Petite Orangerie: Eine Adventsgeschichte im Sommer


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Sommer auf Rügen. Sonne auch über Neuendorf bei Lauterbach. Im Garten von Kilian und Hanns Studer wiegen sich Palmwedel im Wind. Weinreben versprechen eine leckere Lese. Wohlige Wärme auch in La Petite Orangerie. Doch wie passt dort in diesen Tagen eine Adventsgeschichte hinein? Sehr gut sogar, denn zur Ausstellungseröffnung las der Rügener Künstler Walter G. Goes in der kleinen Sommergalerie die Erzählung „Jesus auf dem Hüninger-Riff“ aus der Feder des Basler Schriftstellers Hansjörg Schneider – und die zahlreichen Besucher lauschten gebannt dieser Geschichte, die in den 1970er Jahren geschrieben wurde und 1998 als Buch mit Holzschnitten von Hanns Studer erschienen ist. Verleger dieses nur 32 Seiten dünnen aber inhaltlich starken und wertvollen Buches ist die Basler Papiermühle, das Schweizerische Museum für Papier, Schrift und Druck.

Hansjörg Schneider erzählt in diesem Buch von einem scheinbar unglaublichen Ereignis:
Mitten im Rhein – direkt im Dreiländer-Eck von Deutschland, Frankreich und der Schweiz – taucht plötzlich eine Insel auf. Doch nicht nur sie sorgt für heftigen Disput, für behördlichen Wirbel auf allen Seiten, für Fassungslosigkeit und Dramatik. Mitten auf der Insel erscheinen wie aus dem Nichts ein Esel und drei seltsam gekleidete und auch merkwürdig (weil nicht gerade heimisch) aussehende Menschen. Es sind, wie die Schweizer sagen, Refugianten, also Flüchtlinge. Dass sie Maria und Josef heißen und ein Kind bei sich haben, wissen wir aus anderen Adventsgeschichten.

Ob der Schriftsteller Hansjörg Schneider seherische Fähigkeiten besitzt? Seine Erzählung klingt erschütternd tagesaktuell, erinnert an die Flüchtlingstragödien im Mittelmeer, an die Insel Lampedusa, das Stranden von Menschen in der Fremde. . .

Neben drei Mehrfarb-Holzdrucken zu dieser Erzählung zeigt der aus der Schweiz stammende Hanns Studer in seiner Petite Orangerie weitere Werke seines jahrzehntelangen und noch immer aktiven Schaffens. Hier eine Glasmalerei mit einem Motiv aus der Bibel, dort Holzdrucke mit Poseidon und einer Nixe, mit Inseln im Meer. Auch abstrakte Arbeiten, in denen Farben und Formen miteinander verschmelzen, sind zu sehen.

Hanns Studer ist jetzt 95 Jahre alt. Ein Schweizer auf Rügen, ein Mann mit Geschichte und Geschichten. Er freut sich auf Ihren Besuch und interessante Begegnungen in seiner Sommergalerie.

 

Die Ausstellung in Neuendorf, Dorfstraße 3, ist bis zum 13. September immer montags, mittwochs, freitags und sonntags von 17 bis 19 Uhr geöffnet.

Parkmöglichkeiten gibt es im nahen Hafen Lauterbach.

 

 

 

Die Inselexperten danken dem Künstler für die freundliche Genehmigung, seine Arbeiten zeigen zu dürfen.

 


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