Die ehemalige Gardvogtei Patzig 
und die Kirche St. Margarethe


Seit 1755 leben die Vorfahren von Uwe Hinz als Bürger in Bergen auf Rügen. Hier stand 1948 auch seine Wiege. Sein Interesse für Geschichte, Archäologie und die Bücherwelt sind Bestandteil seines Lebens. Der Kürschnermeister lebt und arbeitet mit seiner Frau... mehr

Auf den Spuren unserer rügenschen Kultur
Prolog


Verehrte, liebe kulturinteressierte Leserinnen und Leser,
Rügen hat eine reichhaltige und sagenhafte Kultur, die ich mit Ihnen gemeinsam entdecken möchte. Ob es die typischen Backsteinkirchen sind, die Ihnen Glaubens- und Menschheits-geschichte vermitteln, ob es die Herrenhäuser sind oder die Sagenwelt, eingebunden in die vielfältigste Natur – erleben Sie Rügen mit mir aus einer ganz anderen Perspektive. In vielfältigen Wanderungen öffnet sich Ihnen eine Welt voller Geheimnisse und versteckter Schönheiten.

Teil 1

Die ehemalige Gardvogtei Patzig 
und die Kirche St. Margarethe

Die Stadt Bergen, ca 70 m über dem Meeresspiegel gelegen, dominiert  mit Ihrer Mittelpunktlage die Insel. Von hier aus möchte ich Sie gen Westen führen, über die Bahnhofstraße (im Mittelalter Lange Gasse und danach Gingster Straße genannt) zur B 96, eine Umgehungsstraße, die zu DDR Zeiten für den Transit von Schweden finanziert wurde. Diese überqueren wir und begeben uns in Richtung Gingst und Schaprode. Rechterhand liegt der Nonnensee ein einzigartiges Naturareal mit seiner interessanten Geschichte. An der nächsten Kreuzung biegen wir rechts in Richtung Patzig ab.
 Der Name Patzig stammt aus dem slawischen Sprachgebrauch und bedeutet soviel wie „sandige Gegend“.
1232 schenkt der rügensche Fürst Witzlaw I. dem Zisterzienserinnenkloster zu Bergen den Hof „Pyask“. 1282 findet hier ein Dorfkrug Erwähnung. 1297 verkauft Witzlaw II. den Bewohnern das Erbe und 20,5 Hakenhufen Ackerland zur Erbpacht. 1318 befindet sich in „Pyasceke“ eine Gardvogtei. 1532 gibt es hier 10 Bauernhöfe und 5 Katen. Nach der schwedischen Matrikel leben in Patzig 1695 außer den Bauern, ein Schneider, ein Leineweber, ein Schmied und ein Krüger. 1867 werden 41 Häuser und 397 Patziger gezählt.

Noch heute gibt es die Mühle des Müllers Drews zu Patzig, die als Museum sehenswert ist.

Neben alteingesessenen Patzigern hat sich nach 1990 so mancher Neupatziger hier angesiedelt.



Den Mittelpunkt bildet die auf dem 56 m hohen Heideberg gelegene Kirche St. Margarethe.

Mit ihrem wuchtigen wehrhaften Turm ( um 1500) überragt sie das weite Land. Wir erklimmen die Stufen des Heidebergs und stehen vor der 1318 geweihten Kirche. Noch heute begrüßt uns der vergoldete Hahn von der Kirchturmspitze. Vom Vorgängerbau sind keine sichtbaren Spuren mehr erhalten, ausgenommen  ist der Taufstein aus Granit. Über der Tauffünfte wurden bereits Generationen getauft. Diese wird um das Jahr 1250 datiert.
 Wir betreten eine gotische Saalkirche. Die Gewölbe sind durch Kreuzrippen verbunden und mit skurril anmutenden Malereien versehen. Diese werden in die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert und wurden um 1950 freigelegt. Zu sehen sind Palmetten, Weihkreuze, Reste von Minuskelinschriften und grotesk anzuschauende Köpfe.

Ein Kleinod stellt der spätgotische geschnitzte und farbig mit Vergoldungen gestaltete  Flügelaltar dar.
In der Pedrella aus dem 17. Jahrhundert  ist Jesus mit seinen Jüngern beim Abendmahl auf Kiefernholz in Öl gemalt. Im Mittelteil des Hauptaltars steht die Heilige Margarethe mit ihren Symbolen in den Händen, eingerahmt von den 12 Aposteln. Auf der Rückseite des Altars finden wir auf Holz gemalte Szenen aus dem Leben der Heiligen Margarethe.
 Über dem Altarschrein  befindet sich das Kruzifix mit dem gekreuzigten Jesus, wohl in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts geschaffen.
 Eine barocke Arbeit aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist die hölzerne Kanzel, ebenso ein Lesepult.
 Der aus Messing bestehende sechsarmige  Kronleuchter entstand 1725 und wird durch einen  Doppeladler geziert. In der eingravierten Inschrift heißt es: „HAT VEREHRT DER KIRCHEN ZIRD MARTEN HOHG BUMAN SEINE EHEFRAU ANNA DOROTHEA GEBOHRNE ZEHRN ZU PATZIG. ANNO 1725.“.
Die Orgel, versehen mit einem neogotischen Prospekt, wurde 1846  von den Stralsunder Orgelbauern Nerlich und Haase erbaut.

Treten wir aus der Kirche heraus, dann deuten Grabsteine darauf hin, dass auch hier über die Jahrhunderte die Bewohner zur letzten Ruhe gebettet wurden.

Patzig ist ein geschichtsträchtiger Boden, der unbedingt einen Besuch wert ist.

Foto: Uwe Hinz

Inselexperten-Tipp:

Der Autor Uwe Hinz bietet außerdem regelmäßig Stadtführungen in Bergen auf Rügen an:

“Mit Ihrem magister historicus das historische Bergen entdecken”
Ein Streifzug durch unsere Kultur-, Natur-, Architektur- und Kunstgeschichte

Mittwochs (vom 01. April bis 30.September) um 10.30 Uhr
Treffpunkt ist der Platz „ Am Goldener Brinken“ (obere Bahnhofstrasse an der Billroth –Eiche)

ab 2 Personen pro Pers. 10,00 EURO
Dauer ca. 120 Minuten
Individuelle Führungen zu anderen Tagen und Zeiten das ganze Jahr über gern nach Absprache.

Donnerstags (bis Ende September) Kirchen- und Klosterarealführungen von 11.30 – 12.30 Uhr (5 Euro pro Person)
melden am Informationsstand in der Kirche St. Marien

Kontakt: firma-hinz@web.de oder telefonisch unter 03838 252808 (oder abends unter 03838 308485)

 

 


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