Ein Feuer bitte – nach Steinzeit-Art


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Wie selbstverständlich ist doch das Feuer in unserer Zeit. Und wie einfach ist das Feueranzünden. Streichholz, ratsch, fertig. Oder Feuerzeug, klick, fertig. Selbst mit dem Handy-Akku lässt sich kinderleicht etwas entflammen, wie es in diversen Überlebensratgeber-Videos eindrucksvoll demonstriert wird.

Wie mühsam hingegen muss das Feuermachen nach Art der Steinzeitmenschen sein, vor allem, wenn man tagein tagaus mit Tastatur und Maus arbeitet?!

Ich – Inselexperte – im Selbstversuch:
Geduld und Geschick sind gefragt im Kurs „Steinzeit erleben“ mit Dr. Katrin Staude. Am Hochufer von Wittow sitze ich leicht nach vorn gebeugt. Seit gefühlten Stunden schlage ich das geschmiedete Handeisen im spitzen Winkel an den Feuerstein, wieder und immer wieder. Kleine Schweißperlen bilden sich unter meiner Schutzbrille. Endlich: Kleine Funken fliegen, landen im getrockneten Zunderschwamm, einer an Laubbäumen wachsenden Pilzart. Mit Distelwolle, Birkenrinde, den flauschigen Innereien von Rohrkolben geht das auch. Oder mit Stroh, wenn man das nicht gerade zum Goldspinnen benötigt.

Plötzlich: Welch ein Leuchten in meinen Augen, weil sich im Zundernest etwas tut. Es glimmt. Die ersten Rauchfähnchen kräuseln sich. „Jetzt vorsichtig pusten, um das Feuer anzufachen!“ Auch das ist leichter gesagt als getan. Zu viel Luft ist nicht gut, zu wenig auch. Urlauberkinder helfen mir. Langsam nimmt der Rauch zu. Dann züngelt eine kleine Flamme, die das Moos und die dünnen Hölzer entfacht.

Nach und nach kann nun trockenes Holz nachgelegt werden. Wie sicher ich mich jetzt fühle – vor Kälte, vor der dunklen Nacht und den wilden Tieren, die da außerhalb unseres Lagerfeuers nur darauf lauern, uns roh zu verspeisen. Apropos roh: Eine heiße Kräutersuppe à la Fred Feuerstein wäre jetzt auch nicht schlecht. Besser noch – eine Feuerzangenbowle.

Das Feuer ist jedenfalls gezähmt. Jetzt muss es nur noch gehütet werden, damit dieses Spiel am nächsten Morgen nicht von vorn beginnt. . .

Neugierig geworden? Mehr Infos und Kurse gibt es unter:

www.archaeo-tour-ruegen.de


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