Ausstellung „Fundstücke“ von Gottfried Sommer in der Orangerie


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

In der Orangerie zu Putbus eröffnet die Kulturstiftung Rügen am heutigen Sonnabend, dem 25. April, um 15.30 Uhr eine neue Ausstellung. Sie ist dem in Bergen lebenden und künstlerisch tätigen Gottfried Sommer gewidmet, der im Mai 2015 seinen 80. Geburtstag feiert. Die Ausstellung trägt den Titel „Fundstücke“ und zeigt neben Sommers Grafiken, Ölbildern und Aquarellen auch dreidimensionale Kunstwerke: Skulpturen des Metallgestalters Bernard Misgajski, Arbeiten des Holzbildhauers Hans-Werner Kratzsch und „Gnubbeln“, wie Gottfried Sommer liebevoll die Sandsteinskulpturen von Johannes Peschel bezeichnet.

„Sachsen lieben den Norden“, sagt Gottfried Sommer, der vor 80 Jahren im Vogtland geboren wurde. 40 Jahre lang war er fast jeden Sommer zweimal auf Hiddensee. „Wegen der Menschen, wegen der Landschaft.“ Seit 1998 ist Rügen seine Heimat und auch die seiner Frau, der Schriftstellerin Ursula Ullrich, die es sehr einfühlsam versteht, ihre Liebe zu den Inseln in Worte zu fassen, nachzulesen unter anderem in ihren wundervollen Gemeinschaftswerken „Rügen Inselwege“ und „November auf Hiddensee“.

Rügen und Hiddensee sind Inseln mit diesem besonderen Licht, mit dieser malerischen Natur.
„Doch man ist zu abgelenkt, wenn man draußen in der Natur arbeitet“, sagt der Maler. Die Natur holt er sich ins Atelier in Form von Notaten, die er im Freien in sein kleines Buch schreibt. Schreiben ist nicht das richtige Wort. Das, was er festhält, ist eine Art Stenogramm, das nur er lesen kann, Striche, Linien, Farbwahrnehmungen. „Im Atelier schaffe ich mir dann meine eigene Welt.“ Diese Welt, so gibt er zu, sei etwas spröde, aber so, dass sie den Menschen noch berühre. Er möchte, dass der Betrachter mit eigenen Augen ergründet, wie er die Welt wohl empfinden mag.

Diese Welt und sich selbst erfindet der Künstler immer wieder neu. „Ich kann nicht dort weitermachen, wo ich aufgehört habe.“ Das verraten auch seine Bilder. Da sind seine Grafiken, die weichen Aktzeichnungen und klaren, sich immer weiter entwickelnden Porträts. Dieses Zeichnen vergleicht er mit den Handübungen eines Pianisten auf der Klaviatur. Und da sind die Ölgemälde mit Sommers Blumen und Landschaften und die Aquarelle, auf die er sich stark konzentriert, seit er in der Nähe des Wassers wohnt. Seine Arbeiten: kostbare Lebenszeichen.

Würde er wieder Künstler werden wollen? Gottfried Sommer überlegt einen Moment: „Heute hätte ich etwas Sorge, weil ich die Welt nicht mehr ganz so recht verstehe.“

Kuratorin Elke Pietsch, die den Künstler seit vielen Jahren kennt, schätzt seine liebenswerte Art, ist fasziniert von seiner Kunst, „von der einem das Herz aufgeht“. „Seine Landschaften vermitteln Tiefe und Weite, Ruhe und Besinnlichkeit. Sie sprechen mich einfach an.“ Sie schätze besonders an ihm die Bescheidenheit und die „Ordnung in seinem System“. Einen solch strukturierten Künstler habe sie noch nicht erlebt.

Und Kerstin Kassner, die Vorsitzende des Kuratoriums der Kulturstiftung Rügen, wird in ihrem Grußwort heute folgende Worte finden: „Es gibt sie, es gibt sie auch unter den Künstlern, die Zugvögel, die für eine ihnen bestimmte Zeit in einer Region zu Gast sind, sie mit ihrer Anwesenheit bereichern und dann weiterziehen müssen. So einer ist Gottfried Sommer nicht. In seinen Bildern sehe ich Rügen und Hiddensee in mir bekannten und doch immer neuen Dimensionen, Varianten, festgehaltenen Augenblicken. . . Hier ist einer mit großer Ernsthaftigkeit und Meisterschaft unterwegs. Nie geht es um einen schnellen Abklatsch, eine wohlfeile Widergabe der Dinge, nichts für den leichten Genuss. Wer Werke mit solcher Emotionalität schaffen kann, dem ist Rügen, dem ist Hiddensee nicht egal. Der setzt sich auseinander mit dem, was er sieht, was er liebt. . . Für uns Insulaner ist es ein großes Geschenk, dass Gottfried Sommer die Insel zu seinem Wohnsitz erkoren hat. Ich jedenfalls bin Gottfried Sommer dankbar für seine Treue, sein nicht erlahmendes Schaffen und seine Anteilnahme am Lauf der Dinge. Längst sind die Werke Gottfried Sommers zu einem Teil Rügens selbst geworden. . .“

 

Öffnungszeiten der Orangerie in Putbus:

April: Di. – Sa. 11 bis 17 Uhr, Mai: Di.-So. 11 bis 18 Uhr

 Fotos: Holger Vonberg

 

Vita

Gottfried Sommer

1935

im sächsischen Vogtland geboren

1952 – 1955

Studium an der Arbeiter-und-Bauernfakultät für Bildende Künste Dresden bei Otto Griebel, Werner Hofmann, Edmund Götz und Gerhard Stengel

1955 – 1964

Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei den Professoren Erich Fraaß, Herbert Kunze und Paul Michaelis

Staatsexamen und Diplom

Meisterschüler bei Professor Paul Michaelis

1961 – 1991

Mitglied des Verbandes Bildender Künstler der DDR

seit 1991

Mitglied des Bundesverbandes Bildender Künstler

Deutschlands und des Sächsischen Künstlerbundes

seit 1965

freischaffend

seit 1998

lebt und arbeitet Gottfried Sommer in Bergen auf Rügen


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