52 Gesichter der Insel Rügen: Willi Berger #43of52


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Willi Berger | Heimatmaler aus Kloster/ Insel Hiddensee, Jahrgang 1922

Ein Bild an der Berliner Mauer

Willi Berger will und wird Spuren hinterlassen. Er ist der älteste Bewohner von Hiddensee und lebt in Kloster, im „Schwalbennest“, wie er sein Atelier-Haus liebevoll genannt hat. Wenn er mit seinem Elektro-Dreirad auf den unbefestigten Wegen zu jenen Stellen fährt, an denen er unter freiem Himmel malt, dann hinterlässt er Spuren im Sand. Es sind Spuren, die vergehen.
Seine Bilder bleiben. Eines ist sogar in der East Side Gallery an den Resten der Berliner Mauer zu sehen, eine Hommage an seinen Zeichenlehrer und Freund Hans Meissel. Als Widmung schrieb Willi Berger auf eines der drei schwergewichtigen und mahnenden Mauersegmente, die er bearbeiten durfte:

Der Maler Hans Meissel (1888–1969)
sowohl im Dritten Reich als auch in der
DDR mit Ausstellungsverbot belegt, wegen
seiner expressiven Malweise. Er setzte mit
„Gott allein die Ehre“, JS Bachs
letzter Komposition, der Kunst der Fuge,
ein Denkmal.
Mit der Kopie des nun erstveröffentlichten
Bildes, möchte ich meinem Lehrer Dank abstatten.
Willi Berger/ Hiddensee 1990/2009

Nie wieder
Zensur in der Kunst!

Willi Berger ist einer von 118 Künstlern aus 21 Ländern, die die längste Galerie unter freiem Himmel gestalten durften, die 1316 Meter lange und drei Meter hohe East Side Gallery.
„Hier auf Hiddensee male ich im Format 40×50 Zentimeter. Das kann ich wenigstens noch transportieren“, sagt Willi Berger, der sich als Heimatmaler sieht. „Ich muss immer raus in die Natur. Landschaft kann man nicht auswendig malen, man muss sie vor sich sehen“, sagt er mit kräftiger Stimme.
Als Biologe, Ornithologe und Konservator arbeitete Willi Berger viele Jahre auf Hiddensee. Zunächst lebte er in einer kargen Dienstwohnung – bis er schließlich mit seiner inzwischen verstorbenen Frau das kleine und große „Schwalbennest“ baute. „In dem Haus steckt auch das Hiddenseer Wanderheft, das ich vor vielen Jahrzehnten geschrieben habe“, verrät Willi Berger.

Willi Berger und seine Spuren: Die Wurzeln liegen im polnischen Bärwalde (Mieszkowice), wo er geboren wurde. Als Revierförster hat er in Brandenburg Tausende Bäume gepflanzt, die heute ein richtiger Wald sind. Er hat viele Tiere präpariert und als Ornithologe unzählige Vögel beringt, die noch die Kennung der Hiddenseer Vogelwarte um die Welt tragen. Das Porträt, das er von seinem Vorbild Otto Niemeyer-Holstein gezeichnet hat, ist in Bergers Autobiografie verewigt. Es gibt einen Sohn aus erster Ehe, den er erst nach dem Mauerfall richtig kennen lernen konnte. Und da sind seine Hiddensee-Bilder, die bleiben.

Mit einem Lächeln hat Willi Berger wahrscheinlich nicht nur uns nach dem Besuch drei Sprüche mit auf den Weg gegeben:

„Wenn auch verwittert die Gestalt, ein Fotografenherz wird niemals alt.“
„Wo man Wasser trinkt, da kannst du ruhig lachen. Böse Menschen trinken schärfere Sachen.“
„Bleibt schön gesund, dann braucht ihr keinen Tierarzt!“

Mehr Infos:
www.eastsidegallery-berlin.de
www.hiddensee-kultur.de/1989_wberg.php

Video und Foto: pocha.de

Insel Rügen. #25JAHRE

Nach dem Mauerfall in die Reisefreiheit. Deutschland feiert im Jahr 2015 „Silberhochzeit“: 25 Jahre Deutsche Einheit. Die Insel Rügen erinnert mit der Kampagne „#25JAHRE“ an jene Zeit vor und nach dem Mauerfall. Wie haben die Menschen auf Rügen, Ummanz und Hiddensee die gesellschaftliche Wende erlebt? Wie war ihr Leben in der DDR – an der unsichtbaren Mauer, die Ostsee hieß? Und wie ging es im neuen, vereinten Deutschland für sie weiter? Rügen hat sie: Menschen mit ihren spannenden Geschichten, authentisch, ehrlich, emotional, überraschend. Jede Woche des neuen Jahres steht für 52 dieser Gesichter, die immer freitags in Kurzfilmen auf Youtube (youtube.com/wirsindinsel), Vimeo und im Blog www.wirsindinsel.de gezeigt werden: Plattdänzer und Plattschnacker, „Ureinwohner“ und Neurüganer, Sänger, Künstler, Mitgestalter, eine Meisterin, der Wetterfrosch, der Nachbar und die Nachbarin. Spannende Geschichten, die zeigen, wie tief so manche Wurzel in die Rügener Geschichte hinein reicht, was Glück und was Heimat bedeuten und wie sich Zeiten und Menschen ändern, ob Wünsche und Träume wahr wurden oder Hoffnungen sich vielleicht doch nicht erfüllt haben. #25JAHRE ist ein Projekt voller Emotionen, ein Stück bewahrter Zeitgeschichte, ein Teil von Rügen.


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