Natur zwischen paradiesischer Wahrhaftigkeit und Manipulation


Berichte von Einheimischen.

Bezaubernde Scannogramme von LUZIA SIMONS in der Galerie Hartwich im Ostseebad Sellin

 

Vom 11. März bis 15. Mai zeigt die Galerie Hartwich im Ostseebad Sellin Werke der in Brasilien geborenen Künstlerin Luzia Simons. Es sind Scannogramme, also keine Fotografien, sondern große Direkt-Scans von Pflanzen, gezaubert am offenen Scanner in der Dunkelkammer.

 

„Die Tulpe ist die Pflanze von Luzia Simons“,
sagt Galerist Knut Hartwich mit Blick auf ihr Werk, das auch als „digitaler Barock“ bewundert wird: „Nichts sieht friedvoller aus als ein Stillleben, dabei ist dieses Genre nichts anderes als eine Provokation. Die glanzvollen niederländischen Gemälde, auf denen Schaufensterauslagen, Obst und Gemüse wie Machtdemonstrationen des Malereihandwerks wirken, vermittelten untergründige moralische Botschaften und erinnerten den vorgebildeten Betrachter harsch an seine Vergänglichkeit. Heutige Kunsthistoriker hingegen können sich nicht einig werden, wieviel literarische Predigt in dieser Malerei steckt und wieviel bigotter Vorwand sie waren, um ungehemmt malerische Oberflächen produzieren zu können.

Genau an dieser Schnittstelle zwischen Offensichtlichem und kulturellem Code, nacktem Abbild und Metapher ist das Werk Luzia Simons angesiedelt.
Die Künstlerin fertigt mit moderner Scannertechnik Reproduktionen von Blumen an. Dabei geraten ihr nicht nur die idealen Formen aufblühender Schönheit, sondern auch die Fehler, Störungen und der beginnende unaufhaltsame Verfall aufs Bild. Das ist bei Simons jedoch nicht primär die Vanitas-Mahnung, die Erinnerung an die Vergänglichkeit allen Seins in der alten Malerei, sondern eine weit ausholende Erzählung von einem kulturellen Symbol. So wird die Tulpe zur Metapher für Mobilität, Globalisierung, und interkulturelle Identität. Einst wurde die begehrte Blüte mit Gold aufgewogen und entwickelte sich im Orient wie im Okzident zu einem kulturellen Symbol. Aus dem Orient stammend, wurde sie nach Europa gebracht, in den Niederlanden durch Züchtung verändert und erreichte schließlich in neuen Varianten erneut ihre alte Heimat – und wird so zum Exempel kultureller Migration, Symbol des Austausches und der schleichenden Veränderung ästhetischer Bedeutung.“

 

„Blumen sind die Liebesgedanken der Natur.“ Bettina von Arnim

 

Die brasilianische Künstlerin Luzia Simons wurde 1953 in Brasilien geboren, studierte Geschichte und Kunst an der Sorbonne Paris. Seit 1986 lebt sie in Deutschland, zurzeit in Berlin. Seit 1980 stellt sie international aus, insbesondere in Brasilien, Deutschland, Frankreich, der Schweiz und USA. Und ab März in der Galerie Hartwich, in der Alten Feuerwehr von Sellin.

„Wie reizvoll auch technische Bauwerke sein können, zeigt in einzigartiger Weise die Alte Feuerwehr in Sellin als herausragendes Beispiel der einfallsreichen Umwandlung eines historischen Gebäudes zu Galerie und Wohnhaus. Das Backsteingebäude ist ein idealer Standort für die Galerie für zeitgenössische Kunst, die auf innovative Tendenzen einer überregional und international agierenden Kunstszene setzt und vorwiegend Talente aus Deutschland und Skandinavien präsentiert“, so der Galerist, der ab März in der Alten Feuerwehr Blumen sprechen lassen wird.

 

GALERIE HARTWICH

Schulstraße 5 · 18586 Ostseebad Sellin auf Rügen

täglich 15 – 19 Uhr bis auf Ausnahmen und jederzeit nach Vereinbarung

0174 94 754 24 : Knut Hartwich

www.galerie-hartwich.de

 

www.luziasimons.de

Die Inselexperten danken der Künstlerin für die freundliche Genehmigung, einige ihrer Werke zeigen zu dürfen.


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