52 Gesichter der Insel Rügen: Olaf Zender #33of52


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Olaf Zender | Lehrer aus Kasnevitz, Jahrgang 1963

Im Strickpullover zum Bewerbungsgespräch

Kasnevitz an einem warmen Sommertag 2015: Leise schiebt Olaf Zender sein Motorrad, eine alte MZ BK, aus dem Schuppen und auf die Wiese, wo das Trampolin vom „Spatzennest“ steht. Nur wenige Meter daneben – im Schatten der Bäume – schlafen in kleinen Zelten die „Spatzen“ der ersten Kneipp-Tagesmutti von Mecklenburg-Vorpommern, von Heike Zender. Sie ist um die Mittagsruhe ihrer lütten Schützlinge bedacht und legt den Zeigefinger auf ihren Mund. Ihr Mann nickt und schiebt das Motorrad noch ein Stückchen weiter. Vor der Kamera möchte der Lehrer nicht unbedingt auf einem Gartenstuhl sitzen. Viel wohler fühlt er sich auf seinem geliebten Gefährt, auf der 350er Maschine mit Boxermotor und Kardanwelle, die er einst in „doppelter Währung“ gekauft hat: für 200 Mark der DDR und eine Flasche Schnaps aus dem Seemanns-Shop, bezahlt mit Valuta, also Westgeld.

Seine Wurzeln liegen unweit der 1000jährigen Ivenacker Eichen, an die er sich gern erinnert. Eine Runde um den See und vorbei an den Eichen – diese Aufwärmübung war fester Bestandteil der Sportstunden an seiner Schule.

Olafs Eltern haben in der Landwirtschaft gearbeitet, in Klockow, einer damals katholischen Enklave in Mecklenburg. So wurde er auch getauft und entsprechend erzogen. Im Wendejahr 1989 hielt Olaf Zender sein Diplom als Deutsch- und Englischlehrer in den Händen.

Drei Jahre Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee musste auch Olaf Zender hinter sich bringen, denn das war für junge Männer in der DDR allgemein die Voraussetzung dafür, ein Studium aufnehmen zu können. Einen Teil dieser drei Jahre verbrachte er Anfang der 80er Jahre in Prora. Dorthin kam er im Wendejahr 1989 als frisch gebackener Lehrer zurück.

Olaf Zender schaut zur Uhr, steigt ab vom Motorrad und schiebt es zurück in den Schuppen. Nur leise klappert die kleine Blechrampe an der Tür. Die Lütten vom „Spatzennest“ schlafen noch immer in ihren Zelten, gut behütet und versorgt von ihrer Tagesmutti Heike. Olaf muss los. Er hat noch einen Termin. Er geht mit Jugendlichen paddeln. Denn ehrenamtlich engagiert sich der Lehrer im Jugendring Rügen. Und dieser Verein ist eine Initiative im Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt.

www.buendnis-toleranz.de/node/162047

Video und Foto: pocha.de

Insel Rügen. #25JAHRE

Nach dem Mauerfall in die Reisefreiheit. Deutschland feiert im Jahr 2015 „Silberhochzeit“: 25 Jahre Deutsche Einheit. Die Insel Rügen erinnert mit der Kampagne „#25JAHRE“ an jene Zeit vor und nach dem Mauerfall. Wie haben die Menschen auf Rügen, Ummanz und Hiddensee die gesellschaftliche Wende erlebt? Wie war ihr Leben in der DDR – an der unsichtbaren Mauer, die Ostsee hieß? Und wie ging es im neuen, vereinten Deutschland für sie weiter? Rügen hat sie: Menschen mit ihren spannenden Geschichten, authentisch, ehrlich, emotional, überraschend. Jede Woche des neuen Jahres steht für 52 dieser Gesichter, die immer freitags in Kurzfilmen auf Youtube (youtube.com/wirsindinsel), Vimeo und im Blog www.wirsindinsel.de gezeigt werden: Plattdänzer und Plattschnacker, „Ureinwohner“ und Neurüganer, Sänger, Künstler, Mitgestalter, eine Meisterin, der Wetterfrosch, der Nachbar und die Nachbarin. Spannende Geschichten, die zeigen, wie tief so manche Wurzel in die Rügener Geschichte hinein reicht, was Glück und was Heimat bedeuten und wie sich Zeiten und Menschen ändern, ob Wünsche und Träume wahr wurden oder Hoffnungen sich vielleicht doch nicht erfüllt haben. #25JAHRE ist ein Projekt voller Emotionen, ein Stück bewahrter Zeitgeschichte, ein Teil von Rügen.


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