„Der Berg ruft“: Vom Hochgebirge zu den Kreidefelsen


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Wenn das kein Kurz-Gastspiel war. Und was für eines! Oder war es gar eine Sinnestäuschung? Am Sonnabend, dem 11. Juli, ist um 17 Uhr eine Ausstellung in der Orangerie zu Putbus eröffnet worden. Und am Sonntag war sie schon wieder vorbei. „Der Berg ruft“, so ihr Titel in Anlehnung an den gleichnamigen Luis-Trenker-Film aus den 1930er Jahren, in dem es um die Erstbesteigung des Matterhorns ging. Der Berg rief also tatsächlich – und etliche Besucher kamen, unter ihnen EVA & ADELE, zwei schillernde Wesen aus Berlin, das „schrillste Paar der Kunstszene“, wie eine große Zeitung einst schrieb. In roten Damenkostümen und Stöckelschuhen, mit güldenen Handtäschchen, kahlgeschorenen Köpfen, Perlenketten und farbenfroh geschminkten Gesichtern sorgten sie für Aufsehen.

Den Inselexperten verrieten EVA & ADELE, dass sie Gegenwartskünstler seien. Und mit ihrem Statement „Wherever we are is museum“ würden sie auch die Insel beglücken, „vor allem, weil sie die meisten Sonnenstunden in Deutschland hat“. Und sie erzählten, dass sie auf der Insel Rügen fleißig trainieren und etwa 20 Kilometer am Tag wandern, um sich körperlich fit zu halten für ihre Performances. Natürlich seien sie beim Wandern in anderem Outfit unterwegs, wurden aber schon in ihrer auffälligen Robe auf Wittow entdeckt und natürlich fotografiert.

Für diesen einen Ausstellungstag hatte Rudi Molacek aus der Steiermark (Österreich) die untere Etage der Orangerie mit Werken aus seiner Sammlung bestückt und auf diese Art mit Kunst Brücken geschlagen zwischen dem Hochgebirge und den Kreidefelsen. Es waren Fotos vom „Dach der Welt“ zu sehen, auch ein echter tibetanischer Teppich, in Glaskästen getürmte Berge von Atelierabfällen als Zeugnisse künstlerischen Schaffens. . .

„Wir haben die Berge einfach mitgebracht“, erzählte der Künstler,
der seine Karriere vor vielen Jahren als Model begann, sich später dann auch als Mode- und Werbe-Fotograf und Kunstsammler einen Namen machte und schließlich Maler wurde.

In der kleinen Ausstellung zeigte er Werke von Maria Serebriakova, Herbert Brandl, Michael Höpfner, Helmut Swoboda, Gerwald Rockenschaub, Hubert Schmalix. Von Erwin Wurm, einem der erfolgreichsten Gegenwartskünstler, war der „Mann auf dem Gipfel“ zu sehen, ein Foto mit einem auf einer Tür reitenden Mann, davor ein künstlicher Hundehaufen auf einem Sockel. Fritz Panzer steuerte drei aus Draht geformte Tetra-Packs (ohne Alpen-Vollmilch) bei. Dazu gab es ein Kunstwerk von EVA & ADELE, die ihrem Ölgemälde allein durch ihre Anwesenheit den passenden Rahmen gaben.

Seine eigene Sicht auf die Kreidefelsen hielt der sonst mit starken Farben arbeitende Rudi Molacek in einem großen Gemälde schlicht in Schwarz-Weiß fest. „Ich liebe die Insel, auf der schon Caspar David Friedrich unterwegs war“, schwärmte der Österreicher. Er gehe gern mit seiner Frau und dem „Hochgebirgs-Mops“ namens Bansai an der Kreideküste spazieren. Dieses Licht fasziniere ihn, die einzigartigen Ausblicke und Farbenspiele auf Deutschlands größter Insel. „Hier ist es fast zu schön zum Arbeiten“, fasste er Rügens Reize zusammen. In der Nähe von Gingst hat er mit seiner Frau Maria Serebriakova in einem alten Gutshaus sein Insel-Zuhause gefunden.

 

Die nächste Ausstellung in der Orangerie zu Putbus widmet sich Hermann Naumann und zeigt Malerei, Grafik und Plastik.

Weitere Infos:

www.kulturstiftung-ruegen.de

 

Fotos: Holger Vonberg

 

 

 

 

 


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