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Mit drei knallgelben Quietsche-Entchen in Matrosenhemd, mit Kappe auf dem Kopf und Steuerrad unter dem Flügel fing alles an. Bei einem Fototermin für das Sommer-Magazin der Ostsee-Zeitung gab Harald Dörschel, Direktor der Aquamaris Strandresidenz Rügen, der Rügener Journalistin und Autorin Janet Lindemann drei Plastikentchen mit auf den Weg – für den Mann und die beiden Töchter Emma und Maria. Eine Radtour führte die damals 33-Jährige anschließend von Juliusruh an Rügens Nordzipfel. Den ersten Foto-Stopp legte sie am langen, feinsandigen Sandstrand Schaabe ein, der die beiden Halbinseln Jasmund und Wittow miteinander verbindet. Dort sah sie Papa Jens und Sohn Maximilian aus Berlin beim Bau einer Sandburg zu und sprach sie an. Eine Quietschente setzte sie aus Spaß auf eine „Mauer“. Sandburgenbauer Maximilian war ganz begeistert. Als sie sich das Foto ansahen, schien es, als würden der kleine Sandburgenbauer und die Ente miteinander kommunizieren. Janet Lindemann setze ihren Weg radelnd fort und positionierte die Entchen an verschiedenen Orten (auf einer Pferdeweide, auf Findlingen, vor der Uferkapelle, bei den Leuchttürmen, …) bis hoch zum Kap Arkona. Die Ente an der Schaabe aber schenkte sie dem Jungen. Abends wieder am heimischen Schreibtisch sichtete sie die Bilder und fügte sie zu einer Geschichte zusammen. Diese schickte sie dann Harald Dörschel per E-Mail zu und der war so begeistert, dass er sie für seine kleinen Hotelgäste drucken ließ. Der Titel der 16-seitigen Bildergeschichtete lautete „Ente, gut, alles gut“ und das letzte Wort kurz und knapp einfach nur „Ente“. Wenig später rief der aus Sassnitz stammende Journalist, Moderator und Verleger Leif Tennemann an und die Autorin berichtete stolz von ihrer Idee, Figuren und Insel fotografisch in Szene zu setzen und daraus eine Geschichte für die Jüngsten zu kreieren. Zusammen entwickelten sie die Geschichte von zwei Quietsche-Enten namens Quack und Quacki und ihren Abenteuern in der historischen Schmalspurbahn „Rasender Roland“. Dieser gaben sie den Namen: „Der Kohledieb von Rügen“. Mittlerweile erfreut sich das Fotobilderbuch für Kinder ab drei Jahren, das im März 2012 im Verlag tennemann media Schwerin erschienen ist, bundesweit großer Beliebtheit.

Genau drei Jahre später hat Janet Lindemann erneut ein Kinderbuch veröffentlicht,

diesmal im eigenen Inselkinder Verlag. „In meinem Kopf schwirren so viele Ideen umher, dass ich mich entschieden habe, einen Verlag zu gründen“, erzählt die 37-jährige Sellinerin. „Muschel Moni und der Schatz“ ist ein Pappbilderbuch für Rügenfans ab zwei Jahren und spielt an verschiedenen Schauplätzen auf der Insel Rügen wie dem Strand von Binz, der Seebrücke Sellin und der Kreideküste mit dem Leuchtturm Kollicker Ort. Ihre Erfahrungen als Autorin (im April 2014 ist ihr Buch „Der besondere Inselführer Rügen und Hiddensee“ im Verlag Ellert & Richter und im Dezember 2014 der Fotobildband „Rügen: Ostseeblicke – Faszination Luftaufnahmen“ im k4 Verlag Dresden erschienen), ihre Kontakte zu Buchhändlern, Verlegern, Grafikern, Illustratoren und Autoren und nicht zuletzt ihre kaufmännische Ausbildung gaben ihr die nötige Sicherheit und das Vertrauen, im Januar 2015 den Inselkinder Verlag zu gründen. So hat der Verleger und Art Director der Berliner Kulturzeitschrift „Das Magazin“, Till Kaposty-Bliss, den Umschlag gestaltet und einige Buchhändler bereits vor Erscheinen Bücher bestellt. „Das hat mich unheimlich stolz gemacht und mir viel Rückenwind gegeben“, erinnert sich die Rüganerin. „Ich möchte aber nicht nur eigene Texte und Illustrationen, sondern auch Werke von anderen, gerne auch weniger bekannten, Autoren und Grafikern veröffentlichen sowie wunderschöne alte Kinderbücher neu auflegen“. Janni Feuser, die Illustratorin von „Muschel Moni“, stammt beispielsweise aus dem Rheinland und hat bis dato fast nur Wände bemalt. „Muschel Moni“ ist ihr erstes Kinderbuch. „Als sie mit dem letzten Pinselstrich fertig war, hat sie festgestellt, dass sie am liebsten gar nichts anderes mehr machen möchte“, schmunzelt die Autorin und Verlegerin.

