Bergen – Historie einer Hafenstadt Teil 2/2


Seit 1755 leben die Vorfahren von Uwe Hinz als Bürger in Bergen auf Rügen. Hier stand 1948 auch seine Wiege. Sein Interesse für Geschichte, Archäologie und die Bücherwelt sind Bestandteil seines Lebens. Der Kürschnermeister lebt und arbeitet mit seiner Frau... mehr

In der Urkunde über die städtische Gerechtsamkeit vom 19. Juni 1613 befürwortete der Herzog vom Pommern- Wolgast Philipp Julius ausdrücklich Privilegien für die Fischer, indem er das Fischen vom Bram nach beiden Seiten bis an den offenen Strand erlaubte. Am 30. Juni des Jahres wurde im fürstlichen Schloss zu Bergen der Inhalt verkündet. Daraus möchte ich Ihnen die betreffende Passage kundtun: „Nachdem die Fischerey sehr eingezogen ist, als wollen Wir den Bürgern gemeldeter Stadt die freye Fischerey vom Bram an bis an den offenen Strand, altem Gebrauche nach, an beyden Seyten hiemit aus Gnaden mitgetheilet haben, also dass dem Rathe zu Bergen von den Fischern die Wasserpacht einzuheben verstattet seyn soll. Wie Wir dann auch gemeldeter Stadt den Ort, welchen man anjetzo Bram nennet, den Ort, da sie vor diesem ihre Schiffahrt gehalten haben, jure prorietatis et domini mit der halben Jurisdiction hiemit zur Ab- und Zufuhr einräumen und übergeben.“Aus der Urkunde wird ebenso ersichtlich, dass wohl bereits im 16. Jahrhundert die Schifffahrt zum Bergener Hafen von Bedeutung war. Über den Magistrat von Bergen wurde nun die sogenannte Wasserpacht von den Fischern eingefordert.

Im Laufe der Zeit ging der Hafen in die Verantwortung der Kaufmanns- und Kramer Companie zu Bergen.
Der Hafen von Bergen lag ca 3 km in Richtung Kleiner Jasmunder Bodden. Ein heutiger Fußweg von Bergen nach Bootstelle lässt die Entfernung gut nachvollziehen mit den topographischen Besonderheiten. Im Archiv des Kreises Vorpommern Rügen in Stralsund existiert noch eine Bauzeichnung mit den maßstabsgerecht eingetragenen Gegebenheiten für die Pfähle der Brücke und des Bollwerks. Aus Unterlagen sind auch die vorrangigen Umschlaggüter, wie Langholz, Steine und Salz ersichtlich. Salz war ein wichtiges und wertvolles Gut und erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das fürstliche Monopol der Heringssalzerei aufgehoben und damit zum bürgerlichen Allgemeingut. 1806 wurde durch die Kaufmanns und Kramer Companie notwendige Sanierungen am Hafenbollwerk durchgeführt. Das belegt eine Handzeichnung.
Die Sanierung fand tatkräftige Unterstützung durch die heimischen Fischer. Auf einem Meßtischblatt des Leutnants Schultze aus dem Jahre 1836 ist die genaue Lage des Brahms am Bodden eingezeichnet.
Im Hafen von Bergen konnten nun auch größere Lastkähne ankern und ihre Ladung löschen. Der weitere Transport ging dann mit den gestakten Schuten durch die Sooten nach Bergen oder per Fuhrwerk über die Wege.

Die Anbindung Bergens an die Kleinbahn 1896 und der Anschluss an die Reichsbahn mit der Einweihung des Bahnhofs in Bergen 1883 veränderte die ökonomische Situation des Bergener Hafens.
Nicht zu unterschätzten war Anfang des 20. Jahrhunderts das Zeitalter des Automobils als Transportmittel. Dazu kamen noch der Bau des Lietzower Dammes 1868 und die Erweiterung über den Damm des Bahn- und Straßennetzes 1891 und 1930. Eine Doppelschleuse, sowie eine Straßenklappbrücke und eine Eisenbahndrehbrücke ermöglichten weiter die Schifffahrt durch den Lietzower Damm.

