am Haus des Gastes in Baabe. Am Montag, dem 8. Juli beginnt die Wanderung abweichend schon um 9 Uhr.


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