Rügen unterstützt Waldkindergarten im Kongo


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

„Wir leben nicht allein auf diesem Planeten“ DRK-Kreisverband Rügen-Stralsund unterstützt Waldkindergarten in Afrika

Afrika, Sommer 2009: Dichte Staubwolken folgen dem Geländewagen, der die Reisenden auf den 70 Kilometern von Mushenyi nach Katana durchschüttelt. Unbarmherzig brennt die Sonne, doch Andreas Bachmann, der Vorsitzende des damaligen DRK-Kreisverbandes Rügen, bemerkt es kaum. Seine Gedanken sind noch immer bei den Kindern von Mushenyi. Mit großen, braunen Augen haben ihn die Mädchen und Jungen angesehen und noch lange gewunken, als er sich wieder auf den Weg machte. Sie wissen, wenn Menschen wie er und Heinz Rothenpieler vom gemeinnützigen Verein Lernen-Helfen-Leben e.V. sie besuchen, dann wird ihnen geholfen. Und Andreas Bachmann wird weiter helfen. „Wir werden Spenden sammeln, um den Aufbau eines Waldkindergartens in Mushenyi zu unterstützen. Dort läuft ein Projekt zur Wiederaufforstung. Und die Kinder sollen lernen, bewusst mit der Natur umzugehen, anders als ihre Eltern und die vielen tausenden Flüchtlinge, die in ihrer Not den Wald roden, um Brennholz zu bekommen.“

Die Mädchen und Jungs haben bislang nicht viel vom Leben gehabt.
  Sie kennen Armut nur zu gut, können weder lesen noch schreiben. Es fehlt an Medikamenten, Elektrizität und fließendem Wasser. Sie wissen nicht, warum sich in ihrer alten Heimat Ruanda Menschen jagen und töten und zu Hunderttausenden Zuflucht im Ostkongo suchen. Die Kinder sind zum Teil Waisen. Ihre Mütter wurden im Bürgerkrieg vergewaltigt, sind tagein, tagaus nur auf der Suche nach Essbarem für ihre Kleinen. „Und denen soll der Waldkindergarten ein Zuhause sein, ein einfaches Zuhause, in dem sie umsorgt, betreut und gebildet werden“, sagt Andreas Bachmann. Die Hütte steht auf festgestampftem Boden. Palmenblätter schützen vor Regen. Warmer Wind weht durch glaslose Fenster. Was fehlt, sind Erzieherinnen.

Frühjahr 2010: Noch immer weht Wind durch die Fensterhöhlen. Doch Andreas Bachmann und Heinz Rothenpieler haben Wort gehalten. Zwei Agronomen absolvieren in Katana einen Kurs, lassen sich zu Erziehern ausbilden. Sie werden etwa 50 Kinder in Mushenyi betreuen, mit ihnen durch die Natur streifen, Beete anlegen, Pflanzensamen keimen und Stecklinge setzen lassen.

Sie werden den Kindern Wurzeln geben.
Und Flügel, die da Bildung und Wissen heißen. Was fehlt, sind pädagogisches Material, Tische und Bänke und Geld, um die bescheidenen Gehälter der Erzieher zu finanzieren.

„Sicherlich wird so mancher fragen, warum die Rüganer ausgerechnet ein Projekt in Afrika unterstützen, wo es doch vor unserer Haustür genug Probleme gibt“, sagt Andreas Bachmann und gibt sogleich die Antwort. „Wir leben nicht allein auf diesem Planeten, müssen über unseren Tellerrand hinausschauen, denn auch den Kindern im Kongo gehört die Zukunft. Wir müssen ihnen und ihren Müttern dafür nur eine Chance geben.“

Andreas Bachmann bat und bittet die Rüganer um Mithilfe, um das Projekt zu fördern, den Waldkindergarten auf ein sicheres finanzielles Fundament zu stellen. Schon 200 Euro im Monat reichen, um dort zwei Erzieherinnen zu bezahlen. Zwei Rügener Kindergärten konnten bereits für den Waldkindergarten begeistert werden. Die lütten Rüganer von der Kita „Brüderchen und Schwesterchen“ und aus dem Altstadtkindergarten in der Bergener Gartenstraße wollen eine Partnerschaft aufbauen, persönliche Kontakte knüpfen. Auch der Vorstand des DRK-Kreisverbandes steht wie die Ortsvereine hinter dem Projekt.

