Von sagenreichen Findlingen, Burgwällen und Hünengräbern


Von sagenreichen Findlingen, Burgwällen und Hünengräbern
Gudrun Krueger, Jahrgang 1982, kommt aus Greifswald und studierte in Stralsund. Nach ihrem Studienabschluss ging sie 2007 nach Dänemark, und kehrte drei Jahre später nach Deutschland zurück. Erneute drei Jahre später fing sie bei der Tourismuszentrale Rügen an, in der... mehr

Archäologische und geologische Raritäten auf Wittow

Auf Rügen findet der Besucher nicht nur archäologische Besonderheiten, wie die vielen Großsteingräber, Burgwälle, Hügelgräber, Schanzen oder Bild- bzw. „Opfersteine“, sondern auch diverse geologische Kostbarkeiten.

So befindet sich am Gellort nahe Kap Arkona, der Nordspitze von Rügen, der ca. 165 Tonnen schwere Siebenschneiderstein, der auf plattdeutsch auch als Söbenschniedersteen bezeichnet wird. Mit einem Volumen von 61 Kubikmetern ist er der viertgrößte Findling von Rügen. Wie der Stein zu seinem Namen „Siebenschneiderstein“ gekommen ist, kann heute nur erraten werden: Sieben Schneider hätten auf dem großen Stein Platz gefunden. Der größte Findling auf Rügen ist jedoch der Steingigant „Buhskam“ bei Göhren mit einem Gewicht von 1600 Tonnen und einem Volumen von ca. 600 Kubikmetern. Er gilt auch als der bisher größte gefundene Findling in Norddeutschland. Auf der Oberfläche des „Buhskams“, einem Hammergranit, sind unzählige Schälchen bzw. Näpfchen angebracht, deren Sinn und Zweck, aber auch deren Datierung, bis heute nicht geklärt sind. Kultische Praktiken werden gewöhnlich vermutet, können aber nicht belegt werden.

Nahe des „Siebenschneidersteins“ am Kap Arkona liegt die seit langem bekannte „Jaromarsburg“, die heilige Kultstätte der Ranen, einem westslawischen Volk. Sie wurde zu Ehren des rügenschen Hauptgottes der Slawen Svantevit als Tempelheiligtum errichtet. Vom 8. bzw. 9. Jh. bis zum Fall der Burg im Jahr 1168 ist diese letzte heidnische Bastion als das politische und religiöse Machtzentrum der Insel anzusehen. Der heute noch ca. 12 m hohe Burgwall mit seiner Grabenanlage und dem Burginneren ist seit Jahrzehnten dem ständig fortschreitenden Küstenabbruch ausgesetzt, weshalb seit 1868 bis heute zahlreiche Sondagen, Prospektionen und Ausgrabungen stattfanden und -finden. Erst im letzten Jahr konnten Archäologen durch Ausgrabungen eine weitere Sensation ans Tageslicht befördern: drei einzelne Schädelkalotten, die in einer gewöhnlichen Abfallgrube zwischen Steinen und Artefakten entdeckt wurden. Sind diese Funde Ausdruck für Kult- oder Opferpraktiken zu Ehren des Gottes Svantevit? Die Antworten darauf bleiben bisher noch im Dunklen.

Nicht nur das bekannte Großsteingrab bei Nobbin macht Wittow in archäologischer Hinsicht so interessant. Auch ein unscheinbareres Hünengrab, das noch fast überhügelt ist, übt eine große Faszination aus. Es handelt sich um das gut erreichbare Megalithgrab bei Starrvitz, das mit einem trapezförmigen Langbett mit den Maßen von ca. 35 m x 6 bzw. 10 m ausgestattet ist. Die wahrscheinlich noch komplett erhaltene Grabkammer, von der noch drei Decksteine erkennbar sind, befindet sich im Westen des Hünengrabes. Möglicherweise existiert noch eine zweite Grabkammer im Ostteil des Grabes, worauf ein aus dem Hügel herausragender größerer Stein hinweist. Das Hünenbett mit seinen Umfassungssteinen ist zum großen Teil noch gut erhalten, was ebenso auf einen umgestürzten Wächterstein an der Südwestecke zutrifft.

Archäo Tour Rügen, Dr. Katrin Staude, bietet auf Rügen zu diversen Monumenten, wie slawischen Burgen, Hünen- und Hügelgräbern, aber auch zu Sagen- und Opfersteinen professionelle und interaktive Wanderungen zu Fuß oder mit dem Rad an. Im Nationalpark Jasmund, im Biosphärenreservat Südost-Rügen, in den Moorbergen im Forst Prora bei Binz aber auch am Kap Arkona oder im Schloßpark Dwasieden können Sie Geschichte zum Anfassen und „Begreifen“ mit Artefakten und Repliken, die selbst in die Hand genommen werden können, hautnah erleben. Die historischen Exkursionen für Groß und Klein sind zudem sehr vielseitig, sowohl in archäologischer Hinsicht als auch darüber hinaus: Neben der Archäologie und Geschichte spielen auch geologische oder botanische Besonderheiten, wie die Entstehung der Kreide oder des Feuersteins, eine wichtige Rolle. Neben Mythen, Sagen und Legenden erfahren Sie mehr über wissenschaftliche Daten und Fakten auf Grundlage aktueller Forschungen.

Auf Anfrage bietet Archäo Tour Rügen auch davon abweichende Extratouren, den Verkauf von Gutscheinen zum Geburtstag oder anderen Anlässen, aber auch Schulklassenprogramme und Kindergeburtstage zu Haus mit dem Feuer machen oder der Herstellung eines Steinzeitmessers an. Weiter im Angebot von Archäo Tour Rügen gibt es übrigens Workshops für Groß und Klein zum „Steinzeit erleben“.


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