Moderne Architektur: Begehbare Skulpturen im offenen Raum


Moderne Architektur: Begehbare Skulpturen im offenen Raum
Susanne Burmester lebt seit 1990 auf Rügen. Sie schreibt über Kunst und Künstler, für spannende touristische Imageprodukte und gerne über kulturelle Höhepunkte des Insellebens. Als Galeristin für zeitgenössische Kunst ist sie viel unterwegs. Das schärft den Blick für das Glück... mehr

Architekturfreunde finden immer mehr Ziele in Stralsund und auf Rügen

Immer mehr Freunde zeitgemäßer Architektur finden in Stralsund und auf Rügen interessante Objekte, die eine Reise an die Ostsee lohnen. Die Rügener Bauten des Ingenieurs Ulrich Müthers gehören spätestens seit dem Abriss des denkmalgeschützten „Ahornblattes“ in Berlin im Jahre 2000 zu den international anerkannten Bauwerken der Moderne. Auf Rügen hat der „Landbaumeister“, wie er sich selber nannte, zahlreiche Bauten hinterlassen, darunter auch seine berühmten Hyparschalen. Müthers „Ostseeperle“ in Glowe wurde restauriert und ist seit 2009 wieder zugänglich. Auch sein Gesellschaftsbau „Inselparadies“ in Baabe wurde 2013 aufwändig restauriert und erwartet seine Zukunft. Die neue Rügenbrücke und die schwebende Fußgängerbrücke in der Hafenstadt Sassnitz sind neben den zahlreichen Baudenkmalen aus allen Jahrhunderten ebenfalls eine Reise wert.

Der Höhepunkt der zeitgenössischen Architektur der Region ist sicherlich das OZEANEUM in Stralsund,
der neueste Standort des Deutschen Meeresmuseums. Der spektakuläre Bau des Stuttgarter Büros Behnisch Architekten zählt zu den beeindruckendsten Museumsgebäuden der Nachwendezeit und bereichert mit seiner einzigartigen Architektur die alte Hansestadt am Strelasund um ein neues Wahrzeichen. Schon der Entwurf sah eine Form vor, die bewusst von der geschlossenen Bebauung der Stralsunder Altstadt abwich. Mit dem Konzept eines offenen Hauses aus vier geschwungenen Baukörpern, die einem gläsernen Foyer verbundenen sind, präsentiert sich das OZEANEUM als ein Haus ohne Rückseite. Wie Steine, die vom Wasser umspült werden, wird es von allen Seiten von Licht durchströmt. Auch die Besucher bewegen sich unabhängig im offenen Raum. Durch seine helle Farbgebung vermitteln die Baukörper den Eindruck geblähter Segel. Selbstbewusst, aber mit Respekt für das Erbe, fügt sich das spektakuläre Gebäude als eigenständiger Baustein in die vorderste Reihe der Hafenansicht ein. Der Blick auf die großen, die Silhouette der Stadt bestimmenden Stadtkirchen bleibt frei.

Seit 2002 gehört die Altstadt Stralsunds, gemeinsam mit der Altstadt Wismars, zum UNESCO-Welterbe.

Drei monumentale Kirchen, das imposante Rathaus, mehrere Klöster und die repräsentativen Giebelhäuser der Kaufleute zeugen von der Macht und Bedeutung Stralsunds zur Blütezeit des Städtebundes der Hanse im 14. Jahrhundert. Obwohl die Backsteingotik besonders augenfällig ist, lassen sich in der Altstadt viele Bauten auch aus anderen Stilepochen entdecken. Insbesondere der Lage am Wasser und dem im Ostseeraum zentral gelegenen Handelshafen verdankte Stralsund seinen Reichtum. Der Blick vom Turm der Marienkirche auf die Altstadtinsel mit ihrem nahezu unverändert erhaltenen mittelalterlichen Grundriss lässt erkennen: Die breiten Straßen orientieren sich zum Wasser – und tatsächlich findet man sich im Verlaufe jedes Stadtrundganges früher oder später am Hafen und damit am OZEANEUM wieder.

Foto: Johannes-Maria Schlorke


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