Rügen. Eine Insel für Familien.


Rügen. Eine Insel für Familien.
Berichte von Einheimischen.

Urlaub ist die Fortführung des Familienlebens unter verschärften Bedingungen“, sagt der Moderator im Autoradio und lacht. Meine Frau und ich schauen uns nur an. Auf dem Rücksitz Jan (5) und Tini (7). Und noch 30 Kilometer bis Rügen. Schon eine ganze Weile, – etwa seit Lübeck – habe ich ein leichtes Klingeln im Ohr und könnte ein Lied singen, in dem diese Sätze vorkommen: „Ich habe Durst. Ich habe Hunger. Mir ist schlecht. Ich muss mal. Wann sind wir endlich da. . .“ Urlaubsreife Eltern kennen das. Wenn Jan und Tini reisen durch unsere schöne Welt. . .

Letzter Halt auf dem Zubringer, der die Ostseeautobahn A 20 mit Deutschlands größter Insel verbindet – auf dem Parkplatz Rügenblick vor Stralsund. „Wo ist denn endlich die Insel“, quengelt Jan voller Ungeduld. Das in holländischem Akzent gesungene „Lass dich überraschen“ kommt von Tini, die langsam anfängt, ihre Bade-Delfin aufzupusten. Das blaue Monstrum wird immer größer im Rückspiegel.

Wenige Minuten später sind wir auf der imposanten Rügenbrücke, die in weitem Boden den Strelasund überspannt.

Mit offenen Mündern, aber ehrfurchtsvoll still, sitzen Jan und Tini da, drücken ihre Nasen an dem Autofenster platt – und staunen. So viel Wasser. Und wie frisch die Luft riecht, die durch das offene Schiebedach strömt. Da hinten Segelboote, auch Angler. Die stehen auf dem alten Rügendamm und ziehen Heringe aus dem Strelasund, einen nach dem anderen. „Das ist ja wie Schlaraffenland“, ruft Jan und zappelt mit den Füßen.

Es wird Zeit, dass wir unser Quartier erreichen. Es liegt diesmal nicht direkt am Strand, sondern mitten auf der Insel, im Herzen von Rügen, in Bergen. Von hier können wir ausschwärmen – an die kilometerlangen Sandstrände, um zu baden, nach Muscheln zu suchen, mit den Kindern Kleckerburgen zu bauen und bunte Drachen steigen zu lassen. Jeden Tag baden? Das wird den Kleinen ganz sicher bald zu langweilig. Dann ist Abenteuer angesagt in der Erlebniswelt am Bergener Rugard. Dort klettern die Kinder wie Mini-Tarzan und Little-Jane durch die Bäume, spielen wie Tiger Woods junior Minigolf oder rodeln wie Georg Hackl durch enge Kurven und Kreisel – auf der nördlichsten Ganzjahresrodelbahn der Welt.

Vom Rugardturm, der sich alt-ehrwürdig zwischen den Bäumen erhebt, sammeln wir einen ersten Eindruck, wie groß und vielfältig doch die Insel ist. Von fern hören wir das Knattern von Motoren. „Ich will Go-Kart fahren“, ruft unser Jan, der wie Sebastian Vettel über die Bahn rasen möchte.

„Und was machen wir, wenn’s regnet?“, fragt Tini. „Dann geht es von hier aus zum größten Indoor-Spielplatz Rügens, zur Pirateninsel nach Putbus, wo sie sich nach Herzenslust austoben können.“ Gleich neben der Pirateninsel mit ihren Trampolinen und dem Wabbelberg lädt auch ein besonderes Haus ein. Es steht auf dem Kopf und ist nicht nur für die Lütten ein bisschen wie Pipi Langstrumpfs Villa Kunterbunt: die Tische und Betten schweben über den Köpfen, auch der Hunde-Napf, die Stühle, die Teller und Tassen. Und auch der Keller ist ganz oben – mit Aussichtsterrasse. Einfach verrückt! „Das glaubt uns doch gar keiner zu Hause. Papa, du musst unbedingt Fotos machen!“

Unsere Kinder sind wie hüpfende Fragezeichen:
„Gibt es die Seeräuber wirklich?“ „Ja, den besuchen wir übermorgen bei den Störtebekerfestspielen in Ralswiek.“ „Kann ich die Insel auch im Miniformat sehen?“ „Natürlich, morgen wollen wir in den Miniaturenpark nach Gingst. „Hat der böse Wolf wirklich die Rügener Kreide gefressen, um seine Stimme zu verstellen?“ „Nein, aber das werdet ihr im Kreidemuseum Gummanz erfahren.“ „Macht der Leuchtturmwärter die ganze Nacht über das Licht an und aus im Turm?“ „Nein, das erklären wir euch später am Kap Arkona.“ „Und warum steht dort bei Bobbin ein Saurier an der Straße???“

Das Schönste für die Kinder aber ist, dass sie im Märchenhotel schlafen dürfen. Und Geschichten von der Insel gibt es bekanntlich ohne Ende. Ob es hier spukt? In der Nacht haben wir jedenfalls zwei kleine Geister gesehen.

Urlaub soll ja die Fortführung des Familienlebens unter verschärften Bedingungen sein. Wir sind ganz entspannt und genießen die Ferien mit den Kindern auf der Insel Rügen.

 

 

 


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