Auf Fototour in Binz mit Mirko Boy


Auf Fototour in Binz mit Mirko Boy
Im südöstlichen Zipfel Mecklenburg-Vorpommerns geboren, verschlug es Claudia zunächst nach Leipzig, dann nach Schottland, Berlin und zuletzt auf eine Berghütte in den Alpen. Die Sehnsucht nach Wind und Meer zog sie schlussendlich nach Rügen, wo sie jede freie Minute Rad-... mehr

„Auf den Auflöser drücken“, antwortet Mirko Boy trocken auf die Frage eines Teilnehmers, wie er denn jetzt das Foto machen soll. Es ist ein kühler Septemberabend und wir haben uns mit ihm zu einer Fototour in Binz verabredet. Ein paar der Teilnehmer haben bereits den Theorie-Kurs am Nachmittag besucht. Warum das eine gute Idee ist – dazu später mehr. Die Bedingungen scheinen vielversprechend für die Tour „Blaue Stunde“. Der Begriff bezieht sich auf die besondere Färbung des Himmels auf der Schwelle von der Dämmerung in den Eintritt der nächtlichen Dunkelheit. Ganz konkret befindet sich die Sonne während dieser Zeit etwa 4 bis 8 Grad unterhalb des Horizonts. Sonnenuntergangsfotos waren gestern.

„Es ist deine Kamera, das zählt!“

Tatsächlich ist der Himmel über uns tiefblau. Vereinzelt ziehen große Wattewolken vorüber, sie lassen die Nuance sogar noch kräftiger erscheinen. Lebhaft gestikulierend erklärt uns Mirko den Ablauf unserer gemeinsamen Tour, gespannt hören alle zu. Unwillkürlich wandert mein Blick immer wieder gen Himmelszelt und ich kann es plötzlich kaum erwarten, loszulegen.

Auf dem Weg zu unserem ersten Stop unterhalb des Kurplatzes fällt das Gespräch auf die unterschiedlichen Kameramodelle. Als „nichts besonderes“ bezeichnet eine der Teilnehmerinnen ihr Gerät. „Doch ist es“, gibt Mirko zurück. „Es ist deine Kamera, das zählt“. Es komme eben auf ein gutes Auge an. Er habe schon Leute gesehen, die mit einem ganz einfachen Modell weitaus bessere Bilder gemacht hätten, als solche, deren Equipment den Wert eines Kleinwagens übersteige.

Wie einzigartige Bilder entstehen

Nachdem wir die Stative aufgebaut haben – mit Blick auf das Hotel Ceres am Meer und das Strandschloss Binz – hat sich hinter uns eine neugierige Meute Eis essender Passanten versammelt. Erwartungsvoll schauen sie uns über die Schulter, um die ersten Fotos zu begutachten. Doch gut Ding will Weile haben und Mirko nimmt sich viel Zeit, die Teilnehmer bei den individuellen Einstellungsmöglichkeiten ihrer Kameras zu unterstützen. Das macht er mit großem Ernst, viel Begeisterungsfähigkeit und einer guten Prise norddeutschem Humor. Vor allem jene, die bereits am Nachmittag beim Theoriekurs waren, haben den Dreh mit der Belichtungszeit schnell raus.

Erste Erfolge stellen sich ein – auf den Bildschirmen der Teilnehmer sehe ich stimmungsvolle Bilder, jedes einzigartig, obwohl sie dasselbe Motiv zeigen. Zum Schluss dreht das Oldtimer-Taxi von Omas Küche noch ein paar Runden, damit wir ein sogenanntes Lightpainting-Foto machen können. Im Ergebnis wird das Auto nicht auf dem Bild zu sehen sein, seine Lichtspur rund um den Obelisken allerdings schon. „Braucht ihr mich noch?“ ruft der Chauffeur lässig aus dem heruntergekurbelten Fenster und fährt langsam davon. Das Bild hat jeder im Kasten. Weiter geht es zum Kurhaus, zu einer der schicken Bädervillen und abschließend zum Müther-Turm, meinem persönlichen Highlight auf dieser Fototour.

Der Müther-Turm in Szene gesetzt

Es ist eine atemberaubende Szenerie. Im Hintergrund tanzen die Lichter von Sassnitz, ein dunkles Wolkenband hat sich am Horizont gebildet, dazwischen der Mond, der in seiner Größe und orangegoldenen Leuchtkraft zu sagen scheint: „beachtet mich gefälligst!“. Wir aber wenden uns dem UFO-gleichen Hyparschalenbau des gebürtigen Binzers und Landbaumeisters Ulrich Müther zu.

Die Gespräche sind weniger geworden, alle widmen sich konzentriert der herausfordernden Aufgabe, den ehemaligen Rettungsturm abzulichten. Die Ostsee ist nicht zu sehen, das Rauschen ihrer Wellen dafür umso besser zu hören. Mit einer Taschenlampe taucht Mirko den Turm in blaues und rotes Licht – vor dem nachtblauen Himmel, mit Sternen gesprenkelt und den wenigen blassweißen Dunstwolken werden es Bilder zum Träumen.

Vieles nehme ich an diesem Abend für mich mit – interessante neue Einblicke in die Fotografie, die Faszination, besondere Lichtstimmungen mit der Kamera einzufangen und einen ganz neuen Blickwinkel auf das Ostseebad Binz mit seiner architektonischen Vielfalt. Mit der Taschenlampe malt Mirko ein letztes Bild in den Nachthimmel. Auf unseren Bildern prangt in leuchtend roten Lettern „I love Rügen“.

Titelbild: Mirko Boy

Eine Übersicht über die Fototouren von Mirko Boy finden Sie unter: https://touren.ruegenfotos.de


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