„Landschaft schmeckt“ – nach mehr


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Nicht nur die Schlaf-Fässer auf dem Campingplatz Groß Banzelvitz sind eine runde Sache, auch die Projekte, die die Betreiber mit dem kleinen Naturerlebnisverein Rügen e.V., den großen Naturschutzverbänden BUND und NABU und dem Forst auf die Beine stellen.

„Hier ist die Natur noch echt, unverbraucht, unverbaut“, sagt die Campingplatz-Chefin Rixa Engel mit leuchtenden Augen. Dass sie die Banzelvitzer Berge liebt, das spürt der Gast sofort. „Ist er nicht einzigartig, dieser weite Blick über den Großen Jasmunder Bodden?“

Vor 22 Jahren hat sie das Leben in Schleswig-Holstein gegen das auf Rügen eingetauscht. „Es war Liebe auf den ersten Blick. Das Naturleben ist mein Leben, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. Und wenn du abends am Lagerfeuer sitzt, dann vergisst du schnell, wie anstrengend die Arbeit auch manchmal sein kann.“ Und wie der Zufall es will, geht in diesem Moment ein Mitarbeiter mit drei Ponys zur Koppel. Das Leben ist kein Ponyhof? Manchmal vielleicht doch.

Den Kräutern auf der Spur
 Mit einem kleinen Körbchen voller Kräuter – zum Appetitanregen – schaut an diesem sonnigen Morgen Ines Wilke vom Naturerlebnisverein am Campingplatz vorbei. Sie will mit Urlaubern eine kleine Kräuterwanderung starten und hat zur „Verstärkung“ noch Kirsten Wiktor aus ihrem Verein und Anna Kamin vom NABU und BUND dabei. Unter dem Motto „Landschaft schmeckt“ haben sie zu einem Thementag „Biologische Vielfalt“ eingeladen und werden auf dieser Wildkräuterwanderung essbare und heilkräftige Pflanzen der Region vorstellen, sammeln und gemeinsam zubereiten. 15 Urlaubsgäste trudeln ein. Sie kommen aus Glowe und Binz und wollen das grüne Herz der Insel kennen lernen.

In Nachbarschaft mit einer seltenen Schönheit
 Das grüne Herz von Rügen kennt Dauercamper Horst-Dieter Conrad aus Rostock schon seit mehreren Jahrzehnten. Von April bis Ende Oktober lebt er mit seiner Frau auf dem Campingplatz. Er mag die Lage, die Luft, die Ruhe, die Tier- und Pflanzenwelt. Der 80-Jährige mit dem wachen Blick hat in der Wasserwirtschaft gearbeitet und kennt sich gut aus mit Küstendynamik und ähnlichen Themen. Und er weiß, andere Urlauber, auch Kinder für die Schatzsuche am Strand zu begeistern. Seine ehrenamtlichen Fossilienwanderungen sind legendär, denn auch im am Bodden kann man eintauchen in die Entstehungsgeschichte der Insel.

Kuhschellen
Horst-Dieter Conrad kann sich glücklich schätzen, eine ganz besondere Nachbarin zu haben: die Gemeine Kuhschelle aus der Familie der Hahnenfußgewächse, die es auf Rügen nur hier am Osthang der Banzelvitzer Berge gibt. Ihre flauschigen, lilafarbenen Blüten haben sich gerade geöffnet und locken mit ihren dottergelben Staubblättern auch Schmetterlinge an. Pulsatilla vulgaris heißt die Pflanze im Lateinischen. Bekannt ist sie auch unter dem Namen Wolfspfote, Bocksbart, Schlafblume und Hackerkraut, diese „Blume des Jahres 1996“.

Die Trockenpflanze liebt den Magerrasen, den sie hier auf dem Flächennaturdenkmal Kuhschellenhang Groß Banzelvitz auch findet. Doch ohne die Hilfe der Menschen würde das borstige Landreitgras dieses seltene Gewächs verdrängen. Auch die Verbuschung bedroht die auf der Roten Liste stehende Pflanze. Darum starten die Naturschützer regelmäßig Aktionen, um deren Lebensraum zu sichern. Die Gemeine Kuhschelle ist eine Gift- und Heilpflanze, doch für sie gilt:

Nur gucken, nicht pflücken.
 Auch die Kräuterwanderfreunde bewundern diese Pflanze, die so mancher auch Küchenschelle nennt, wobei das Wort „Küchen“ nichts mit Herd, Spüle, Esstisch und Geschirrschrank zu tun haben soll. Vielmehr soll dieses Wort von der Verkleinerungsform „Kuh – Kühchen“ kommen. Das wusste ich bis zu diesem Tage noch nicht. Jetzt weiß ich aber auch, wie die Heilkräuter wirken und wie schmackhaft Salate oder Suppen mit Vogelmiere, Giersch, Spitzwegerich, Gundermann & Co. sind und wie die aus ihnen gefertigte Smoothis schmecken: nämlich Grün ;0) und mit einem Schuss Zitrone oder Kiwi sogar sehr gut.

Hier noch ein paar Infos zu den geplanten Wanderungen:

Geführte Wanderungen:  Arten- und Landschaftsvielfalt in den Banzelvitzer Bergen

Tour:            ca.  5 km,  ca.  2 Stunden

Treff:            Campingplatz Banzelvitzer Berge, Rezeption

Termin:        April – Juni 2016:          dienstags 10.00 Uhr

Juli – Oktober 2016:     dienstags 17.00 Uhr

Anmeldung erforderlich:       03838 31248, info@banzelvitz.de

Kosten:         8 € / Person, Kinder frei

 

Themen wechselnd, je nach Jahreszeit: Wildkräuterwanderung / Naturerlebniswanderung / Wildfruchtwanderung / Zugvögel in der Boddenlandschaft

Weitere Informationen:

www.naturerlebnis-ruegen.de

www.banzelvitz.de

 

 


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