Rügen, Russland und Bujan Teil IV: Die Welt auf Rügen steht allen offen


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Mit einem Besuch im Nationalparkzentrum Königsstuhl beginnt der nächste Drehtag. Susan Flade stellt das Besucher- und Informationszentrum vor, verrät die Legenden und Sagen, die berichten, wie der Königsstuhl und die Viktoriasicht zu ihren Namen kamen. Leuchtende Augen der Gäste auch nach dem Besuch des Multivisionskinos und der modernsten interaktiven Ausstellung.

Dann eine große Überraschung: In Polchow öffnet Irina Chulkowa die Tür ihres Blockbohlenhauses, obwohl die Saison bei ihr erst Mitte Mai startet. „Willkommen im Café Samowar“, sagt sie mit strahlendem Gesicht. Ihre Herzlichkeit springt sofort über und das Haus füllt sich mit russischem Klang. Auf dem Tisch stehen lecker duftende Blini mit selbstgemachter Konfitüre, Beleschi (mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen aus Tatarstan) und kleine Piroggen (Piroschki) mit Sauerkraut. Im Samowar sprudelt kochendes Wasser für den Tee aus Krasnodar. Temperamentvoll sprudelnd erzählt Irina von Rügen, von der russischen Märchenwelt, vom warägischen Fürsten Rjurik aus dem 9. Jahrhundert, der auch über Rügen zur Fürstentum nach Russland kam, und ihren russischen Abenden, zu denen sie nicht minder temperamentvolle Musiker einlädt. „Dann wird getanzt auf dem Tisch“, sagt sie und lacht.

Auch der Sassnitzer Bürgermeister Frank Kracht empfängt die Delegation mit offenen Armen, obwohl sein Terminkalender gut gefüllt ist und er nach einem Feuerwehr-Großeinsatz und der Verabschiedung eines Mitarbeiters eigentlich einen Moment Pause vertragen könnte. Er erzählt mit Begeisterung von Sassnitz, über Fontane, seine eigene Kindheit in dieser Stadt, die von der Fischerei geprägt war, und von der Heilkreide. Er schlägt den Bogen vom westlichsten Bahnhof der Transsibirischen Eisenbahn in Mukran zu dem internationalen Städtepartnerschaften, zum Kulturaustausch mit Städten in China (Huai’an), Russland (Kingisepp) und Schweden (Trelleborg) und zu jungen Leuten dieser Länder, die mit Musik und Volkstanz symbolisch Brücken bauen. Mit einer furios gespielten Paganini-Komposition bedankt sich Kuliev Tejmur Samir Ogly von der Russischen Musikakademie namens Gnesiny beim Bürgermeister von Sassnitz, der die Gäste mit einem herzlichen „Auf Wiedersehen“ verabschiedet.

Ins Goldene Buch der Stadt durfte sich Marina Kronik eintragen, die Präsidentin der Janusz-Korczak-Stiftung in Moskau, und Dr. Ekaterina Koudrjavtseva, Vorstand des Internationalen wissenschaftlichen Rates für die Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kommunikation. In zwei Sprachen ist jetzt in diesem Buch zu lesen: „Es gibt nur sehr wenige Städte, die auf eine Entdeckung warten, die so weltoffen sind – mit ihrer Natur, mit den Menschen, mit ihrem Geist. Und Sassnitz ist und bleibt so ein Ort. Voller Sonne und Glaube an die bessere freundliche Welt.“

Die Inselexperten der Tourismuszentrale Rügen haben die Dreharbeiten und das Projekt des Vereins „IKaRuS-Interkulturelle Kommunikation und russische Sprache e.V.“ tatkräftig unterstützt. „Der Verein“, so Vorstand Uwe Krüger aus Güstrow, „verfolgt die Zwecke der Jugendhilfe und der Zusatzbildung über die Wege der interkulturellen Begegnungen, der Förderung von internationaler Gesinnung und Toleranz auf allen Gebieten und des Völkerverständnisgedankens.“ Der Verein unterstützt zudem die Forschungen zum Thema „Interkulturelle Kommunikation und Mehrsprachigkeit“, vernetzt über seine Web-Seite http://bilingual-online.net die gemeinnützigen russischsprachigen und ähnlichen Organisationen weltweit miteinander und führt Integrations-, Kultur-, Freizeit- und Bildungsmaßnahmen für Lehrkräfte, Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund durch.

Den Jubelschrei des russischen Kameramanns Semjon Poluschtschuk habe ich lange im Ohr – jenen Moment, als der Schwan in Wreechen sich majestätisch erhob, so als wolle er tanzen: Schwanensee auf Rügen.

 


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