Blutiger Film-Dreh auf Rügen: Ein Ausflug ans Meer mit Hauen und Stechen


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Rügen im Jahr 2006: Filmteam dreht Streifen „Der Fremde“ nach literarischer Vorlage von Albert Camus

„Gerdy, wir müssen nicht ins Wasser, nur bluten. Aber das richtig“, ruft der Schauspieler Leif Krambeck seinem Kollegen zu. „Klappe. Zehn zwei, die Erste.“ „Und – bitte!“

Dann geht alles sehr schnell. Die Rangelei mit einem Dritten, der ein Messer zückt und dieses Messer in ihre Körper rammt. Gerdy Zint und Leif Krambeck bleiben liegen. Martin Sand, jener Dritte, gespielt von Christian Koerner, steht daneben. Mit weit aufgerissenen Augen. Fassungslos, verwirrt. „Gestorben.“ Die Szene ist im Kasten. Eine Szene für den Film „Der Fremde“, eine moderne Adaption der literarischen Vorlage von Albert Camus. Gedreht von Profis, unterstützt von Studenten und Praktikanten der Medienakademie. Der Film – keine Seifenoper, keine Vorabendserie. Kunst eben.

„Und genau das hat mich gereizt, hier mitzumachen“,
sagt Hauptdarsteller Christian Koerner, den der aufmerksame Zuschauer kennt – aus Produktionen wie „Soko Leipzig“, „Ein Fall für Zwei“, aus dem „Tatort“ oder „Kalter Sommer“. „Der neue Film ist eine gute Gelegenheit, einmal aus diesem Fernseh-Mainstream raus zu kommen“, sagt er, während er sich das Blut aus dem Gesicht wischt. „Für diese Rolle musste ich in die Untiefen der menschlichen Seele tauchen. Und mir diese Frage beantworten: Wie ist es möglich, dass ein vernunftbegabtes Wesen, das angepasst und zurückhaltend lebt, eine solche Bluttat begehen kann?“ Und nachdenklich schiebt er hinterher: „Sollte ich jemals in eine solche Situation geraten, hoffe ich, dass ich anders reagieren werde. Die Auseinandersetzung hier vor der Kamera – das war kontrollierter Kontrollverlust. So, wie wir das auf der Schauspielschule gelernt haben.“

Die Regisseurin und Drehbuchautorin Cecilia Malmström ist mit den Darstellern zufrieden.
Die Szene ist mit einer Profikamera aufgenommen worden, nicht auf Kassette oder Band, sondern auf einem Super-Chip. Sekunden, die später in dem Schwarz-Weiß-Film auftauchen werden. Ein Augenblick, an dem viele Helfer mitgearbeitet haben: Die junge Frau, die die nassen Sachen der Schauspieler für die nächste Einstellung trocken bügelt. Der Praktikant, der den Proviant im Bollerwagen durch den weichen Sand zum Set zieht. Der Techniker, der das Stromaggregat überwacht, damit Fön und Bügeleisen am Strand auch funktionieren. Der Filmblutmixer und der junge Mann, der die verräterischen Spuren am Ufer mit einem Zweig verwischt. Dazu natürlich Kameramann Nicolas Joray, der Tonmeister und weitere emsige Leute. Nur der Beleuchter fehlt.

„Den brauchen wir nicht. Das Naturlicht ist hier so wunderbar“, schwärmt die Regisseurin. „Die Sonne, die Wolken, die klare Luft. Erinnert mich alles an Schweden.“ Sie muss es wissen, verrät doch der Nachname Malmström, wo einige ihrer familiären Wurzeln liegen. „Rügen ist eine fantastische Film-Insel. Diese verträumten Gassen in Sassnitz, die Alleen, die Natur. Einfach perfekt.“

In Berlin werden weitere Szenen aufgenommen. Immer auch mit Blick auf die Kosten. Auch Zeit ist Geld. Cecilia Malmström klopft auf die Uhr. Die Sonne scheint. „Alle auf Position!“ „Achtung Aufnahme. Ruhe bitte!“ „Kamera?“ „Fertig!“ „Ton ab?“ „Ton läuft!“

„Klappe. Zehn drei, die Erste!“ „Und – bitte!“

 


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