Frisch aufgespielt: Thüringer Ständchen für Rügen


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Mai 2011 auf dem Windland Wittow: Es ist ein frischer Sonnabend, 10.50 Uhr. Windstärke fünf. Die Frisur hält. Und ein Bus mit lustigen Thüringern auch. Die Parkposition zwischen Ortsausgangsschild und Halbinsel Bug ist erreicht. Busfahrer Maschi öffnet die Türen, lässt eine frische Brise in den Bus hinein und die Passagiere raus in den Sturm. Die Hüpstedter Feuerwehrmusikanten wollen den markantesten Punkten der Insel ein Ständchen bringen. Auch dem Leuchtturm von Hiddensee. Das war Maschis Idee. Welch ein „Zufall“ aber auch, dass gerade er am Lenkrad dieses RPNV-Charterbusses sitzt. Mit 18 Jahren hatte Gerald Malaschnitschenko das kleine Dorf Hüpstedt zwischen Mühlhausen und Niederorschel verlassen.

Seit mehr als 40 Jahren lebt er jetzt auf der Insel.
Aber zu seiner alten Heimat hat der singende, Akkordeon und Mundharmonika spielende Gute-Laune-Botschafter noch immer engen Kontakt. Auf einer Kirmes ist die Idee zu dieser ungewöhnlichen Rügentour entstanden, bei reichlich „Hopfenkaltschale“, Seemannsliedern und tschechischer Polka.

„Wir sorgen für Stimmung und Unterhaltung mit Blasmusik zu jeder Gelegenheit“, steht auf der Visitenkarte von Konrad Rademacher, dem Chef der Blasmusikanten. Und die halten ihr Versprechen schon an der ersten Station in Dranske. Schnell sind die Instrumente aus dem Bus des RPNV geholt, kurz eingestimmt, frisch aufgespielt. „Glück auf, der Steiger kommt!“ Wind trägt zwar alle Worte fort, nicht aber Musik von Pauken und Trompeten. Neugierig bleiben Spaziergänger stehen. Während „Onkel Horst“, mit 75 Jahren nicht nur der älteste, sondern auch der kleinste Musikant, die große Tuba bläst, saugt Josef (2) an seinem Nuckel. Er ist der Jüngste der lustigen Truppe und wird vielleicht später auch einmal ein Blasinstrument spielen. Zum Gruppenfoto mit Hiddensee im Hintergrund haben sie sich schnell formiert, dann ein kleiner Vorbeimarsch mit Musik der Olsenbande. „Da haben wir sie wieder!“ Vorneweg Maschi mit Matrosenhemd und dem originellen „Löschbehälter“ der Feuerwehrmusikanten, einem blau-rot-weiß lackierten Bierfass.

 

Noch ein Walzer zum Abschied, ein Hühnergott als Andenken,
dann sitzen alle wieder im Bus. Die Blaskapelle Hüpstedt wurde am 16. März 1962 das erste Mal urkundlich erwähnt und 1967 zu einer Feuerwehrkapelle. Bis 1989 gehörten die Hüpstedter Feuerwehrmusikanten zum Bergmannsorchester des Kali-Schachtes Volkenroda. Die heutige Formation besteht seit 1990 und hat 14 Mitglieder, liest Maschi später auf deren Homepage nach.

Weiter geht es nach Arkona. Weiße Wolken, blauer Himmel, frischer Wind. Ein Ständchen für die Leuchttürme und die staunenden Gäste. Freibier für die Musiker am Imbiss von Iris Möbius-Gerber – als kleines Dankeschön. Der nächste Kurzauftritt dann am Rügenhof. Die Zeit drängt. Der Königsstuhl wartet. An der Victoriasicht erhaschen die Musiker und ihre Familien einen wunderbaren Blick auf den Kreidefelsen und die Ostsee. „Sassnitz müssen wir leider ausfallen lassen“, bedauert Maschi und lenkt den Bus in Richtung Kreisstadt. Auch die Bergener Kameraden, die einen Leistungsvergleich der Feuerwehren hinter sich haben, bekommen Besuch: Thüringer Blasmusik zu Thüringer Bratwurst, Steak vom Grill und zum Fassbier aus Stralsund.

21.30 Uhr: Feierabend. Fix und fertig. Schlussapplaus von allen für Maschi, die Insel und die Rüganer: „Dieser Tag wird in die Geschichte der Hüpstedter Feuerwehrmusikanten eingehen.“

 


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