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Schwanenstein, Hünengräber und ein Steinbruch für die Preußensäulen

Rund um Lohme befinden sich zahlreiche besondere Bodendenkmäler, zu denen neben den Hügelgräbern auch jungsteinzeitliche Großsteingräber, aber auch einzelne Findlinge zählen, die eine außergewöhnliche Geschichte aufweisen. In diesem Artikel soll der Schwanenstein, der „Große Stein“ von Nardevitz und ein imposantes Megalithgrab vorgestellt werden.

Der berühmte Schwanenstein befindet sich nur ca. 20 m vom Strand entfernt, etwas 100 m östlich von Lohme.

Dieser 162 t schwere, 7 m lange und 5 m breite Findling aus rötlichem Hammergranit wurde wahrscheinlich von Bornholm aus über Gletschermassen der letzten Eiszeit bis nach Lohme transportiert. Laut einer Sage zum Findling werden die Babys im Winter vom Schwan und im Sommer vom Adebar gebracht. In der Zwischenzeit sind die Kinder im Stein verborgen. In der Nähe des Steins ist eine Gedenktafel errichtet, die an das Schicksal von drei auf dem Schwanenstein verunglückten Jungen im Winter 1956 erinnert. Sie haben auf dem schönen Stein vor dem brechenden Eis Schutz gesucht. Doch ist ihnen der Findling zum Verhängnis geworden, da sie dort vom tosenden Meer eingeschlossen wurden und auf dem Sagenstein erfroren sind. Die außergewöhnliche Rettungsaktion musste wegen zu hoher Schneewehen, starkem Sturm und heftiger Brandung abgebrochen werden.

Ein weiterer besonderer Findling befindet sich ca. 2,5 km westlich von Lohme bei Nardevitz nur ca. 250 m vom Rugeshus entfernt.

Der sogenannte „Große Stein“ von Nardevitz – auch als Rillenstein bezeichnet – weist beeindruckende Maße von 8,60 m x 4,60 m x 3,10 m (L x B x H) auf.

Mit seinen 281 Tonnen Gewicht ist dieser mächtige Granit neben dem „Buhskam“ bei Göhren der zweitgrößte Findling auf Rügen. Der ehemals dreifach so große Stein diente nachweislich 1854 als Steinbruch für die Gewinnung von Baumaterial zur Herstellung von Denkmälern, wie beispielsweise für die Preußensäulen. Sprengkanten und Rillen lassen den Findling sehr unregelmäßig geformt wirken. Es handelt sich also um ein einmaliges Zeugnis für die Ausbeutung von Findlingen. Doch nicht nur Findlinge in Wald und Flur wurden als Steinbruch verwendet. Auch die mächtigen Hünengräber – aus diversen großen und kleinen Findlingen errichtet – erlitten das gleiche Schicksal.

Lohme war in der Stein- und Bronzezeit von einer großen Anzahl an Hünen- und Hügelgräbern umgeben.

Insbesondere die jungsteinzeitlichen Großsteingräber wurden von den sogenannten Steinschlägerkolonnen aufgesucht und zur Steingewinnung u. a. für den Straßenbau, die Errichtung von Hausfundamenten oder für besondere Denkmale, wie den Bismarckstein in Putbus, genutzt. Ein selten gut erhaltenes Megalithgrab befindet sich ca. 1,5 km südlich von Lohme am Magelowberg. Vor der Notgrabung von 1983 als bronzezeitliches Hügelgrab gedeutet, entlarvte sich der ca. 15 m hohe Hügel als eine Rügener Besonderheit unter den Großsteingräbern: ein Ost-West ausgerichtetes Ganggrab mit vier Decksteinen, d. h. ein Grab mit angefügtem Gang an der Längsseite, hier der Nordseite. Die zwei entdeckten slawischen Körpergräber im Hügel belegen die wiederholte Nutzung des Grabes ca. 4500 Jahre später.

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Archäo Tour Rügen

Dr. Katrin Staude

www.archaeo-tour-ruegen.de

Telefon:    0157-72731751

E-Mail:     info@archaeo-tour-ruegen.de

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Dr. Katrin Staude

Die gebürtige Stralsunderin studierte Archäologie, Völkerkunde und Geographie (Geomorphologie) in Hamburg bevor sie als Museumspädagogin und als Dozentin am Historischen Institut an der Universität Greifswald arbeitete. Sie ist Grabungsleiterin in mehreren Projekten und bietet mit Ihrer Firma Archäo Tour Rügen viele verschiedene archäologische Exkursionen auf Rügen an.

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