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Lutz Grünke | Fotograf und Grafikdesigner aus Binz, Jahrgang 1953

Provokant: „Die DDR war das Glück für die Bäderarchitektur“

Der Chemiefacharbeiter und Bauingenieur Lutz Grünke hängte 1985 seinen Job im Spezialbetonbau Binz an den Nagel, um einen Neuanfang zu wagen. Mit 33 Jahren wollte er sich als Fotograf selbstständig machen. Kein leichtes Unterfangen. Intensiv bereitete sich der Rüganer auf die Aufnahme in den Verband Bildender Künstler vor. Das ging entweder über den Journalismus, den er in der DDR nicht so spannend und frei fand, oder über den künstlerischen Weg. Dazu hätte er jedoch an einer Kunsthochschule studieren müssen. In den Verband Bildender Künstler konnte man aber auch als Autodidakt aufgenommen werden, wenn man ein Werk ablieferte, das dem Niveau einer Diplomarbeit entsprach.

Mit großformatigen Schwarz-Weiß-Bildern von jungen Menschen und dem damals allgegenwärtigen morbiden Charme der Bäderarchitektur überzeugte er die Prüfungskommission in Berlin. Seine Bilder sprechen eine klare Sprache, sind heute wichtige Zeitzeugnisse von künstlerischem und ästhetischem Wert.

Als Insulaner kannte Lutz Grünke den weiten Blick über das Meer. Nicht nur er spürte Fernweh, auch die Protagonisten, die er Ende der 1980er Jahre am Strand von Binz fotografierte. Es sind Momentaufnahmen jenseits der Urlaubs-Idylle mit strahlendem Sonnenschein. Die Szenerie – als würde sich etwas über den Köpfen der Menschen zusammenbrauen: Dunkler Himmel, ernste Gesichter, Augen voller Traurigkeit, manche aber auch mit einem Hauch von Hoffnung.

Für ihn und seine Frau Kathrin, die zeitgleich mit ihm in die Selbstständigkeit gegangen war und mit ihrer Narrenkeramik neue Wege suchte und fand, eröffneten sich mit der Wende neue Möglichkeiten, taten sich aber auch unerwartete Schwierigkeiten auf. Sollte ihre Existenz plötzlich bedroht sein durch ein Investitionsvorrangverfahren, das darauf hinauslaufen würde, dass sie ihr mühsam aufgebautes Atelier und ihre Wohnung verlieren?

www.lutzgruenke.de

Unser Inselexperten-Tipp:

Das Buch: Lutz Grünke »Insel Rügen – Fotografien zwischen 1985 und 1989« · 30,5 × 20 cm · Hardcover · 148 Seiten · ISBN 978-3-981-3568-2-3

Foto/Video: pocha.de

Insel Rügen. #25JAHRE

Nach dem Mauerfall in die Reisefreiheit. Deutschland feiert im Jahr 2015 „Silberhochzeit“: 25 Jahre Deutsche Einheit. Die Insel Rügen erinnert mit der Kampagne „#25JAHRE“ an jene Zeit vor und nach dem Mauerfall. Wie haben die Menschen auf Rügen, Ummanz und Hiddensee die gesellschaftliche Wende erlebt? Wie war ihr Leben in der DDR – an der unsichtbaren Mauer, die Ostsee hieß? Und wie ging es im neuen, vereinten Deutschland für sie weiter? Rügen hat sie: Menschen mit ihren spannenden Geschichten, authentisch, ehrlich, emotional, überraschend. Jede Woche des neuen Jahres steht für 52 dieser Gesichter, die immer freitags in Kurzfilmen auf Youtube (youtube.com/wirsindinsel), Vimeo und im Blog www.wirsindinsel.de gezeigt werden: Plattdänzer und Plattschnacker, „Ureinwohner“ und Neurüganer, Sänger, Künstler, Mitgestalter, eine Meisterin, der Wetterfrosch, der Nachbar und die Nachbarin. Spannende Geschichten, die zeigen, wie tief so manche Wurzel in die Rügener Geschichte hinein reicht, was Glück und was Heimat bedeuten und wie sich Zeiten und Menschen ändern, ob Wünsche und Träume wahr wurden oder Hoffnungen sich vielleicht doch nicht erfüllt haben. #25JAHRE ist ein Projekt voller Emotionen, ein Stück bewahrter Zeitgeschichte, ein Teil von Rügen.

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Festspielfrühling auf Rügen mit Wiener Charme: Sonne für das Herz und die Seele
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Holger Vonberg

Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Jetzt gehört er als Inselexperte zur festen Besatzung der Tourismuszentrale Rügen. Er lebt mit seiner Frau auf Wittow und hat zwei erwachsene Kinder.

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