Räume Werte Visionen


Räume Werte Visionen
Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Neue Ausstellung in der Orangerie zu Putbus

Die Galerie des Landkreises Vorpommern-Rügen zeigt in ihrer letzten Ausstellung des Jahre 2016 nun schon traditionell Werke aus der Sammlung der Kulturstiftung Rügen. Sie trägt den Titel „Räume Werte Visionen“ und präsentiert auch Arbeiten eines Gastkünstlers. Diesmal ist es Dr. Günther Haußmann, der mit seinen Fotos und Installationen aktuelle Aspekte der menschlichen Existenz widerspiegelt.

 

Ein Mann, ein Fotoapparat, ein Kirchenschlüssel.

Stille bei der Arbeit. Innere Einkehr. Zeit für einen Atheisten, sich Gedanken zu machen über Glaubensfragen. Günther Haußmann hat alle!!! Innenräume der 45 Kirchen auf Rügen und Hiddensee fotografiert. Immer allein, immer mit Weitwinkel und aus einer Perspektive. Immer im Dialog mit dem Raum.

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Die Kirchen sind zwar menschenleer, aber den Räumen ist anzusehen, dass Menschen sie mit viel Liebe hergerichtet haben. Hier eine Vase, dort ein Blumengesteck, frische Kerzen in den Leuchtern. Die Inselkirchen und -kapellen als Zeugnisse tiefer Verankerung des Glaubens, aber auch als Zeugen zunehmender Abwendung von der Religion und von religiösen Werten.

Und mittendrin in dem Saal das Foto einer Moschee. Ein Denkanstoß, sich mit den Fragen der Zeit auseinanderzusetzen.

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Haußmanns Vaterunser eines Atheisten

 

„Menschen des Westens blenden in ihrer Überheblichkeit und Ignoranz, die auf einer vermeintlichen Überlegenheit in Moral, Wirtschaft und Wissenschaft fußt, jahrhundertalte Kulturen aus“, so Haußmann. „Wenn Muslime in Deutschland und Europa eine neue Heimat finden sollen, müssen nicht nur sie sich auf das Leben im ´Westen´ einstellen, sondern auch wir müssen sie in ihren kulturellen und religiösen Gewohnheiten verstehen lernen… Alle sollten wissen, dass es nicht gelingen kann, Konflikte, die unsere Kulturen seit Jahrhunderten trennen, in historisch kurzer Zeit lösen zu wollen. Aber wir können den Grundstein legen.“

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Betende Hände und Bilder von Günther Haußmann

 

Haußmanns Installation mit betenden Hände nach muslimischer und christlicher Art zerschneidet den Raum, hat schon so manchen Besucher straucheln lassen. „Skulptur ist, worüber man stolpert, wenn man zurücktritt, um sich ein Gemälde anzusehen“, zitiert Haußmann den Maler Ad Reinhardt, während er in einen lichtdurchfluteten Raum geht, in dem auf 87 großformatigen Tafeln die vollständigen Texte des Korans und des Neuen Testaments zum Lesen und Vergleichen einladen. „Schnittmenge ist die Besinnung auf gemeinsame Werte: Bewahrung der Schöpfung, Humanismus und Frieden.“

 

Mit acht Aspekten menschlicher Existenz beschäftigt sich die Haußmann-Ausstellung: Glaube und Religion, Wissen und Weisheit, Kunst und Kultur, Wissenschaft und Technik. Hier ein großformatiges Foto von Wendelstein 7-x, der hochkomplexen Experimentieranlage zur Erforschung der Kernfusionstechnik in Greifswald, dort ein Blick in eine alte, verlassene Bibliothek, die nüchterne Architektur des entkernten Kraft-durch-Freude-Kolosses Prora, der Treppenaufgang des Pädagogiums zu Putbus…

 

„Räume Werte Visionen“ vermitteln auch die von Walter G. Goes kuratierten Werke aus der Sammlung der Kulturstiftung Rügen. Sie ergänzen und verfeinern das Thema durch Sichten anderer Künstler. Sehenswert sind die Arbeiten von Hermann Naumann, Günther Huniat, Nuria Quevedo, Werner Tübke, Bernhard Heisig, Wolfgang Frankenstein, Arno Rink oder Heinz Zander. Ein Plakat von Joseph W. Huber brennt sich besonders ein: „WAR ist die Vergangenheitsform von Sein“.

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Die Ausstellung „Räume Werte Visionen“ ist bis zum 7. Januar in der Orangerie Putbus zu sehen.

Öffnungszeiten: dienstags bis sonnabends von 11 bis 16 Uhr


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