52 Gesichter der Insel Rügen: Frank Biederstaedt #21of52


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Frank Biederstaedt | Leiter Stadtbibliothek und Stadtarchiv Sassnitz, Jahrgang 1980

Der „Herr der Bücher“

Er ist der „Herr der Bücher“ und ein wandelndes Lexikon, wenn es um die Stadtgeschichte von Sassnitz geht: Frank Biederstaedt, Jahrgang 1980. An seine Schulzeit an der Lenin-Oberschule erinnert er sich gern. Auch an den Ausblick aus den Klassenräumen. Von dort sah man die Fährschiffe, die den Hafen in der Stadt anliefen und wieder in Richtung Trelleborg (Schweden) verließen.

Vom abenteuerlichen Hausbau seiner Eltern Ende der 80er Jahre weiß er aus Erzählungen, von den Schwierigkeiten, an die Genehmigungen, das Grundstück und erst recht an das Baumaterial zu kommen. Der Polski Fiat, den seine Eltern hatten, diente als Baustofftransporter. Er wurde auf dem damals noch unwegsamen Sassnitzer Windberg bis an die Belastungsgrenze gebracht. Das sei der „Todesstoß“ für das Auto gewesen.

Mit der Wende änderte sich die Situation schlagartig, plötzlich gab es Baumaterial und volle Regale, plötzlich gab es einen großen Gebrauchtwagenmarkt, sanken die Wartezeiten auf ein Auto.

Und es wurden einst verehrte Helden vom Sockel gestoßen. 1990 hieß es auch für Franks Schule „Good bye Lenin“, denn die Lehrerkonferenz hatte beschlossen, diesen Namen abzulegen. Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, war aus dem Schweizer Exil mit der Bahn kommend am 11. April 1917 mit der Fähre von Sassnitz nach Trelleborg und von dort weiter über Finnland nach Petrograd gereist, um die Revolution zur Machtergreifung der Arbeiter, Bauern und Soldaten zu propagieren. . .

1991 wurde aus der ehemaligen Polytechnischen Lenin-Oberschule ein Gymnasium mit einer Außenstelle in Dranske. Zu Hoch-Zeiten (1993/94) wurden an beiden Standorten 883 Schüler unterrichtet. 1997 verlieh Berndt Seite, der damalige Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, dieser Bildungseinrichtung den Namen „Ostsee-Gymnasium“, ein Jahr später machte Frank Biederstaedt dort sein Abitur. Im Schuljahr 2007/08 gingen nach einer Novellierung des Schulgesetzes hier nur noch 373 Schüler ein und aus. Zu wenig, um den Standort zu halten? Aus dem Gymnasium wurde eine Grundschule.

Das Ostsee-Gymnasium gibt es nicht mehr. Aber eines haben sich die ehemaligen Schüler und Lehrer bewahrt: Alljährlich kommen sie am 27. Dezember in dem Gebäude zusammen – zum Schnacken über alte und neue Zeiten. Auch Frank ist dabei.

Er hatte schon immer großes Interesse an Büchern und an der Historie von Rügen. Die Großeltern haben ihm viel erzählt vom Leben in den Dörfern der Insel. Auch in die Welt der Sagen und Geschichten tauchte er ein. Da lag es für ihn recht nahe, Archivwesen mit dem Nebenfach Bibliothekswesen zu studieren. Jetzt ist der Sassnitzer als diplomierter Archivar, als Leiter der Stadtbibliothek und Autor in seinem Element.

www.bibliothek-archiv-sassnitz.de

 

Video und Foto: pocha.de

Insel Rügen. #25JAHRE

Nach dem Mauerfall in die Reisefreiheit. Deutschland feiert im Jahr 2015 „Silberhochzeit“: 25 Jahre Deutsche Einheit. Die Insel Rügen erinnert mit der Kampagne „#25JAHRE“ an jene Zeit vor und nach dem Mauerfall. Wie haben die Menschen auf Rügen, Ummanz und Hiddensee die gesellschaftliche Wende erlebt? Wie war ihr Leben in der DDR – an der unsichtbaren Mauer, die Ostsee hieß? Und wie ging es im neuen, vereinten Deutschland für sie weiter? Rügen hat sie: Menschen mit ihren spannenden Geschichten, authentisch, ehrlich, emotional, überraschend. Jede Woche des neuen Jahres steht für 52 dieser Gesichter, die immer freitags in Kurzfilmen auf Youtube (youtube.com/wirsindinsel), Vimeo und im Blog www.wirsindinsel.de gezeigt werden: Plattdänzer und Plattschnacker, „Ureinwohner“ und Neurüganer, Sänger, Künstler, Mitgestalter, eine Meisterin, der Wetterfrosch, der Nachbar und die Nachbarin. Spannende Geschichten, die zeigen, wie tief so manche Wurzel in die Rügener Geschichte hinein reicht, was Glück und was Heimat bedeuten und wie sich Zeiten und Menschen ändern, ob Wünsche und Träume wahr wurden oder Hoffnungen sich vielleicht doch nicht erfüllt haben. #25JAHRE ist ein Projekt voller Emotionen, ein Stück bewahrter Zeitgeschichte, ein Teil von Rügen.


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