Rügen, Russland und Bujan Teil III: Viele Begegnungen, Eindrücke und noch mehr Bilder


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Den Jubelschrei des russischen Kameramanns Semjon Poluschtschuk habe ich noch im Ohr. In Wreechen lag er auf der Lauer. Auf dem Wasser – eine märchenhafte Szene: sieben Schwäne im weichen Abendlicht. Und plötzlich erhob sich ein Schwan majestätisch, streckte die Flügel aus – als wolle er tanzen. Und dann wurden alle Sieben von den Wellen in die Weite des malerischen Boddens getragen. Schwanensee auf Rügen.

Am 6. Juli, zum Tag der russischen Sprache und zum Geburtstag des Dichters Puschkin, soll ein 45-minütiger Film in Russland auf Sendung und ins Internet gehen. Es handelt sich um das „Slawische Rügen und das deutsche Lukomorje“, um den Zaren Peter I. und Puschkins Märchen, um Wissenschaft und Kultur, die ihre Wurzeln gleichermaßen in Deutschland wie in Russland haben.

Die romantische Kulisse von Wreechen war nur eine Station des russischen Fernsehteams und einer kleinen Delegation aus Moskau und Kaliningrad. Kein Wunder, dass sich das Drehteam auch am Kap Arkona umschaut, dort, wo die Rügenslawen, die Ranen, in der Tempelburg einst ihr Heiligtum verehrten. Seit mehr als 500 Jahren versuchen Historiker und Archäologen, das Geheimnis der Jaromarsburg zu entschlüsseln. Und Dr. Fred Ruchhöft aus Greifswald ist einer von ihnen. In den vergangenen Jahren hat er mit seinem Team bei Rettungsgrabungen wertvolle Schätze geborgen. „Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, weil durch Küstenabbrüche Jahr für Jahr weitere Teile der Slawenburg ins Meer stürzen“, sagt er im Interview. Das wird an einem der sonnenscheinreichsten Orte Deutschlands geführt – bei strömendem Regen auf der windabgewandten Seite des neuen, 35 Meter hohen Leuchtturms.

Maria Müller von der Tourismusgesellschaft Kap Arkona hat es ein bisschen gemütlicher im Schinkelturm, in der zurzeit eine Sonderausstellung zum Leben und Wirken des Architekten Karl-Friedrich Schinkel und des Künstlers Caspar-David Friedrich zu sehen ist.

Ein Blick auf die Uhr – weiter geht´s. Zur Uferkapelle, ins Fischerdörfchen Vitt, zu den Heinemanns ins „Café Linientreu“ in Putgarten, wo es neben sowjetischer und russischer Literatur auch Tee aus dem Samowar, „extra eingeflogenen“ russischen Speck und selbst gekochten Borschtsch gibt. In Altenkirchen, in der ältesten Dorfkirche der Insel, steht Pfarrer Christian Ohm dann Rede und Antwort, unter anderem zu dem geheimnisvollen Svantevitstein, der in der Waffenkammer einst liegend eingemauert wurde.

Im Hort der Grundschule Wiek zeigen die Kinder, welche Bilder sie unter Anleitung der Altenkirchener Künstlerin Heike Herrmann zum Puschkin-Märchen vom Zaren Saltan und der wunderschönen Schwanenprinzessin gemalt haben. Das Inselland Bujan, zu dem „das Schifflein fliegt geschwind“, soll ja, so wird gemunkelt, die Insel Rügen sein. Zum Dank für ihre Zeichnungen bekommen die lütten Wittower russische Süßigkeiten und von Russisch sprechenden Kindern aus aller Welt gemalte Bilder zu Puschkin und dessen Märchenwelt.

Nach einer Stippvisite bei der Holzgestalterin Regina Kather auf Ummanz geht der erste Drehtag zu Ende. Ihr drehbares Hexenhaus und die mystischen Schnitzereien bleiben für immer als ein Zeichen der slawischen Verwurzelungen der Rüganer im Film bestehen.

Auch das Park-Hotel in Bergen, wo die russischen Gäste übernachten und die deutsche Küche genießen konnten, hat das Projekt als Gastgeber unterstützt. Vielen Dank dafür.


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