Frühjahr 2011: Innocent Balagizi aus Afrika hat zum ersten Mal den deutschen Regenwald kennen gelernt, die Granitz im Nieselregen. Der Biologe kennt in seiner Heimat Ostkongo alle Pflanzen mit Namen, erforscht und publiziert deren Wirkstoffe und Heilkräfte und vermittelt dieses Wissen vielen Menschen. Auch den Kindern. Er leitet den Waldkindergarten. „Dieser Waldkindergarten in unserem winzigen Dorf im Ostkongo ist ein kleines Pflänzchen, das wächst und Früchte tragen wird“, ist er sich sicher. „Hier lernen die Kinder, die Natur zu verstehen, behutsam mit ihr umzugehen. Sie lernen das Pflanzen und die Pflege. Und sie lernen soziales Leben kennen. Etwas, das durch die Kriegswirren, die schrecklichen Bilder und die Massenflucht verloren gegangen ist.“ Den Kongo von der Basis aufzubauen, sei ein langer aber sicherer Weg.

35 Kinder gehen zurzeit täglich in dieses Haus, das unter Palmen steht, berichtete er 2011. Die Mädchen und Jungen werden von Betreuern umsorgt, die mit Geld von Rügen weitergebildet werden konnten. Heinz Rothenpieler vom gemeinnützigen Verein „Lernen-Helfen-Leben“ sagte: „Es ist einmalig, was Rügen da zustande gebracht hat.“

Eine Stütze ist auch Helmut Stützer,
  ein Binzer Maler aus Leidenschaft, der schon einigen Jahren viele Binzer angesprochen und um Geld für dieses Projekt gebeten hat. Ich habe Helmut Stützer vor ein paar Wochen in Bergen getroffen. Voller Stolz erzählte er mir, dass der DRK-Kreisverband Rügen in diesem Jahr erneut 4000 Euro für den Waldkindergarten gespendet hat: „Ich will gern mithelfen, damit es den Kindern in Afrika besser geht. Ich weiß, es ist der Tropfen auf den heißen Stein, aber wenn es mehr dieser Tropfen werden, dann bewirken wir auch etwas.“

Die Hälfte des Verkaufserlöses seiner Bilder- und Textsammlung „Jenseits der Hast“ ist damals dem Waldkindergarten in Mushenyi zugute gekommen. Auch die Nachauflage, die jetzt erschienen ist, soll helfen. Es ist eine malerische Rügenwanderumng mit literarischen Nachdenklichkeiten, mit Zitaten von großen Dichtern und Denkern. Zum Geleit schreibt Helmut Stützer: „Ich kenne keine heile, keine harmonische Welt. Sie kann auch nicht mit Farben oder Bildern suggeriert werden. Aber es gibt viele schöne Einzelheiten. Und wer bewusst lebt und die Einmaligkeit seines Daseins begriffen hat, wird immer bereit sein, die Chance und das Abenteuer wahrzunehmen, an jedem Tag nach diesen tatsächlich vorhandenen schönen Einzelheiten – in der Arbeit und im Sehen – zu suchen und auch zu finden. . .

Denn zu leben heißt, wach sein für das kleine Glück. . .“

Und davon gibt Helmut Stützer den Kindern ab. So sorgen auch seine Bilder von Rügen für leuchtende Kinderaugen in Afrika.

 

 http://www.drk-ruegen-stralsund.de/aktionen-welt.html

Spendenkonto des DRK Rügen:

Bank: Sparkasse Vorpommern
IBAN: DE91 1505 0500 0840 0017 54
BIC: NOLADE21GRW
Verwendungszweck: Kongo

 

Die Inselexperten danken für das Engagement aller. Ein besonderer Dank an den Initiator Andreas Bachmann und dem Maler Helmut Stützer dafür, dass wir einige seiner Aquarelle zeigen dürfen.


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