Ein Törn durch das Sehland


Ein Törn durch das Sehland
Maik Brandenburg ist als Reporter weltweit unterwegs für Magazine wie Mare, Geo, Merian und Free Man's World. Auch, wenn das Reisen seine Leidenschaft ist: "Am Ende zählt, dass ich stets wieder auf Rügen lande", sagt er. Brandenburg lebt mit seiner... mehr

Sanft schlagen die Wellen an das Boot, der Wind trägt den Geruch von Ostsee und Ferne mit sich und kräuselt das grünblauschwarze Wasser. Die Brise streichelt die Segel unseres Folkeboots, gemächlich rauscht es übers Wasser. Steuerbord, im Hafen von Lauterbach, schaukeln die Masten anderer Segelschiffe, von Backbord grüßt die Insel Vilm. Ihr gegenüber erheben sich die Bäume des Hochwaldes von Goor. Im Laub, in den Baumhöhlen der uralten Gehölze leben Schwarzspechte, Waldkäuze, manchmal kreisen Seeadler hoch darüber. Nicht viel, meint man, und die Goor und der Vilm können die Wipfel ihrer Bäume zu einem riesigen, grünen Dach vereinen. Wie durch einen Park gleitet das Boot durch dieses Ensemble, Kurs Gustow.

Rund 40 Seemeilen über den Greifswalder Bodden, entlang eines grandiosen Ufers: Kleine Sandstrände wechseln sich ab mit Mini-Kliffs, Bäume greifen mit ihren Ästen ins Meer, Buchten voller Schilf, aus denen Wildenten fliehen. Das „Gelbe Ufer“, das so heißt, weil die Sonne sein Steilufer wie Gold erstrahlen lässt. Dann Palmer Ort, der „Südpol“ Rügens, ein paar Schläge weiter der Fähranleger vor Glewitz. Das Boot fährt in den Strelasund, in der Ferne sieht man die Silhouette der Ziegelgrabenbrücke. Weiter geht es entlang der einst trocken gefallenen Puddeminer Wiek, dann die Gustower Wiek, in denen bereits Silberreiher durchs Seichte waten, nahe der Gustower Werder mit seinen Seltenen Seeschwalbenkolonie. Beinahe atemlos stehen wir an der Reling und mögen den Blick nicht abwenden, aus Angst, etwas zu verpassen. Auf gerade ein paar Meilen zeigt sich, was die Insel Rügen so einzigartig macht: ihre ungeheure Vielfalt.

Die Buchten, die bewaldeten Ufer, die idyllischen Fischerdörfer, die Kreidefelsen, die kleinen und großen Sandstrände – Rügen ist See- und Sehland.

Während an der westlichen Ostsee oder in der Dänischen Südsee ein Verkehr wie auf der Straße herrscht, ist man vor Rügen selbst zur Hochsaison allein mit der Stille und dem wunderbaren Schauspiel der Natur.

Mehr über die faszinierende Vielfalt der Insel findet Ihr im Bewegtbild hier.


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