Seltene Tierart erobert Lebensraum an der Ostsee


Natalie Schlemper ist in ihrem Leben viel gereist und dann auf Rügen angekommen. Die Insel mit ihren vielen unterschiedlichen Naturlandschaften, Sehnsuchtsorten und Kuriositäten hat ihren Entdeckergeist in den Bann gezogen. Von einigen Einsichten in das Inselleben wird sie hier berichten.

Der vor einiger Zeit erstmalig an den Ostsee-Stränden auf der Insel Rügen und Hiddensee  entdeckte Wattwurm (Arenicola baltica) begeistert Forscher durch seine Anpassungsfähigkeit an den neu erschlossenen Lebensraum. Ähnlich wie seine Artgenossen Arenicola marina, die an die Ökologie des Wattenmeeres angepasst sind, gräbt der Ostsee-Sandwurm  in ca. 20 – 25 cm Tiefe horizontale Röhren entlang der Strandabschnitte, in denen er sich über die Wintermonate aufhält. Nicht nur durch seine auffällige grüne Farbe unterscheidet er sich von seinen Verwandten: genetische Untersuchen bestätigen, dass es sich bei dem Vielborster um eine gänzlich neue Unterart handelt.

Bedingt durch die wesentlich lockere und feinkörnigere Sandbeschaffenheit der Ostseestrände hinterlässt der Arenicola baltica nicht, wie der herkömmliche Wattwurm, Spagetti förmige Ausscheidungen.

Der verdaute Sand wird nur in bestimmten Arealen als Kleckerburg förmige Haufen hinterlassen und prägt somit optisch die sandigen Küstenstreifen von Deutschlands größter Insel auf eine signifikante Weise. 

Im Frühjahr – sobald die Sonne den Sand genügend erwärmt hat – beginnt die Fortpflanzungsphase. In den Vollmondnächten gibt das Männchen sein Liebessaft ins Wasser ab, von wo aus dieser, durch die Wellenbewegungen des Wassers, die Wohnröhre des Weibchens erreicht. Durch den fluoreszierenden Liebessaft des Arenicola baltica ergibt sich dadurch ein spektakuläres Naturereignis. Bereits im letzten Jahr zog es zahlreiche schaulustige Besucher an Rügens Strände, um das grünlich schimmernde Wasser in den Vollmondnächten zu bewundern.

Die befruchteten Eier verbleiben dann für ca. 2 Monate in den Brutröhren. Während ihrer Wachstumsphase sind die Eier sehr druckempfindlich. Die Habitate in der Binzer Bucht und der Schaabe sind aus diesem Grund für Strandbesucher bis zum Schlüpfen der Jungtiere Mitte Juni komplett gesperrt. Danach kommen die ca. 20 cm großen Jungen ins Freie und halten sich größtenteils an der Oberfläche auf, bis sie ein eigenes Territorium für sich gefunden haben.

Die natürlichen Fressfeinde des Arenicol baltica sind während dieser Phase einheimische Möwen und teilweise auch menschliche Kleinkinder, welche die Jungwürmer oft fälschlicherweise für bunte Lakritzschnüre halten. Naturschützer verhandeln nun mit den an den Habitatstränden anliegenden Gemeinden über eine eingeschränkte Strandaufenthaltsgenehmigung während dieser sensiblen Findungsphase der Jungtiere. Die Tourismuszentrale hat sich bereits unterstützend dazu geäußert: „Ein Wattwurm muss seinen Lebenszyklus nicht im Magen eines Kleinkinds beenden,“ so Kai Gardeja, Geschäftsführer der Tourismuszentrale Rügen. „Die Insel bietet durch ihre landschaftliche Vielfalt eine ganze Palette l(i)ebenswerter ökologischer Nischen, das braucht niemanden zu wurmen.“

Watt? Wurm? Wir informieren hiermit offiziell, dass die neu entdeckte Spezies eindeutig der Gattung der Enten zugeordnet werden konnte – der Zeitungsenten.

Die Inselexperten wünschen einen schönen 1.April!

 


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