Bergen- Historie einer Hafenstadt Teil 1/2


Seit 1755 leben die Vorfahren von Uwe Hinz als Bürger in Bergen auf Rügen. Hier stand 1948 auch seine Wiege. Sein Interesse für Geschichte, Archäologie und die Bücherwelt sind Bestandteil seines Lebens. Der Kürschnermeister lebt und arbeitet mit seiner Frau... mehr

Stets erstaunt sind Besucher von Bergen, wenn ich sie während meiner historischen Stadtführungen an der oberen Wasserstraße mit dem einstigen Hafen von Bergen konfrontiere.
Dabei müssen wir uns an die Bedeutung der slawisch – wendischen Besiedlung Gatemunde (südöstlich am Fuße Bergens), sowie an die sporadischen fürstlichen Besuche mit Sitz auf der Burg im Rugard und der ständigen Präsenz des Landvogtes in Gora (slawisch Berg) erinnern.
Wann genau eine Besiedlung von Gatemunde (erste Erwähnung 1294) als Fischersiedlung begonnen hat ist nicht mehr eindeutig nachweisbar. Im 19. Jahrhundert sprach man von Gatmund und heute existiert noch die Gadmundstraße. Die Bedeutung kommt von „trübes Wasser“. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Siedlung Gadmund nach Bergen eingemeindet. Interessant ist, dass die hier ansässigen wendischen Fischerfamilien das verbriefte Recht hatten das „Meerwasser“ zu beschiffen. Damit war natürlich u.a. der Kleine Jasmunder Bodden gemeint.

Eine lange Wasserzunge zog sich vom Kleinen Jasmunder Bodden ins Land und sogenannte Sooten (schiffbare Wassergräben) führten bis an die Fischersiedlung heran.
Mit den flachen Uferbooten, den Schuten, schwammen die Boote bis an den „Fischersteig“. Dort entlud man den Fang und sicherlich wurden auch andere Waren transportiert, die der Versorgung der Bewohner galten. Von hieraus transportierten die Menschen ihre Produkte zum Marktflecken Gora und zur Burg über die heutige Vieschstraße. Durch die Jahrhunderte verlandete der Wasserlauf des Kleinen Jasmunder Boddens mehr und mehr und heute erkennt der sensible Beobachter aus der Königstraße kommend noch eine tiefe Senke und die sich hinziehenden Feuchtgebiete.
Als historische Verbindung zwischen Mönchgut und Putbus fungierte noch erkennbar eine gepflasterte Straße und von einem Wassergraben begleitet. Die beschiffbaren künstlichen Sooten waren wichtige Verkehrwege. Hinzufügen möchte ich auch, dass es einen steten Konflikt zwischen den Gutsbesitzern des Grund und Bodens und den Fischern gab. Die Wasserläufe wurden willkürlich verschmutzt oder verschüttet und so das Beschiffen erschwert. Dabei spielten einige Gutsbesitzer, wie die von Normann und von Scheelen aus Stedar oder aus Dumsevitz die Familie Tiburtius eine nicht förderliche Rolle. Darauf weigerten sich einige Fischer Gebühren zu zahlen.

Da am Fuße von Gora lange Zeit der einzige Brunnen, der Balkensood existierte, versorgte dieser die Bewohner von Siedlung, Marktflecken und Burg.
An dieser Stelle befindet sich heute ein kleiner Spielplatz mit der „verwunschenen Mühle“, eine Reminiszenz an die einst zahlreichen Mühlen um Bergen herum. Es gab eine Verordnung, dass in sehr trockenen Wochen des Sommers das Wasser nicht in Fässern auf Fuhrwerken den Berg hinauf transportiert werden durfte. Dann kamen 2 Eimer an ein Joch gekettet und über die Schultern einer kräftigen Person gelegt zum Einsatz.

In der oberen Wasserstraße befindet sich noch heute ein giebelständiges Haus, einst ein Fischerhaus wohl im Ursprung 17. Jahrhundert.
1795 wird es im Bürgerbuch als Eigentum des Fischers Möller mit Haus, Hof, kleiner Scheune und Garten geführt. Vor einigen Jahren war das mittlerweile marode Haus von der Stadt zum Abriss freigegeben worden. Ich konnte jedoch einen Meister der Zimmermannszunft aus Leipzig für das erhaltenswerte Haus interessieren und so erstrahlt es wieder im neuen Glanz und kündet von Bergener Geschichte. Davor soll zukünftig ein kleines Denkmal an das Wirken der Bergener Fischer so der von Gatemunde erinnern.
Es wird uns Menschen des 21. Jahrhunderts die Bedeutung des fließenden Wassers in Gora als Lebensgrundlage erklärbar.

Dem Wunsch der Bergener nach einem eigenen größeren Hafen erfüllten sich die Bürger dann mit den Anlagen für einen Hafen zwischen Zittvitz und Buschvitz, mit dem sogenannten „Brahm“ ursprünglich „Bram“.
Im Sprachgebrauch von Brombeere oder Ginster kommend.

Inselexperten-Tipp:

Der Autor Uwe Hinz bietet außerdem regelmäßig Stadtführungen in Bergen auf Rügen an:

“Mit Ihrem magister historicus das historische Bergen entdecken”
Ein Streifzug durch unsere Kultur-, Natur-, Architektur- und Kunstgeschichte

Mittwochs (vom 01. April bis 30.September) um 10.30 Uhr
Treffpunkt ist der Platz „ Am Goldener Brinken“ (obere Bahnhofstrasse an der Billroth –Eiche)

ab 2 Personen pro Pers. 10,00 EURO
Dauer ca. 120 Minuten
Individuelle Führungen zu anderen Tagen und Zeiten das ganze Jahr über gern nach Absprache.

Donnerstags (bis Ende September) Kirchen- und Klosterarealführungen von 11.30 – 12.30 Uhr (5 Euro pro Person)
melden am Informationsstand in der Kirche St. Marien

Kontakt: firma-hinz@web.de oder telefonisch unter 03838 252808 (oder abends unter 03838 308485)


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