„Hier ist gut seyn“ – Dauerausstellung im Kosegartenhaus


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Das Kosegartenhaus in Altenkirchen beherbergt seit wenigen Tagen eine wunderbare Dauerausstellung zum Leben und Wirken des Dichterpfarrers Ludwig Gotthard Kosegarten (1758-1818). Zu den Freunden dieses Romantikers gehörten u. a. Friedrich Schleiermacher, Caspar David Friedrich, Wilhelm von Humboldt oder Johann Jacob Grümbke. Mit Goethe, Schiller und Herder stand er in regem Briefwechsel und pries die Schönheit der Schöpfung und seiner Insel. Ernst-Moritz Arndt war mehrere Jahre Hauslehrer bei Kosegarten.

Auch davon erzählt die Ausstellung, die von den Berliner Künstlern Juliane Ebner und Paul Zoller gestaltet wurde und flexibel im Raum platziert und kompakt zusammengeschoben werden kann. So ist es möglich, auch weiterhin Lesungen und kleine Konzerte im Kosegartenhaus zu veranstalten.

Unterstützt wurden die beiden Künstler von der Kunsthistorikerin und Romantik-Expertin Birte Frenssen vom Pommerschen Landesmuseum und dem Greifswalder Historiker Dirk Alvermann.

Mit Unterhaltungsmedien aus dem 19. Jahrhundert wie einem Kaleidoskop, Gucklöchern und Büchern können sich Besucher über den Pfarrer informieren.
Gezeigt wird auch das Faksimile eines Hirtenbriefes von Kosegarten aus dem Jahr 1809. Das Original ist noch heute im Besitz der Kirchgemeinde.

Die Altenkirchener Bürgermeisterin Jutta Sill freut sich, dass das Kosegartenhaus inzwischen zu einem richtigen Besuchermagneten geworden ist. Das Haus wird als Gemeinde- und Seniorentreff und von der Pfarrgemeinde im Rahmen des Kirchenkultursommers für Lesungen, Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt. Gefördert wurde der rund 230 000 Euro teure Neubau von der Europäischen Union über LeaderPlus.

„Kosegarten hätte dies ganz gewiss gefallen“, sagt Pfarrer Christian Ohm. Der namhafte Dichter und unvergessene Uferprediger Ludwig Gotthard Kosegarten wurde am 1. Februar 1758 in Grevesmühlen geboren. Er starb am 26. Oktober 1818 in Greifswald. Sein Grab ist in Altenkirchen, direkt neben der Kirche, wo er lange Jahre (1792-1808) als Pastor gewirkt hat. Seine Uferpredigten sind legendär. Er hat sich für den Bau der Kapelle von Vitt eingesetzt und sich auch als Dichter einen Namen gemacht.

„Mit seinen Schriften beeinflusste Kosegarten ganz wesentlich die deutsche Romantik“,
so Pfarrer Christian Ohm. „62 Komponisten haben bis Mitte des 19. Jahrhunderts Kosegartens Gedichte vertont, unter ihnen Franz Schubert.“

Während seines Aufenthalts auf Rügen schrieb der Dichterpfarrer viele Berichte über die Insel, die sowohl ihn als auch Rügen bekannt machten.

„Hier ist gut seyn“, schrieb er einst. Sein Erbe – eine wahre Fundgrube für Rügenfreunde und -liebhaber. Dafür danken ihm die Inselexperten.

 

Hier eine kleine Kostprobe aus (Lieb)Kosegartens Gedicht „Alles um die Liebe“:

Was ist es, das die Seele füllt?

Ach, Liebe füllt sie, Liebe!

Sie füllt nicht Gold, noch Goldeswert,

Nicht was die schnöde Welt begehrt,

Sie füllt nur Liebe !

 

Was ist es, das die Sehnsucht stillt?

Ach, Liebe, stillt sie, Liebe!

Sie stillt nicht Titel, Stand noch Rang,

Und nicht des Ruhmes Schellenklang.

Sie stillt nur Liebe, Liebe !

 

Liebt herzlich mich,

liebt schmerzlich mich

Die eine, die ich meine –

Nimm alles, alles hin, Geschick,

Nimm Ruh‘ und Ruhm und Lebensglück.

Mir gnügt, mir gnügt die Eine. . .

 


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