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Tag:Architektur

Vor wenigen Wochen haben wir in unserem Onlinemagazin das Buch „Ulrich Müther – Schalenbauten in Mecklenburg-Vorpommern“ vorgestellt. Es ist bereits in vierter Auflage im Niggli-Verlag (Zürich) erschienen. Die Autoren und Architekten Rahel Lämmler und Michael Wagner aus der Schweiz haben den Inselexperten dazu ein paar Fragen beantwortet:

Im Niggli-Verlag (Zürich) ist inzwischen die vierte Auflage des Buches „Ulrich Müther – Schalenbauten in Mecklenburg-Vorpommern“ erschienen, ein handliches, informatives, reich bebildertes und gut recherchiertes Architekturbuch, das wir Inselexperten gern auch als hochwertigen Reiseführer für besonders Interessierte einstufen, ein Buch, das 2009 zurecht mit dem DAM Architekturbuchpreis ausgezeichnet wurde.

Das königlich preußische Amtsgericht besticht durch seine symbolische Architektur und die typischen Klinkersteine. Die Fassade prägen besonders zwei Bauelemente.

Der Spruch „Friede ernährt – Unfriede verzehrt“steht seit 1903 in Holz gemeißelt und von Eichenlaub umkränzt über dem Eingangsportal des Amtsgerichts zu Bergen auf Rügen.
 Zwei erhabene Gebäude sind für die rügensche und Rechtsgeschichte der Stadt Bergen von Bedeutung.

Seine Werke sind Mythos und wahr gewordene Visionen: die Hyparschalen des Rügener Landbaumeisters Ulrich Müther (1934-2007) aus Binz. 50 dieser filigranen und doppelt gekrümmten Schalenbauten (hyperbolische Paraboloide – also Hyparschalen) hat er errechnet, entworfen und mit seinem Spezialisten-Team zu DDR-Zeiten mit Spritzbeton realisiert, unter anderem Bob- und Rennschlittenbahnen, eine Radrennbahn in Havanna, Planetarien, Messehallen, Gaststätten.

Vom 22. bis 24. September 2016 öffnen zwölf Häuser ihre Türen im Ostseebad Binz. „Hereinspaziert in die Villen“, heißt es dann. Auf geführten Touren können Gäste einen Blick hinter die weißen Fassaden werfen. Wer das lieber auf eigene Faust erkunden will, zücke sein Smartphone. Vor vielen Villen können QR-Codes gescannt werden, die dann Einblicke in die Historie des Hauses ermöglichen.

Der Binzer Rettungsturm ist eines von 50 Schalenbauwerken, die der Landbaumeister Ulrich Müther (1934-2007) mit seinen Männern von der Insel Rügen weltweit geschaffen hat. Dieser ovale Turm mit seinen Panoramafenstern sieht aus wie ein Ufo, das in den Dünen gelandet ist – direkt zwischen Strandhafer, Wildrosen, Parasolpilzen und Kiefern.

Vor mehr als 200 Jahren begann das Badeleben auf Rügen. Zunächst entwickelte es sich langsam. Prägten anfangs noch fürstliche Bauten des Klassizismus den Stil wie das fürstliche Badehaus Goor in Lauterbach bei Putbus, machte sich später mehr und mehr ein Mix unterschiedlichster Handschriften der Architekten breit – die Bäderarchitektur.

Reetdächer (auch Ried- oder Rohrdächer genannt) gehören zum Norden wie der Wind und die weite Landschaft. Auch auf Rügen sieht man vielerorts Häuser mit diesem traditionellen Weichdach, denn der Baustoff hierfür wächst quasi vor der Haustür.

Nicht nur Pfefferkuchenhäuser sind aus Backwerk – auf Rügen und Hiddensee findet man noch viele der traditionellen Backsteinhäuser. Ursprünglich wurden auf einem Feldsteinsockel mit einem Fundament aus Granitstein-Findlingen und gestampften Lehm die Häuser mit handgeformten getrockneten oder auch gebrannten Lehmsteinen erreichtet.