Ausstellung in der Orangerie Putbus: Wandeln auf malerischen Pfaden


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Seine Bilder erschließen sich nicht unbedingt auf den ersten Blick. Sie machen neugierig, sie fesseln, überraschen immer wieder. Und genau das will Malte Brekenfeld. Seine Werke sind zurzeit in der Orangerie zu Putbus zu sehen. Es ist die letzte Ausstellung der Kulturstiftung Rügen in diesem Jahr und ein wunderbarer Abschluss dieser Saison. „Ich freue mich, dass meine Arbeiten hier zu sehen sind“, sagt der im Landkreis Güstrow lebende Künstler. „Ein erhebendes Gefühl.“

Sein Namensvetter, Fürst Malte,
  hatte die Residenzstadt und auch die Orangerie errichten lassen, ein lichtdurchflutetes und geschichtsträchtiges Gebäude, in dem zur Winterzeit die empfindlichen Exoten aus dem fürstlichen Park einst ihren frostfreien Platz fanden. Auch Brekenfelds Werke sind hier gut aufgehoben und kommen, wie er sagt, ganz anders zur Geltung als in seinem – einer Schiffskajüte ähnelnden – Atelier unter dem Dach.

In der kleinen Abseite der Orangerie hängen neben der große Marmorwanne vier Jagdszenen. „Mein Vater war leidenschaftlicher Jäger. Er war auch der Erste, der mir von der Fürstenfamilie erzählt hat“, so Brekenfeld. Die Bilder, eine Hommage an den vor vier Jahren verstorbenen Vater des Künstlers. Ein paar Schritte weiter – ein skurriles Gemälde – das Porträt eines Großvaters, der auf dem Kopf und auf den Schultern Wachtelküken trägt, ein gestörtes Bild von einem stattlichen Mann „aus der Generation Verschwiegenheit“, wie Malte Brekenfeld jene Menschen nennt, die den Zweiten Weltkrieg auch an der Front miterlebt aber nie darüber gesprochen haben.

Malte Brekenfelds Bildersprache
  erinnert auch in den filigranen Zeichnungen vielfach an den überbordenden Kosmos eines Pieter Bruegel oder Hieronymus Bosch, an eine Welt, in der Fabelwesen, Dämonen und andere unheimliche Kreaturen oder auch fantastische und erotische Figuren ihr „Unwesen“ treiben. Der Künstler setzt auf Mischtechnik, verwendet Bütten, Bleistift und farbiges Schmutzwasser, malt „nachhaltig aus dem Kaffeegrund“.

Malte Brekenfeld legt malerische Pfade an und leitet so den Betrachter auf Wege, die jener vielleicht gar nicht einschlagen wollte. So ist es schon vorgekommen, dass ein Kunstfreund anrief und ihm erzählte, was er auf diesem oder jenem Gemälde Wochen später neu für sich entdeckt hat.

„Wir müssen ganz einfach weg von diesem Tunnelblick,
  auch beim Betrachten von Kunst.“ Die Rotunde in der Orangerie hat der Künstler in einen „Fressraum“ verwandelt. Dort hängen großformatige Bilder mit fastfoodgeformten Menschenleibern, mit Schweinen, die aus der Massenaufzucht ins Schlachtermesser laufen. . .

Malte Brekenfelds Bilder haben aber nicht nur in der Orangerie einen repräsentativen Platz gefunden. Auf den Aida-Schiffen schippern sie seit Jahren um die Welt und erfreuen die Kreuzfahrer. Für Brekenfeld und seine mehr als 30 Künstlerkollegen, die auf den Kreuzfahrtschiffen mit an Bord sind, ist das eine große Chance, ihre Werke einem entspannten Publikum vorzustellen, das nicht nur Zeit sondern zuweilen auch Geld für die Kunst mitbringt.

Wer keine Kreuzfahrt buchen aber dennoch Brekenfelds Arbeiten für sich entdecken will, der ist bis zum 10. Januar 2015 herzlich eingeladen, die Ausstellung in der Galerie des Landkreises Vorpommern-Rügen in Putbus zu besuchen. Sie ist immer dienstags bis sonnabends von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Die Inselexperten danken dem Künstler für die freundliche Genehmigung, seine Arbeiten in unserer Bildergalerie zeigen zu dürfen.

Fotos: Holger Vonberg

 

www.malteart.de

 

 


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