„Der junge Hauptmann wäre heute ein Blogger“


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Neue Dauerausstellung zur literarischen Moderne im Gerhart-Hauptmann-Haus auf der Insel Hiddensee

Im neuen Pavillon neben dem Gerhart-Hauptmann-Haus in Kloster ist am 4. Juni eine neue Dauerausstellung eröffnet worden. Sie beschäftigt sich mit der literarischen Moderne und beschreibt die enge Anbindung von Hiddensee an die kosmopolitischen Zentren und Themen jener Zeit. Zehn Ausstellungskapitel ermöglichen in Wort, Bild und Film die Begegnung mit Schriftstellern und Künstlern in ihrer Hiddenseer Sommerfrische – mit Thomas Mann, Siegmund Freud, Mascha Kaléko oder Günter Grass.

„Das ist ein Meilenstein und der Abschluss eines langen Weges, den wir über viele Jahre gegangen sind“, sagte Museumsleiterin Franziska Ploetz. „Dass man auf einer kleinen Ostseeinsel wie Hiddensee ein Literaturmuseum errichtet, muss man sich einfach auf der Zunge zergehen lassen. Die Voraussetzung war da, das im Originalzustand erhaltene Hauptmannhaus. Wir konnten dieses Museum um das moderne Kapitel erweitern. Und das ist wunderbar.“ Grund genug, um mit Freunden und Förderern anzustoßen. Und das wurde stilvoll getan – mit Wein aus dem Badischen, dessen Geschmack schon Gerhart Hauptmann entzückte.

Bildungsschatz fördern und pflegen

Gefördert wurde die neue Ausstellung durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, das Land Mecklenburg-Vorpommern und den Freundeskreis des Gerhart-Hauptmann-Hauses. Auch Hauptmann, der Literatur-Nobelpreisträger, hätte seine Freude daran gehabt, ist sich Dr. Hans-Robert Metelmann, der Vorsitzende der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus Kloster, sicher. „Der junge Hauptmann wäre sicherlich ein Blogger, hätte eine fantastische Facebook-Präsentation und würde alle sozialen Medien und Netzwerke nutzen, um seine Texte zur Wirkung zu bringen. Er hat ja wichtige Themen wie soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit in seinen großen Dramen behandelt. Genau das sollte nicht nur auf die große Bühne gebracht, sondern verstärkt auch in den Bildungsschatz aufgenommen werden.“ Die neue Ausstellung in dem modern gestalteten Pavillon sei der richtige Begegnungsort dafür, eine Werkstatt, in der neue Texte viele Zuhörer finden und Impulse liefern werden. Dieser Pavillon sei die „zeitgemäße Hülle für eines der hübschesten Literaturhäuser“, die er kenne.

Wie sagte doch Hauptmann: „Die Kultur der Menschheit besitzt nichts Ehrwürdigeres als das Buch, nichts Wunderbareres und nichts, das wichtiger wäre.“

 

Weltliteratur aus Mecklenburg-Vorpommern

Das Museum im „Haus Seedorn“ gehöre in Ostdeutschland zu den wenigen kulturellen Gedächtnisorten nationalen Ranges, was einem Adelstitel in der Kulturlandschaft gleiche, so Mathias Brodkorb, Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur in MV . „Museen sollen Vergangenes darstellen, aber sie sollten sich auch ständig verändern. Und das ist hier gelungen – in geschickter und inspirierender Form“, sagte der Minister. „Ich wünsche natürlich auch im Namen des Landes, dass viele Besucher sich dies anschauen mögen und ihre Freude daran haben.“ Der Pavillon sei ein architektonisches Kleinod, das neben jenemHaus steht, in dem Hauptmann mit seiner Frau Margarete in den Sommern 1926 bis 1943 lebte und arbeitete.

Brodkorbs Ministerium werde alles daran setzen, die kulturelle Bildung in den Schulen zu stärken. Darum sei auch ein Projekt für die Zukunft gestartet worden: „Das flache Land – Weltliteratur aus Mecklenburg-Vorpommern für die Schulen“ mit entsprechenden Unterrichtsmaterialien, mit Lesetexten zu Fallada, Reimann, Hauptmann, Johnson, Kempowski und anderen.

Und vielleicht wird auch ein Gedicht von Mascha Kaléko dort eines Tages zu finden sein, das viele Hiddensee-Liebhaber in ihren Herzen tragen:

Man braucht nur eine Insel

allein im weiten Meer.

Man braucht nur einen Menschen,

den aber braucht man sehr.

 

Öffnungszeiten:

Mai bis Oktober

täglich    10 – 17 Uhr

Sonntag  13 – 17 Uhr

(Änderungen vorbehalten)

Voranmeldungen sind das ganze Jahr über herzlich willkommen.

Preise

Eintritt: 4.00 €
ermäßigt: 3.00 €
Führungen: 25.00 € pro Gruppe

 

Weitere Informationen:

www.hauptmannhaus.de

www.gerhart-hauptmann.de/veranstaltung_hiddensee/

 


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