52 Gesichter der Insel Rügen: Christine und Karl-Heinz Seegers #44of52


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Christine und Karl-Heinz Seegers | Rentner, Jahrgang 1941 und 1926

Zwei Rentner im Unruhestand

 

Karl-Heinz Seegers ist oft mit „Tante Paula“, seinem kleinen Elektro-Roller, in Bergen unterwegs. Hier wurde er 1926 geboren, in der Raddasstraße 33, im Hause seiner Großeltern. Heute lebt er mit seiner Frau Christine (Jahrgang 1941) auf der anderen Straßenseite. Von ihrer Hof-Terrasse schauen sie über die Dächer der Stadt und sehen an der Fahne auf dem Rathaus, woher der Wind weht. „Gleich neben dem Markt hatte mein Vater eine Schlosserei, eine Autoreparaturwerkstatt und eine Tankstelle mit Garagenbetrieb“, erinnert sich Karl-Heinz Seegers.

Wie früher poltern Autos über das Kopfsteinpflaster vor dem Haus. „Es sind inzwischen nur wesentlich mehr Fahrzeuge geworden.“ Wenn er heute mit „Tante Paula“ durch die Straßen und Gassen von Bergen fährt, erinnert er sich auch an seine unbeschwerte Kindheit vor dem Krieg, an seine Einschulung 1933 in der damals neu gebauten Bildungseinrichtung in der Breitsprecherstraße und an die Zeit am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium.

1943 wurde Karl-Heinz Seegers in den Reichsarbeitsdienst eingezogen und 1944 in den Krieg geschickt.

Nach seiner Scheidung lernte Karl-Heinz Seegers seine Christine kennen, mit der er seit den 1970er Jahren verheiratet ist. 1976 waren sie zum ersten Mal zusammen auf Rügen. „Die Insel hat mir auf Anhieb gefallen, auch die Menschen, nur das Regime in der DDR nicht“, gesteht Christine Seegers.

Der Mauerfall war auch ein Glücksfall für die beiden. Karl-Heinz hatte nämlich schon zu DDR-Zeiten die Grundstücke seines Vaters in Bergen geerbt. Verwaltet wurden sie von einem Volkseigenen Betrieb. Nach der Wende bekam er sie nun zurück und verkaufte einen Teil, um sich in der alten und neuen Heimat mit seiner Christine den „Alters-Unruhesitz“ aufzubauen.

Denn Rentner haben niemals Zeit. Dieser Spruch trifft auch auf Christine Seegers und ihren Mann zu. Er war aktiv im inzwischen liquidierten Förderverein des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums und hat zu seinem 88. Geburtstag das „jüngste“ Ehemaligentreffen der Geburtsjahrgänge 1925-1928 in Bergen auf Rügen organisiert.

Christine Seegers ist ehrenamtlich sehr aktiv beim DRK. Jeden Donnerstag geht sie ins Pflegeheim, besucht dort seit über zehn Jahren drei Bewohner, spricht mit ihnen, spendet Trost.

Video und Foto: pocha.de

 

Insel Rügen. #25JAHRE

Nach dem Mauerfall in die Reisefreiheit. Deutschland feiert im Jahr 2015 „Silberhochzeit“: 25 Jahre Deutsche Einheit. Die Insel Rügen erinnert mit der Kampagne „#25JAHRE“ an jene Zeit vor und nach dem Mauerfall. Wie haben die Menschen auf Rügen, Ummanz und Hiddensee die gesellschaftliche Wende erlebt? Wie war ihr Leben in der DDR – an der unsichtbaren Mauer, die Ostsee hieß? Und wie ging es im neuen, vereinten Deutschland für sie weiter? Rügen hat sie: Menschen mit ihren spannenden Geschichten, authentisch, ehrlich, emotional, überraschend. Jede Woche des neuen Jahres steht für 52 dieser Gesichter, die immer freitags in Kurzfilmen auf Youtube (youtube.com/wirsindinsel), Vimeo und im Blog www.wirsindinsel.de gezeigt werden: Plattdänzer und Plattschnacker, „Ureinwohner“ und Neurüganer, Sänger, Künstler, Mitgestalter, eine Meisterin, der Wetterfrosch, der Nachbar und die Nachbarin. Spannende Geschichten, die zeigen, wie tief so manche Wurzel in die Rügener Geschichte hinein reicht, was Glück und was Heimat bedeuten und wie sich Zeiten und Menschen ändern, ob Wünsche und Träume wahr wurden oder Hoffnungen sich vielleicht doch nicht erfüllt haben. #25JAHRE ist ein Projekt voller Emotionen, ein Stück bewahrter Zeitgeschichte, ein Teil von Rügen.


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