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Vor ein paar Wochen bin ich ihm auf dem Kirchhof von Altenkirchen begegnet: Caspar David Friedrich. Was zunächst aussah wie ein blaugrünes, wirres Gebilde aus verbogenen Stahlstäben, wurde beim genaueren Betrachten von einem ganz bestimmten Platz aus zu einem dreidimensionalen Porträt dieses Romantikers. Sein Blick – fokussiert auf das Kosegarten-Haus neben dem Glockenturm.

Friedrich steht nicht zufällig in Altenkirchen unweit des Grabes von Ludwig Gotthard Kosegarten. „Zu Kosegartens besonderen Verdiensten gehört die geistige Prägung zweier junger Künstler, die heute als die wichtigsten Maler der Frühromantik gelten: Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge“, schreibt Reinhard Piechocki in seinem Buch „Romantiker auf Rügen, Hiddensee und Vilm“.

 

Caspar David Friedrich, seinen dänischen Lehrern und Künstlerkollegen bin ich ein paar Tage später im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald wieder begegnet, in einer Sonderausstellung, die noch bis zum 27. November zu sehen ist:

Die Kopenhagener Malschule, Bilder und Studien aus der Nationalgalerie und der Sammlung Christoph Müller.

 

Die Königlich Dänische Kunstakademie in Kopenhagen zählte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den modernsten in Europa. Das verspürten auch Caspar David Friedrich, Georg Friedrich Kersting oder auch der Norweger Johan Christian Clausen Dahl, die dort studierten. Für Kersting, Runge und Friedrich waren es in Kopenhagen die ersten künstlerischen „Gehversuche“. Und das „Goldene Zeitalter“ der dänischen Malerei färbte im wahrsten Sinne des Wortes auf sie ab, wie in dieser Sonderausstellung unschwer zu erkennen ist.

Die Dänen beeindrucken, wie auch unsere deutschen Meister der Romantik, mit Öl, Aquarell und Bleistift – still und eindringlich – mit hohen Himmeln, dem klaren Licht der See, fliegenden Segeln und weiten Landschaften.

Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Dr. Birte Frenssen schwärmte in einer kurzen Führung von den „Spiegelungen, in denen das Land die Augen öffnet zum Himmel“ und verwies auf noch so winzige Details auf den großformatigen Landschaftsbildern. Durch sie entdeckte auch ich einen kleinen, auf einem Stein im Wasser hockenden komischen Vogel, der selbst Ornithologen ein großes Rätsel bleiben wird. Urbanus Ludvig Thorenfeld (1817-1886) muss wohl ein Spaßvogel unter den dänischen Malern gewesen sein.

 

Besonders gefallen haben mir die filigranen Skizzen und Studien von Christoffer Wilhelm Eckersberg und Vilhelm Petersen. Auch diese Blätter hat der Kunstsammler Christoph Müller dem Pommerschen Landesmuseum durch eine Schenkung überlassen, ein außerordentlicher Schatz.

Mange tak! Vielen Dank!

Öffnungszeiten des Pommerschen Landesmuseums:

Dienstag bis Sonntag

Mai bis Oktober: 10.00 bis 18.00 Uhr

November bis April: 10.00 bis 17.00 Uhr

 

 

Weitere Infos:

www.natuerlich-romantisch.de

www.pommersches-landesmuseum.de

 

 

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Holger Vonberg

Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Jetzt gehört er als Inselexperte zur festen Besatzung der Tourismuszentrale Rügen. Er lebt mit seiner Frau auf Wittow und hat zwei erwachsene Kinder.

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