Ein unvergessliches Telefonat mit Hellmuth Karasek


Ein unvergessliches Telefonat mit Hellmuth Karasek
Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Hellmuth Karasek (81) ist tot. Der Schriftsteller, Journalist und Literaturkritiker ist in der Nacht zum 30. September 2015 gestorben. Auch wir werden ihn vermissen, jenen Mann, dem nichts Menschliches fremd war, der mit seinen Worten zum Nachdenken anregen aber auch Lachsalven zünden konnte.

Im Sommer 2012 gastierte er auf der Insel Rügen – im Theater Putbus.
Vorab hatte ich die Möglichkeit, mit ihm zu telefonieren. Er erlaubte mir, das Gespräch mitzuschneiden, weil ein Auszug auch im Radio gesendet werden sollte. Und das hat er mir verraten:

 

 

 

Bei kaum einem anderen Telefonat habe ich mich so köstlich amüsiert wie im Gespräch mit Hellmuth Karasek. Es war, als würden wie uns schon seit Jahren kennen. Ein Wort ergab das andere. Witze flogen durch die Telefonleitung wie Bälle über die Tischtennisplatte. Wir lachten herzhaft.

 

 

Hellmuth Karasek hatte einen großen Unterhaltungswert – ob als ernsthafter Literaturkritiker, in Quiz-Shows und bei seinen Auftritten in Theatern oder bei Lesungen. Seit seiner Jugend sammelte er Witze, die er als die „kürzeste und präziseste Form von erzählter Literatur“, verstand. Und damit tourte er auch durch den Osten der Republik, durch jenen Teil, in dem Witze einen ganz besonderen Stellenwert hatten und oft versteckte oder offene Gesellschaftskritik transportierten.

 

 

Hellmuth Karasek hat sich mit einem Lächeln verabschiedet – bei seinem letzten öffentlichen Auftritt in der Werbung, wo er „das meistverbreitete Buch der Welt“ rezensierte. Es war ein „möblierter Roman, in dem Menschen selten zu Wort kommen“: der Ikea-Katalog.

 

 

 


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