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Die Jaromarsburg am Kap Arkona, der „Riesenberg“ bei Nobbin und der slawische Bildstein in Altenkirchen

Auf dem nördlichsten Teil der Insel Rügen – auf der Halbinsel Wittow – können unzählige Bodendenkmäler und geschichtsträchtige Monumente erkundet werden. Dazu gehören imposante Großsteingräber, Burgwälle, Reliefsteine oder Hügelgräber. So befinden sich beispielsweise entlang des Küstenwanderweges zwischen dem Kap Arkona und Altenkirchen die bekannte Tempelburg, das imposante Nobbiner Großsteingrab sowie der sog. „Svantevitstein“.

Die seit langem bekannte Jaromarsburg an der Nordspitze der Insel Rügen am Kap Arkona war die heilige Kultstätte der Ranen, eines westslawischen Volkes auf Rügen.
Die Kultstätte wurde zu Ehren des rügenschen Hauptgottes der Slawen Svantevit als Tempelheiligtum errichtet. Vom 9. Jahrhundert bis zum Fall der Burg im Jahr 1168 ist diese letzte heidnische Bastion als das politische und religiöse Machtzentrum der Insel anzusehen. Der heute noch ca. 12 Meter hohe Burgwall mit seiner Grabenanlage und dem Burginneren ist seit Jahrzehnten dem ständig fortschreitenden Küstenabbruch ausgesetzt, weshalb seit 1868 bis heute zahlreiche Sondagen*, Prospektionen* und Ausgrabungen stattfanden und -finden.

Ein Stück weiter entlang des auch für Radtouren geeigneten Küstenwanderweges befindet sich das eindrückliche ca. 34 x 11-18 Meter große Megalithgrab aus der Trichterbecherkultur.
Es handelt sich hierbei um zwei erweiterte Dolmen als Grabkammern mit trapezförmigem Hünenbett und zwei teils 3 Meter hohen Wächtersteinen (von insgesamt vier). Aufsehenerregend war der Fund einer arabischen Münze, ein omajadischer Dirham, sowie einer eisenzeitlichen Urne als Nachbestattung in einer der Grabkammern, die u. a. ein Fibel- und Messerrest enthielt. Die Münze, aber auch die geborgene Keramik vom Südteil des Grabes datieren in die Slawenzeit.

Beim „Svantevitstein“, der sich eingemauert in der Pfarrkirche in Altenkirchen befindet, handelt es sich um einen Bildstein aus Granit,
auf dem ein Mann mit Kinn- und Schnurbart im Relief erkennbar ist. Er trägt einen kaftanartigen Rock bzw. einen taillierten Mantel, Mütze und Schuhe und hält ein Trinkhorn in den Händen. Ähnlichkeiten zum Gott Svantevit vom Heiligtum in der Burg am Kap Arkona sind erkennbar, insbesondere durch das Trinkhorn. Doch das abgebildete Männchen ist nicht viergesichtig, weshalb hier mit großer Wahrscheinlichkeit nicht Svantevit dargestellt wird. Der auch als Grabplatte angesprochene Stein wurde erst nach der Erbauung der Pfarrkirche eingemauert. Es könnte sich um den Rest eines slawischen Begräbnisses handeln.

Text und Foto: Archäo Tour Rügen, Dr. Katrin Staude

*Sondagen: Archäologisches Verfahren zur Abklärung von Schichtfolgen bei der Voruntersuchung eines Terrains, das zur Ausgrabung ansteht.
*Prospektionen: Erkundung und Erfassung von archäologischen Stätten in einem bestimmten Gebiet

 

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