Der Sagenstein von Bergen auf Rügen


Seit 1755 leben die Vorfahren von Uwe Hinz als Bürger in Bergen auf Rügen. Hier stand 1948 auch seine Wiege. Sein Interesse für Geschichte, Archäologie und die Bücherwelt sind Bestandteil seines Lebens. Der Kürschnermeister lebt und arbeitet mit seiner Frau... mehr

Der Rugard bei Bergen auf Rügen liegt etwa 90 m über dem Meeresspiegel. Es ist ein geschichtsträchtiger Ort. Auf der Höhe liegt der slawische Burgwall, indem während ihrer Aufenthalte auf der Insel die rügenschen Fürsten residierten. Heute befindet sich im Inneren des Walles der 1877 erbaute Ernst-Moritz-Arndt-Turm. Über eine gußeiserne Treppe erklimmt der Besucher den Turm. Von dessen Höhe genießt man die zerklüfteten Weiten der Insel bis zum offenen Meer. Vor 180 Jahren war der Rugard noch weitgehendst unbewaldet und erst der Fürst Malte zu Putbus ließ nach 1830 das Gebiet aufforsten.

Von dort führt durch einen Hohlweg unser Pfad nach Buschvitz, einem ehemaligen Fischerdorf am Kleinen Jasmunder Bodden.

Auf der Höhe linkerhand des Hohlweges liegt etwas versteckt der Sagenstein „Mägdesprung“.

Märchen und Sagen erzählen und noch heute von den Sehnsüchten, Erfahrungen und Begebenheiten unserer Vorfahren.
Immer wieder gab es Menschen, die den Männern in der Krügen und den Frauen in den Spinnstuben zugehört haben und ihre Erzählungen aufschrieben damit sie der Nachwelt erhalten bleiben.

So erschien in der Nicolaischen Buchhandlung zu Berlin im Jahre 1840 „Die Volkssagen von Pommern und Rügen“. Autor war der 1798 im westfälischen Lette geborene und 1881 in Zürich gestorbene Jodocus Donatus Hubertus Temme. Er, der Sohn eines Anwalts avancierte zum Juristen, Politiker und Schriftsteller. Er gehörte 1848 der gemäßigten Fraktion der Linken in der Frankfurter National-versammlung an und wurde 1849 wegen demokratischer Umtriebe des Hochverrats beschuldigt und neun Monate inhaftiert. Ab 1851 leitete er die „Neue Oderzeitung“ in Breslau. Nach 1850 schrieb er Kriminalerzählungen, die in dem Journal „Die Gartenlaube“ veröffentlich wurden.
So fand der 1860 in Bergen auf Rügen geborene und 1950 auch hier verstorbene Alfred Haas die Sage vom „Mägdesprung“ in dem von Temme veröffentlichten Sagenbuch.
Professor Dr. Haas, selbst Lehrer an einem Lyzeum in Stettin verdanken wir durch seine volkskundlichen Forschungen zahlreiches historisches Wissen.
So erschien im Mai 1891 in Stettin sein Werk „Rügensche Sagen“. Alle Sagen wurden nummeriert und die Quellen namentlich benannt. IM Vorwort zur ersten Auflage schrieb er: „… Einerseits hoffe ich, daß es meine rügenschen Landsleute nicht ungerne sehen werden, wenn sie die Sagen ihrer engeren Heimat, mit welchen sie aufgewachsen und groß geworden sind, in einer besonderen Sammlung vereint finden und nachlesen können. Andererseits aber dürfte auch vielen auswärtigen Verehrern der Insel Rügen, welche alljährlich zu einem längeren oder kürzeren Aufenthalte dorthin kommen, eine Sammlung des rügenschen Sagenschatzes nicht unwillkommen sein“.
Soweit Alfred Haas in seinem Vorwort.
Ein Urlauber fragte mich erstaunt als er meine Haustabaksmarke „Mägdesprung“ sah, dass es im Harz diesen Sagenstein gibt. Darauf entgegnete ich ihm nicht ohne Stolz, dass Bergen eben auch so einen markanten Stein aufweisen kann.

Dieser etwas versteckt liegende Granitstein weist wirklich einen deutlich erkennbaren Schuhabdruck und einen Peitschenschnitt auf.
Die Sage erzählt uns, dass dort einst ein Höfling der damaligen Fürstenburg eine schöne Hirtin antraf, die ihre Herde nah beim Rugard weidete; er suchte sie seinen Wünschen geneigt zu machen, aber das Mädchen entfloh. Als sie im Begriff war, über den Hohlweg auf einen auf der entgegengesetzten Seite liegenden Stein zu springen, rief ihr der schon nahe Verfolger zu: Ebenso unmöglich ihres Fußes Spur sich dem Steine eindrücken, so unmöglich sie mit ihrer Peitsche eine Vertiefung in den Stein hauen könne,- ebenso unmöglich sei es, daß sie ihm entkommen könne. Das Mädchen sprang zu und hieb im Sprunge mit der Peitsche auf den Stein, und siehe! Des Mädchens Fußspur war in den Stein eingedrückt, und der Peitschenhieb hatte eine Vertiefung im Stein hervorgebracht- und das Mädchen entging ihrem Verfolger.

 

Zwei weiter Steine mit Fußabdrücken befinden sich in der Nähe des Herthasees bei Stubbenkammer und bei Neddesitz.
Diesesogenannten „Fußstapfensteine“ haben ihr Aussehen durch Fremdsteineinschlüsse und werden Xenolithe genannt.
Trotzdem genießen wir doch einfach die Phantasie unserer Vorfahren. Ohne diese wäre unsere Welt sehr viel ärmer.

Ihr
Kürschnermeister Uwe Hinz

 

Inselexperten-Tipp:

Der Autor Uwe Hinz bietet außerdem regelmäßig Stadtführungen in Bergen auf Rügen an:

“Mit Ihrem magister historicus das historische Bergen entdecken”
Ein Streifzug durch unsere Kultur-, Natur-, Architektur- und Kunstgeschichte

Mittwochs (vom 01. April bis 30.September) um 10.30 Uhr
Treffpunkt ist der Platz „ Am Goldener Brinken“ (obere Bahnhofstrasse an der Billroth –Eiche)

ab 2 Personen pro Pers. 10,00 EURO
Dauer ca. 120 Minuten
Individuelle Führungen zu anderen Tagen und Zeiten das ganze Jahr über gern nach Absprache.

Donnerstags (bis Ende September) Kirchen- und Klosterarealführungen von 11.30 – 12.30 Uhr (5 Euro pro Person)
melden am Informationsstand in der Kirche St. Marien

Kontakt: firma-hinz@web.de oder telefonisch unter 03838 252808 (oder abends unter 03838 308485)

 


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