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Insel Ummanz beherbergt ein Meisterwerk der gotischen Schnitzkunst

Mit rund 20 km² ist die Insel Ummanz gar nicht so klein, wie man immer denkt – sie ist immerhin die viertgrößte Insel Mecklenburg-Vorpommerns. Während sich im Hochsommer die meisten Besucher an den Stränden der Ostseeküste aufhalten, entdecken immer mehr Individualreisende das Rügener Hinterland und die wunderschöne Landschaft Nordwestrügen.

Auch hier gibt es wie auf Mönchgut hügelige Boddenlandschaft, die sich wunderbar für Ausflüge mit dem Rad oder zum Wandern eignet. Doch wer nach Ummanz fährt, der erlebt das platte Land – das jedoch vor allem wegen der umgebenden Flachwasser ein Paradies für Vögel ist.

Über eine Brücke fährt man auf die Insel und kann gleich zu Beginn eines der herausragenden Kunstdenkmale in Mecklenburg-Vorpommern besichtigen. Wo heute die St. Marienkirche Waase steht, hatten die Zisterzienser Mönche schon 1291 eine Kapelle erbaut. Ihre heutige Gestalt erhielt die Backsteinkirche am Bodden 1440. Ihr Langhaus ist ein regionaltypischer Fachwerksbau aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Das Besondere jedoch, was Kunstkenner aus der ganzen Welt anzieht, ist ein geschnitzter Altar aus der Zeit der Hochgotik.
Das Meisterwerk aus Eichenholz mit bemalten Klappflügeln wurde 1520 von einem unbekannten flämischen Meister in Antwerpen geschaffen. 1708 wurde es aus dem Stralsunder Heilgeist-Kloster in die Dorfkirche von Ummanz gebracht. Stralsunder Kaufleute hatten ihn ursprünglich für die Nicolaikirche erworben. Der Schnitzaltar zeigt die Leidensgeschichte Christi und Szenen aus dem Leben des Heiligen Thomas Becket. Die Schnitzarbeit zeichnet sich durch einen besonderen Detailreichtum aus, aber auch der intensiv emotionale und differenzierte Ausdruck der Figuren und Gesichter machen ihn zu einem Höhepunkt der gotischen Kunst. Außerdem sehenswert ist die Kanzel aus der Renaissancezeit, datiert 1572 und der frühgotische Backsteinchor.

Neben der Entdeckerfreude an diesem ansonsten eher unspektakulären Ort, kann man auf einer bequemen Tour die gesamte Insel umrunden. Dabei lohnt sich en Abstecher in das Naturschutzgebiet Freesenort im Südwesten der Insel ebenso, wie die Fahrt über den Weg am Deich im Norden. Von dort aus hat man einen guten Blick auf die Insel Hiddensee. Insgesamt ist der große Rundweg 25 km lang. Zurück an der Kirche lädt direkt am Focker Strom eine Gaststätte mit frischem Bratfisch, Räucherwaren und Kuchen zu einer Rast in der Boddenluft ein.

 

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Susanne Burmester

Susanne Burmester lebt seit 1990 auf Rügen. Sie schreibt über Kunst und Künstler, für spannende touristische Imageprodukte und gerne über kulturelle Höhepunkte des Insellebens. Als Galeristin für zeitgenössische Kunst ist sie viel unterwegs. Das schärft den Blick für das Glück der kleinen Dinge und die Unverwechselbarkeit der Provinz.

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