Die Insel der Haus- und Fischereimarken


Berichte von Einheimischen.

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, was diese besonderen Zeichen an alten Fischerkaten in Vitt am Kap Arkona, auf Hiddensee oder der Halbinsel Mönchgut zu bedeuten haben? Die Antwort weiß ganz allein der Wind? Irrtum! Die Antwort gibt Wolfgang Jenik in seinem Buch „Die Insel der Haus- und Fischereimarken“, das jetzt in einer aktualisierten Neuauflage im Eigenverlag erschienen ist. Er widmet dieses Büchlein „allen Rüganern und Freunden, die sich zum Brauchtum und zur Tradition der Insel bekennen“, wie er schreibt.

Diese Marken, einfache Kerbschnitte in Holz, waren so genannte Besitzzeichen, die zum Großteil im Laufe der Jahrhunderte verschwunden sind. Wolfgang Jenik hat sich auf Spurensuche begeben. Und er freut sich, dass nun ein „zunehmendes Interesse bei Hiesigen und Besuchern zu bemerken ist und die Hausmarken wieder an weißgetünchten Häusern, an Fischereigeräten und manch unscheinbaren Utensilien vorzufinden sind“.

Wer das reich bebilderte Heft zur Hand nimmt, könnte seinen Spuren direkt folgen, denn der Autor hat drei Regionen auf Rügen und Hiddensee und insgesamt 14 Orte entdeckt und beschrieben, an denen Hausmarken zu sehen und sieben weitere Orte, wo noch Fragmente erhalten sind.

Es sind „geometrische, runenartige Zeichen“,
die in ihrer „reinsten Form und unverfälschten Ursprünglichkeit fast nur noch auf Rügen und Hiddensee zu finden sind“, also Zeichen, die den Besitz oder das Nutzungsrecht „an beweglichen und liegenden Gütern“ eindeutig markierten. Sie galten auch als Namenszeichen. Hölzerne Wäscheklammern tragen sie, Hauswände, Netz-Nadeln, Aal-Eisen, Eis-Äxte, Haushaltsgegenstände. Im 12. Jahrhundert seien sie zum ersten Mal nachgewiesen worden, manchenorts noch immer erhalten, eingeritzt in Kirchen und an Grabsteinen.

Der Autor geht in diesem interessanten Buch auch den „verlorenen und lebendigen Hausmarken der Inselregion“ nach.

Und sein Beweggrund liegt nahe: Wolfgang Jenik wurde 1945 in Stralsund geboren und wuchs von 1953 bis 1969 auf der Insel Hiddensee bei einer Fischerfamilie in Neuendorf-Plogshagen auf. Dort begegneten ihm die Hausmarken tagtäglich. Seit 1971 beschäftigt sich der gelernte Schiffs-Elektriker und diplomierte Formgestalter mit diesen Haus- und Fischereimarken. Ihnen setzt er damit nicht nur kleines Denkmal, sondern auch ein Schau- und Staunmal.

 

Das Büchlein gibt es für unter zehn Euro in Hiddenseer Buchhandlungen oder direkt vom Autor: Mail: jenikdesign@t-online.de

 

Blog-Fotos: Holger Vonberg


FEEDBACK

ABO


4 Kommentare

  • An die Redaktion,
    Sehr geehrte Rüganer, sehr geehrter Herr Vonberg,

    ganz herzlich möchte ich mich für die Darstellung und Aufmachung meiner bescheidenen Broschüre zu den Hausmarken der Inselregion bedanken.
    Täglich ist die Heimat so nah, wenn ich die interessanten Nachrichten Eures Magazins verfolge.

    Mit freundlichen Grüßen,
    W. Jenik

  • Für Freunde der Ostsee und besonders der Inseln Hiddensee und Rügen sehr zu empfehlen. Solide und fundierte Darstellung, gute Bilder und für Streifzüge vor Ort sehr geeignet.

  • Sehr geehrter Herr Pisch,
    Ihre Hausmarke, das „H“, wird erwähnt von Homeyer 1870 und Spruth 1937 unter Karl Pisch. Details veröffentlichte ich in o.g. Broschüre bereits vor 1990. Leider wird diese nicht von den Mönchguter Museen vertrieben, so daß auch Besucher der Halbinsel keine Informationen dazu erlangen…
    Mit freundlichen Grüßen,
    Wolfgang Jenik