Rügen, Russland und Bujan, Teil I


Rügen, Russland und Bujan, Teil I
Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Rügen ist wahrlich eine Insel voller Geschichten. Hunderte Sagen und Märchen sind überliefert – zusammengetragen unter anderem von Ernst-Moritz Arndt (1769-1860) und Alfred Haas (1860-1950).

 

Sagenhaft ist auch dies:
Nicht nur in der slawischen Mythologie taucht die Insel Rügen als das geheimnisvolle Eiland Bujan oder Buyan auf, sondern auch in einem Märchen von Alexander Puschkin: In dem „Märchen vom Zaren Saltan, von seinem Sohn, dem berühmten und mächtigen Recken Fürst Gwidon Saltanowitsch, und von der wunderschönen Schwanenprinzessin“. Im „Gebrauchtbuchmarkt“ habe ich dieses kleine „Trompeterbuch“ aus dem Kinderbuchverlag Berlin in der Erstauflage von 1983 gefunden.

Aus dem „Internetz“ fischte ich zudem die DVD mit dem sowjetischen Märchenfilm „Vom Zaren Saltan“ aus dem Jahr 1966, eine überraschende Kindheitserinnerung:

Da sitzen drei Schwestern in ihrer Blockhütte. Draußen liegt tiefer Schnee – und sie träumen laut davon, was sie wohl täten, wenn der Zar sie heiraten würde. Der steht zufällig und leicht tollpatschig vor der Tür und lauscht. Die eine Schwester würde ein großes Hochzeitsfest feiern, die andere kostbare Leinwand weben. Doch der Zar, der sich schließlich zu erkennen gibt, wählt die Jüngste zur Frau, denn sie würde ihm „einen rechten Heldensohn“ schenken.

Und wie es so ist im Märchen wie im Leben, sinnen die beiden verschmähten Schwestern auf Rache.

 

Hier nun das Märchen in Kurzform:
Die Zarin wird nach einer bösen Intrige ihrer Schwestern und nach der Geburt ihres schnell heranwachsenden Sohnes mit dem Kind in ein Fass gesteckt und ins Meer geworfen. (Im Film stürzt das Fass übrigens von einer schroffen Steilküste, die dem Kliff am Kap Arkona ähnelt.) Der Zar kehrt kurze Zeit später nach einem Feldzug zurück auf seine Insel Bujan. Dort trauert er um Frau und Kind. Doch tot sind sie nicht. Sie leben, was er nicht wissen kann.

Die Mutter und ihr rothaariges „Riesenkind“ werden nämlich auf einer anderen Insel an den Strand gespült, wo der inzwischen zu einem Hünen herangereifte Zarensohn einen Schwan aus den Fängen eines Raubvogels rettet. Natürlich ist dieser Schwan eine verzauberte Prinzessin.

Die sprechende und tanzende Schwanenprinzessin verwandelt die karge Insel in ein reiches Eiland, das der Jüngling als Fürst Gwidon Saltanowitsch regieren darf. Hier ist alles sonderbar: Auf dieser Insel knackt ein Eichhörnchen goldene Nüsse, in denen Smaragde funkeln. Und es tauchen in sturer Regelmäßigkeit 33 Recken aus dem Meer auf. Sie beschützen die Insel unter ihrem Anführer Tschernomor. . .

Handlungsreisende erfahren davon.

 

„Lustig pfeift und weht der Wind,

und das Schifflein fliegt geschwind

nach dem Inselland Bujan,

nach den Reich des Zaren Saltan.

Und das heiß ersehnte Land

taucht empor am Himmelsrand.“

 

Von ihren Erlebnissen berichten Seefahrer dem trauernden Zaren, beobachtet vom Zarensohn Gwidon, der ihnen in Insektengestalt zur Insel Bujan gefolgt ist und sich mit stichhaltigen Argumenten an seinen verwandten Intriganten rächt.

 

Spätestens jetzt dürfte es bei einigen Lesern läuten: Das kenne ich! Darum fasse ich mich an dieser Stelle kurz. Ende gut, alles gut: Der Zar bekommt seine Zarin wieder, der Fürst seine (Schwanen-)Prinzessin. Und die bösen Schwestern? Sie beichten ihre Untaten und werden vom Zaren begnadigt.

 

So endet das Buch. Und diese Geschichte:

 

Der Tag verging, und halb betrunken

ist Saltan ins Bett gesunken. . .

Ich war dort, trank Met und Bier,

nass ward nur der Schnauzbart mir.

 

Doch Fortsetzung folgt, denn die Inselexperten haben den Schlüssel zu einer Schatzkiste gefunden, in der das Geheimnis von Rügen und Bujan vielleicht versteckt liegt. Denn einst wurde Rügen auch Ruyan genannt. . .

 

Kommen Sie am nächsten Freitag mit auf unseren „Hummelflug in die Geschichte“.

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