Plattdeutsches zum Fest


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Wenn Ruprecht auf die Insel radelt,

der Weihnachtsbaum im Zimmer nadelt,

dann endet das Tourismusjahr.

Auch dieses war echt wunderbar.

 

So oder ähnlich und natürlich auf Platt hätte der Arzt und Schriftsteller Bernhard Trittelvitz vielleicht gedichtet und sich garantiert über die tollen Übernachtungszahlen und Gästeankünfte im Jahr 2016 auf Rügen gefreut.

Bernhard Trittelvitz lebte von 1879 bis 1969. Als vierjähriger Pastorensohn kam er auf die Insel Rügen, habe ich „in dat fre’e Nakieksel“ gelesen, wie man das Internet-Nachschlagewerk Wikipedia auf Platt bezeichnet. Auf dem Muttland hat Bernhard viele Weihnachtsfeste im Kreise seiner Familie gefeiert. In Rappin wuchs er auf, wurde dort eingeschult und kam später auf das Pädagogium in Putbus, wo nicht mehr Platt, sondern Hochdeutsch gesprochen wurde. Trittelvitz machte dort im Jahre 1899 sein Abitur und studierte später Medizin an den Universitäten Tübingen, Kiel und Marburg. Nach seiner Promotion praktizierte er zunächst als Arzt auf Rügen und ab 1907 im Saarland.

Der Insel und seinem Muttland war er immer verbunden. Wann das folgende Gedicht entstand, haben wir Inselexperten leider nicht herausgefunden. Ich habe es vor einigen Monaten bei der Buchpräsentation „Mein Rügen. Mein Hiddensee. Ein Atlas voller Liebeserklärungen“ in Dahlmanns Bazar in Sassnitz gehört, vorgetragen von Karl Zerning aus Bergen:

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Twee Aart Rügen

 

Veel Frömde kamen jedes Jaar

na Rügen he un baden dar

in Water, Luft un Sünnenschien

un reisen wedder na Berlin.

Dar snacken se dann överall

von „Sturmgebrus“ un „Wogenprall“,

von „himmelhogen Kreidefels“,

von dulle Pries un düre Hotels,

un von den Ball in´n Strandpavillon,

denn de wier´t schöönste von de Saison.

Ik sta darbi un hür dit all

un weet nich, wat ik seggen sall.

 

Denn mien leev Rügen is nich so.

Dat is en lütt Huus, un dat Dach is von Stroh.

Vor de Döör liggt de Hund un speelt mit uns Katt,

un Mudding steit an´t Botterfatt.

Up´n Meßfaal lacht de Sünnenschien,

dar kratzen de Höner, dar wöölt uns Swien,

un up den Telefondrat sitt

lütt Swölk un singt eer Tütelütüt.

 

Doch wiet, wiet weg, bi Hiddensö

blänkert de grote, wille See.

 

Un darmit müßt du di bescheiden,

süss hebben wi nix antobeiden.

Dat is nicht veel, doch bün ik fro,

dat ik von Muttland stammen do.

 

Die Inselexperten wünschen Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Nutzen Sie die Zeit, sich an den vergangenen Rügenurlaub zu erinnern und den nächsten zu planen. Lassen Sie sich von unserem Onlinemagazin inspirieren!

Rügen 2017, das ist Aktivurlaub in allen Elementen – an Land, im Wasser, an frischer Luft, im Sonnenschein. . .

Und vielleicht besuchen Sie dann auch das Muttland, den Inselkern, und die verträumten Orte abseits der Touristenströme.

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