Tage am Meer


Seit 2004 arbeitet Janet Lindemann als Freie Journalistin auf der Insel Rügen. Sie interessiert sich besonders für die Themen Kultur, Natur, Tourismus und Reisen. Ihre Text- und Bildbeiträge erscheinen unter anderem im Sommer-Magazin der Ostsee-Zeitung, dem Magazin für schlaue Eltern... mehr

Immer faszinierend

Ein rauschendes Fest der Farben und Düfte wird auf der Insel Rügen im Herbst gefeiert. Wenn die Bäume ihr buntes Blätterkleid anlegen und in der Luft der würzige Geruch von aufgewühlter Erde liegt. Dann ist Zeit und Ruhe zum Krafttanken und Durchatmen am Strand, der im Gegensatz zu den turbulenten Sommermonaten menschenleer erscheint. Weit über das Land ist das Geschrei der Möwen zu hören, die pfeilschnell in die Ostsee abtauchen, um den einen oder anderen fetten Brocken zu erhaschen.

Kraniche finden sich am Himmel zum V zusammen. Trompetend lassen sie sich im Abendrot in den seichten Boddengewässern nieder, um sich auszuruhen. Denn bereits am nächsten Morgen geht es für die eleganten Vögel wieder hinaus auf abgeerntete Felder.

Wenn man die Einheimischen fragt, wann es auf der Insel am schönsten ist, bekommt man garantiert zu hören: im Frühjahr und im Herbst.
Das ist die Zeit, in der man in der Natur so wunderbar seinen Gedanken nachhängen und Pläne für den Rest des Jahres schmieden kann. Nicht selten bei sommerlichen Temperaturen. Cafés und Restaurants locken mit verführerischen Angeboten. Die Einheimischen haben Zeit für Gespräche. Man freut sich über die ersten Gäste oder auf die kühle Jahreszeit, die Erholung verspricht. Hartgesottene setzen sich am Abend mit heißem Tee aus der Thermoskanne an den Strand, schauen, wie die Sonne im Meer versinkt oder beobachten die Kindern beim Sandburgenbau. Der Anblick vertreibt trübe Gedanken. Wellen rollen rastlos an das Ufer und mit etwas Glück bringen sie Bernsteine mit.

Im Winter gehört die Insel den Einheimischen. Nur zum Jahreswechsel erwacht die Insel noch einmal kurz aus ihrem Winterschlaf. Dann lodern hier und da an den Stränden die Neujahrsfeuer. Man rückt zusammen und wärmt sich mit Glühwein und Erinnerungen an den letzten Sommer auf Rügen. Wenn die Temperaturen tagelang unter Null sind, dann kann man an der Küste ein besonderes Naturschauspiel erleben: Eisschollen, die sich zu meterhohen Bergen auftürmen. Dieses Spektakel lässt sich besonders gut am Thiessower Haken im Südosten der Insel beobachten. Dem Ort, an dem der Greifswalder Bodden und die Ostsee zusammentreffen. Dick einmummeln heißt es bei einem Spaziergang. Denn mitunter weht dort ein eisiger Ostwind und die Temperaturen klettern runter bis auf Minus zehn Grad.

Während in der kalten Jahreszeit auf Rügen Gelassenheit herrscht, ist im Sommer lebendiges Badeleben angesagt.
An den Stränden der beliebten Ostseebäder und an der Schaabe im Norden der Insel treffen Badenixen auf Kleckerburg-Bauer, Sonnenanbeter auf Muschelsucher. Und auch jene, die auf allzu viel Trubel lieber verzichten, kommen auf ihre Kosten: Ruhige Plätzchen findet man an den Boddenküsten.

Rügens Strände sind übrigens wahre Schatztruhen für Kreative. Denn Steine, Muscheln, Seeglas und angeschwemmtes Holz regen nicht nur die Fantasie des Betrachters an. Aus den Strandfunden lassen sich auch echte Kunstwerke fertigen. Eine schöne Erinnerung an den Urlaub auf Deutschlands größter Insel.

 

Foto: TMV/outdoor-visions.com


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