Die Ära der Bergener Schifffahrt ging 1935 zu Ende. Der Schiffer Meister aus Ralswiek passierte mit seinem Frachtsegler„Käte“ letzmalig die Durchfahrt vom Großen zum Kleinen Jasmunder Bodden und löschte eine Ladung Ziegelsteine im Bergener Stadthafen Brahm.
Damit vollendete sich die Hafengeschichte von Bergen auf Rügen. Erhalten geblieben sind dem aufmerksamen Beobachter Relikte dieser Epoche und in Ralswiek liegt heute im Trockendock und restauriert der Frachtsegler„Käte“ des Eigners und Schiffers Meister. Die Restaurierung erfolgte nach dem Stand von 1934. Der Frachtsegler ist eines der letzten noch existierenden Schiffe aus dem beginnenden 20. Jahrhundert dieser Art. Es wurde 1905 auf der Werft J.J. Sietas in Cranc-Neuenfelde bei Hamburg gebaut. Es hat einen Stahlrumpf mit Holzplankenboden eine Länge von 19,81m, eine Breite von 5,00m und einen Tiefgang von 1,50m. 1925 kaufte der Schiffer Friedrich Meister aus einer alteingesessenen Ralswieker Familie, den Frachtsegler mit Heimathafen Ralswiek. 1927 wurde ein heute seltener 35 PS Glühkopfmotor eingebaut. Der Segler, meist mit Stückgut beladen, belegte die Route Stralsund nach Stettin und auch Fracht in den Bergener Hafen.

Die Wertschätzung für den Erhalt unserer Kulturgüter können wir nicht hoch genug schätzen!
So haben die Bürger von Bergen zu allen Zeiten ihre Chance wahrgenommen das Leben in der Stadt zu halten und den Menschen Identität zu geben.

Kürschnermeister Uwe Hinz

Bibliographie: Das Bürgerbuch von Bergen 1613- 1815 Assmann, Kreisarchiv Vorpommern-Rügen Stralsund*Beiträge zur Geschichte der Stadt Bergen auf Rügen,Dr. A:Haas,G.Krüger Verlag Bergen a. Rügen* Zur Topographie von Bergen,E.-M.-Arndt Universität 1963*Geschichte der Satdt Bergen auf Rügen, Pastor Steurich, Verlag W. Krohs In Bergen a. Rügen 1913* Greifswalder Beiträge, Rügen, E.-M.-Arndt Universität 2001*Archiv Kürschnermeister Uwe Hinz

Inselexperten-Tipp:

Der Autor Uwe Hinz bietet außerdem regelmäßig Stadtführungen in Bergen auf Rügen an:

“Mit Ihrem magister historicus das historische Bergen entdecken”
Ein Streifzug durch unsere Kultur-, Natur-, Architektur- und Kunstgeschichte

Mittwochs (vom 01. April bis 30.September) um 10.30 Uhr
Treffpunkt ist der Platz „ Am Goldener Brinken“ (obere Bahnhofstrasse an der Billroth –Eiche)

ab 2 Personen pro Pers. 10,00 EURO
Dauer ca. 120 Minuten
Individuelle Führungen zu anderen Tagen und Zeiten das ganze Jahr über gern nach Absprache.

Donnerstags (bis Ende September) Kirchen- und Klosterarealführungen von 11.30 – 12.30 Uhr (5 Euro pro Person)
melden am Informationsstand in der Kirche St. Marien

Kontakt: firma-hinz@web.de oder telefonisch unter 03838 252808 (oder abends unter 03838 308485)


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1 Kommentar

  • Sehr geehrter Herr Hinz! Ihr Artikel ist
    sehr interessant für mich, da unter den Ralswieker Meister´s vermutlich Verwandte der Fischerfamilie Last aus Lietzow sind, aus welcher mein Großvater August Last stammt. Einer seiner Vorfahren lebte in Barnkevitz/ Jasmund, welches heute wohl verschwunden ist.Nach dem Taschenbuch für Reisende für die Insel Rügen von 1844 war es ein Einliegerdorf mit 97 Einw.,6 Häusern,Kp. Sagard. In den „Inschriften des Landkreises Rügen“ von 2002 wird für 1387 die „Lietzower
    Fähre mit der Heide bei Barnkewitz auf der Halbinsel J.“ erwähnt. Darf ich fragen, ob Sie etwas mehr über diesen Ort wissen oder ob
    man ihn noch finden kann? Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.
    Mit freundlichen Grüßen
    Edith Rudolph
    Spinozastrasse 5, 12163 Berlin, T 030-8337638