Auch die nächsten Buchprojekte sind schon in Arbeit.
Zum einen ist ein Hiddensee- Pappbilderbuch geplant sowie ein Band mit lustigen Kindergedichten von dem Rügener Journalisten Maik Brandenburg und Illustrationen von Grafiker Florian Melzer . Außerdem die  Abenteuer der
Trachtenfledermaus Fietje auf Mönchgut, eine regionale Kindergeschichte von Dr. Frank Meierewert, Veranstaltungsmanager bei der Kurverwaltung in Baabe und Autor des Buches „Unterwegs auf Rügen, Hiddensee und Stralsund“.

„Meine größten Kritiker sind meine drei Kinder im Alter zwischen zwei und neun Jahren. Bevor eine Geschichte erscheint, gebe ich sie den beiden Großen zum Lesen. Oft schauen wir dann zusammen, was wir anders machen können, wenn die Meinungen sehr weit auseinandergehen. An den leuchtenden Augen des ganz Kleinen erkenne ich, welche Texte und Bilder ihm am meisten gefallen“, erzählt Janet Lindemann. Wenn die Sellinerin keine Bücher schreibt, denkt sie sich zusammen mit ihren Kindern Prinzessinnen-Geschichten oder Piratenabenteuer, Spiele oder Rezepte für „Warum! Das Naturmagazin für schlaue Eltern“ aus oder schreibt, zeichnet und fotografiert für die Kinderseiten im „Hiddensee-Magazin“, liest aus ihren Büchern in Kindergärten, Schulen oder Bibliotheken oder ist auf Kinderfesten vertreten. Eine ihrer letzten Lesungen führte sie in das Glasmuseum nach Rheinbach bei Bonn. Dort warb sie mit einem „Muschel-Moni“-Bilderbuchkino für die Insel Rügen. Die kleinen Besucher konnten Schatzkästchen mit Herzmuscheln und Sand vom Binzer Ostseestrand verzieren und Illustratorin Janni Feuser erstellte ein riesiges Wandbild, das zugunsten der Lese- und Sprachförderung von Flüchtlingskindern in Rheinbach versteigert wurde. Noch bis zum Jahresende 2015 läuft außerdem ein Rügen weites Projekt in Zusammenarbeit mit dem Medieninformationszentrum in Bergen auf Rügen (miz), in dem Einheimische und Urlauberkinder bis 18 Jahre aufgerufen sind, ihre Lieblingsorte auf Rügen in Bildern und Texten festzuhalten. Eine Auswahl wird im Jahr 2016 in einer Ausstellung im miz sowie in einem Jahreskalender 2017 zu sehen sein.

Wer gerne in Gesellschaft kreativ sein möchte, kann gemeinsam mit den Organisatoren in den Schreib-, Mal- und Bastelwerkstätten am 7. und 14. August um 10.30 Uhr im miz zeichnen, schreiben, drucken und eine Collage erstellen.
„Lieblingsorte, Lieblingshorte, Lieblingstorte, Lieblingsworte – Wo seid ihr am liebsten, was mögt ihr am liebsten auf Rügen?“ lautet der Titel des Projekts. Bilder und Texte können direkt im miz (Markt 12, 18528 Bergen auf Rügen) abgegeben werden. Erlaubt ist alles, was gefällt.

 

Inselexperten-Tipp:

Ab 2. Juli gibt es am Selliner Hauptstraße links von der Selliner Seebrücke Strandlesungen.  Termine sind der 2. Juli, 7. Juli, 14. Juli, 21. Juli, 28. Juli, 4. August und 11. August. Los geht es um 10.00 Uhr (bei Schietwetter fällt die Lesung aus). Als Zugabe gibt es Wellenrauschen und ein Möwenkonzert. 😉

www.inselkinder-verlag.de

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52 Gesichter der Insel Rügen: Doris Teutenberg #25of52
Die ehemalige Gardvogtei Patzig 
und die Kirche St. Margarethe

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