Herzlichen Glückwunsch: Sassnitz wird 60!


Herzlichen Glückwunsch: Sassnitz wird 60!
Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Sie gehört zu den jüngsten Städten in Mecklenburg-Vorpommern, die Hafenstadt Sassnitz. In diesem Jahr feiert sie ihren 60. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!

„Nach Rügen reisen, heißt nach Sassnitz reisen“, hielt Theodor Fontane in seinem berühmten Roman „Effi Briest“ fest. Das war im Jahre 1894, als Sassnitz und Crampas noch Bauern- und Fischerdörfer waren und sich ganz langsam auch dem Fremdenverkehr öffneten.

Zu den ersten Sommerfrischlern zählte die Familie des Berliner Theologen Friedrich Schleiermacher, die schon 70 Jahre zuvor diesen Teil von Rügen zum Badeurlaub besucht hatte. Weitere Urlaubsgäste kamen: Unter ihnen Johannes Brahms, der hier seine erste Sinfonie vollendete. Auch Fontanes Romanfigur Effie Briest kam zumindest auf dem Papier in den Genuss, die klare, salzhaltige Seebrise zu atmen, durch die Stubbenkammer zu wandern und von den Kreidefelsen aufs tosende Meer zu schauen. Rein „zufällig“ hieß ihr Liebhaber dann auch Major von Crampas – wie das Bauern- und Fischerdorf, das 1906 mit Sassnitz zur Gemeinde Sassnitz verschmolz. Heute würde man sagen „fusionierte“.

hv Sassnitz um 1900

Damals gab es schon Schiffsverbindungen zwischen Stettin und Sassnitz, nach Rønne (Königreich Dänemark), eine Postdampferlinie nach Trelleborg (Königreich Schweden), eine Eisenbahnlinie von Stralsund nach Bergen, ab 1891 auch von Bergen nach Sassnitz. 1909 kam die Eisenbahnfähre nach Trelleborg dazu.

hv Hafenstadt Sassnitz um 1900

Die beiden historischen Aufnahmen stammen aus dem Buch „Pommern in Wort und Bild“ von 1904.

 

Was man sonst noch über Sassnitz wissen muss?

Bücher könnten die Inselexperten damit füllen. Bücher wurden darüber schon geschrieben.

Hier unser „Sassnitz-Spezial“ in Kurzfassung:

  • Am 11. April 1917, also vor fast genau 100 Jahren, reiste Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, aus seinem Schweizer Exil kommend über Sassnitz nach Trelleborg und von dort über Finnland nach Sankt Petersburg, wo er mit der Oktoberrevolution Geschichte schreiben sollte. Der legendäre „Lenin-Waggon“, ein baugleicher Wagen, war zu DDR-Zeiten über viele Jahre Museum und stand am Bahnhof.
  • Der Einsatz der Rügener Kreide für Heilzwecke hat eine lange Tradition auf der Insel Rügen. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie in Form von Packungen und Bädern angewendet. Sie kam bei Gelenkerkrankungen, dem rheumatischen Formenkreis und bei Frauenleiden zum Einsatz.
  • Im Jahr 1935 erhielt die Stadt Sassnitz den Titel „Kreideheilbad“.
  • Dr. Friedrichkarl Wünn (Chefarzt des Krankenhauses Kreideheilbad Sassnitz von 1945 bis 1963) war 1945 mit dem Aufbau des Krankenhauses Sassnitz beauftragt und richtete eine
    Kreideschlammbäderabteilung ein, die aus 7 Kabinen bestand und für jährlich 360 Patienten ausgelegt war. Im Rahmen einer vierwöchigen Kur erhielten die Patienten 10 Kreideschlammbäder.
  • In den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges, in den Nachtstunden des 6. März 1945, bombardierten angloamerikanische Fliegereinheiten den Sassnitzer Hafen und nahegelegene Stadtgebiete. 800 Menschen verloren ihr Leben, unter ihnen viele Flüchtlinge. Was blieb, waren Trauer und Verzweiflung. In Einzel- und Massengräbern auf dem Alten Friedhof und dem dafür eingerichteten Waldfriedhof in Dwasieden wurden die Opfer beigesetzt.
  • 1949 wurde das VEB Fischkombinat am Hafen errichtet und beschäftigte bis zu 2200 Arbeiter. Mit dem Betriebsteil Lauterbach wurde es zum zweitgrößten Nahrungsgüterwerk der DDR.
  • Um 1977 hatte die Fischfangflotte von Sassnitz 48 26,5-m-Kutter, 15 Frosttrawler und 2 Kühl- und Transportschiffe. Sie landeten jährlich über 60.000 Tonnen Fisch an.
  • 1984 entstand in Mukran ein neuer Hafen für den Eisenbahnfährverkehr zwischen der DDR und der Sowjetunion
  • 1990 wurde die Stubbenkammer vor den Toren der Stadt kleinster Nationalpark Deutschlands.
  • Die „Alten Buchenwälder“ im Nationalpark Jasmund sind seit 2011 UNESCO-Weltnaturerbe.
  • Die Stadt Sassnitz wurde bis zum 2. Februar 1993 mit ß geschrieben: Saßnitz.
  • Im Jahr 2007 wurde eine 274 Meter lange Hängebrücke gebaut, die die Stadt mit dem Hafen verbindet. 2010 wurde sie mit dem Deutschen Brückenbaupreis ausgezeichnet.
  • Partnerstädte von Sassnitz sind heute Cuxhaven (Deutschland), Trelleborg (Schweden), Kingisepp (Russland) und Huai´an (Volksrepublik China).

Die Inselexperten gratulieren der 60-jährigen Stadt zum Jubiläum.

hv BrÅcke Hafen hv Sassnitz 4 hv Sassnitz Stadthafen mit BrÅcke hv U-Boot Sassnitz 1

hv Sassnitz, Stadt an den Kreidefelsen

Hier gibt es noch mehr über Sassnitz und die Geschichte der Hafenstadt:

52 Gesichter der Insel: Frank Biederstaedt

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Das Rügen-Hotel und die Ehemaligen


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