Wo sich Geschichte widerspiegelt: Ein Gang durch das Bergener Stadtmuseum und mehr


Seit 1755 leben die Vorfahren von Uwe Hinz als Bürger in Bergen auf Rügen. Hier stand 1948 auch seine Wiege. Sein Interesse für Geschichte, Archäologie und die Bücherwelt sind Bestandteil seines Lebens. Der Kürschnermeister lebt und arbeitet mit seiner Frau... mehr

In einem Inselführer aus dem Jahre 1887 wird in Bergen auf Rügen bei den Sehenswürdigkeiten das „Nationaldeutsche Museum“ im Rathaus benannt. Als Exponate wurden hier u.a. steinerne und bronzene Grabbeigaben aus Hügelgräbern der Insel gezeigt.
Wie lange das Museum Bestand hatte ist leider nicht bekannt.

Zu DDR – Zeiten gab es – trotz mehrfacher Intervention- keine Möglichkeit ein Stadtmuseum einzurichten.

Dieser Wunsch erfüllte sich erst nach 1989 mit der deutschen Einheit. Im ehemaligen Klosterareal konnten bei punktuellen archäologischen Ausgrabungen 2001 jahrhundertealte Besiedlungsspuren, so aus der Zeit der Wenden 11./12. Jahrhundert und mittelalterliche Funde des 13. – 15-. Jahrhunderts geborgen werden. Die Höhe um Kirche und Kloster war Beerdigungsstätte bereits in vorchristlicher Zeit. Auf dem ehemaligen Klostergebiet befinden sich noch heute die nach 1732 erbauten Stiftsgebäude des adeligen Jungfrauenstiftes. Diese wurden zwischen 2001/02 grundlegend saniert und mit den barocken Fledermausfenster versehen.
So kam es bereits am 31. Juli 1992 zur Einweihung eines kleinen Stadtmuseums in einer der ehemaligen Wohnungen der Stiftsdamen. Dieses Ereignis wurde würdevoll mit einem Festakt in der Aula der Stadtschule begangen. Die erste Museumsleiterin wurde die Ethnographin Ingrid Schmidt. Ein Anfang war gemacht.
Im Herbst 2001 zog das Museum in einen weit geräumigeren Flügel des Stiftsgebäudes um. Nun wurde der ehemalige Betsaal Teil des Museums. Hierfür erarbeitete der kurzzeitig nachfolgende Museumsdirektor Dr. Sven Wichert die Konzeption. Heute führt die Archäologin Frau Martina Herfert das Museum.
Nun genug zur Geschichte des Museums und erleben SIE selbst.

Wir durchschreiten das mit Efeu umrankte Eingangsportal und bewundern bereits die kunstvoll gestalteten Fliesen auf dem Fußboden im Eingangsbereich.
Nachdem wir unseren Obolus entrichtet haben gehen wir links durch die verzierte Türöffnung und erleben die Ur- und Frühgeschichte in sehr plastischer Darstellung. Hier befindet sich ein Diorama mit dem Bau der frühen fürstlichen Residenz auf dem Bergener Rugard. Aus wendischer Zeit ist hier eine Holzplastik mit dem 4 gesichtigen Swantevitt nachempfunden.
Eine breite Treppe führt uns weiter in die erste Etage. Wir sehen einen Silberschatz in einer Vitrine ausgebreitet, der bei Abrissarbeiten eines Hauses in den 70er Jahren in der Vieschstraße entdeckt wurde. Die Münzen datieren zwischen 1564 und 1672.
In einer weiteren Vitrine entdecken wir die städtische Bewidmungs-urkunde aus dem Jahre 1613 und das Stadtsiegel.
Was wäre die Geschichte Bergens ohne Handwerker und Kaufmannschaft. So finden wir Zunftbecher, Zunftkannen sogenannte Willkomm und die wichtige Zunftlade. Von der Bergener Kaufmannschaft liegt in einer Vitrine das 1803 begonnene Protokollbuch der Bergener Kaufmannschaft.
In einem separaten, klimatisierten Raum liegt gut verwahrt ein besticktes mittelalterliches Leinentuch mit der Darstellung eines Ritterepos. Es gehörte zum Klosterbesitz und gibt uns heute noch so manches Rätsel auf.
Eine kleine Ausstellung ist dem Bergener Volkskundler Prof. Dr. Alfred Haas (1860 – 1950) gewidmet. Ihm verdanken wir den reichen weitergegebenen Sagenschatz der Insel. Darüber hinaus hinterließ Haas der Nachwelt seine erforschte Rügengeschichte.

Für die Kinder erweckt das historische Spielzeug Freude und Animation.

Eine Schulbank aus Holz lädt zum Platznehmen ein und dazu liegt griffbereit eine Schiefertafel und entsprechende Griffel.

Ein Puzzle kann der Gast an einem Computer digital zusammenstellen, je nach eigenem Schwierigkeitsgrad.
Steigen wir ins Dachgeschoß verbinden sich historisches Gemäuer mit Ausstellungen, die oft der modernen Kunst gewidmet ist.
So bietet unser Stadtmuseum ein kleines, jedoch feines Eldorado Bergener Lebens durch die Jahrhunderte.

Vielleicht habe ich Sie ein wenig neugierig gestimmt, dann besuchen Sie unsere geschichtsbewusste Stadt und lassen sich von ihrer Vielfalt inspirieren.
Denken Sie stets daran – Bergen will erobert sein – denn haben Sie St. Marien erreicht, dann stehen Sie 70 m über den Meeresspiegel.

Viel Freude beim Erkunden einer besonderen Stadt auf der Insel Rügen!

 

Die Rechte für Text und Fotos liegen ausschließlich beim Autor und bedürfen bei Weiterverwendung dessen persönlicher Genehmigung.

Inselexperten-Tipp:

Der Autor Uwe Hinz bietet außerdem regelmäßig Stadtführungen in Bergen auf Rügen an:

“Mit Ihrem magister historicus das historische Bergen entdecken”
Ein Streifzug durch unsere Kultur-, Natur-, Architektur- und Kunstgeschichte

Mittwochs (vom 01. April bis 30.September) um 10.30 Uhr
Treffpunkt ist der Platz „ Am Goldener Brinken“ (obere Bahnhofstrasse an der Billroth –Eiche)

ab 2 Personen pro Pers. 10,00 EURO
Dauer ca. 120 Minuten
Individuelle Führungen zu anderen Tagen und Zeiten das ganze Jahr über gern nach Absprache.

Donnerstags (bis Ende September) Kirchen- und Klosterarealführungen von 11.30 – 12.30 Uhr (5 Euro pro Person)
melden am Informationsstand in der Kirche St. Marien

Kontakt: firma-hinz@web.de oder telefonisch unter 03838 252808 (oder abends unter 03838 308485)

 

 


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