Ottos Haus am Meer


Seit 2004 arbeitet Janet Lindemann als Freie Journalistin auf der Insel Rügen. Sie interessiert sich besonders für die Themen Kultur, Natur, Tourismus und Reisen. Ihre Text- und Bildbeiträge erscheinen unter anderem im Sommer-Magazin der Ostsee-Zeitung, dem Magazin für schlaue Eltern... mehr

Der aus Jugoslawien stammende Schauspieler und Regisseur Gojko Mitic ist überrascht. „Otsch, das hast du alles gemalt?“ Er weiß zwar, dass sein Kollege und langjähriger Freund Frank Otto Sperlich neben seiner Arbeit als Filmemacher auch ein ausgezeichneter Maler ist, doch das Meer und das Wasser in solch einer Fülle und künstlerischen Vielfalt hat er so noch nicht gesehen. „Die Bilder würde ich mir gerne alle in mein Haus hängen“, ist der gebürtige Serbe und heute in Berlin lebende Künstler begeistert.

Der einstige Chef-Indianer der DEFA selbst hat eine sehr enge Verbindung zum Wasser. So wie auch Frank Otto Sperlich, der ein altes Bauernhaus in Karow am Kleinen Jasmunder Bodden zum Atelier umgebaut hat.

Alljährlich beteiligt sich der 62-Jährige an der bundesweit stattfindenden Aktion „Kunst:Offen“ und gewährt Einblicke in sein Haus am Meer.

Die Insel Rügen ist für Frank Otto Sperlich, der in Zittau geboren und aufgewachsen ist, ein besonderer Ort. In Göhren im Südosten der Insel hat er seinen ersten Ostseeurlaub verbracht. „Ein Schlüsselerlebnis“, wie er sagt. Die Begegnung mit dem Meer, dieses Rauschen und Krachen, dieses Rollen und Brausen, wurde für ihn zur Liebe seines Lebens. Er erinnert sich, wie er als vierjähriger Junge durch weichen, warmen Strandsand gestapft ist und die Nächte in einem umgedrehten Schlauchboot verbracht hat. Von den reich verzierten Balkons der weißen Villen reichte der Blick weit über die Ostsee.

Auch Jahre später ist er immer wieder gerne nach Rügen gefahren. „Dann allerdings ohne Schlauchboot. Denn das war in der DDR verboten“, erzählt der Künstler und lacht, „so wie Luftmatratzen auch.“ Nicht nur die traumhaften Strände, auch die Hafenstadt Sassnitz gehörte für ihn zu den meist besuchten Orten auf der Insel. Die Stadt am Meer war für ihn das Tor zur Welt. Sehnsuchtsvoll schaute er als Teenager der weißen Schwedenfähre hoch oben am sogenannten Sachsenblick beim Ablegen hinterher. „So wie die Mauer die Grenze nach Westberlin bildete, so wusste ich, dass am Horizont der Herrschaftsbereich der DDR zu Ende ist“, erzählt der Kameramann und Regisseur, der unter anderem für den MDR und RBB arbeitet. Inzwischen ist die Insel für ihn zur Heimat geworden. Hier findet er Kraft und Inspiration für seine Arbeit.

„Rügen ist mein Ruhepool zum hektischen Filmleben“, schwärmt Frank Otto Sperlich.

Wie er zur Kunstkate gekommen ist? Aus seinen Kindertagen kannte er das Rügen-Buch „Unsere schöne Heimat“ aus dem Sachsenverlag Dresden, das 1960 erschienen ist und lange Zeit im Bücherschrank seiner Eltern stand. Schon damals war er von dem alten Bauernhaus mit der Bildnummer 26 begeistert.

Immer und immer wieder schaute er sich die Kate mit dem alten hölzernen Zaun und den hochgewachsenen Bäumen an. Für ihn der Inbegriff für Gemütlichkeit und Urlaub. Im Bücherbahnhof in Lietzow entdeckte er das Buch wieder. Er schaute auf das Bild mit der Nummer 26 und erkannte das Häuschen. Es war das Bauernhaus, das er heute als Kunstkate betreibt und das mittlerweile zu den meist besuchten Orten bei „Kunst:Offen“ gehört.


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