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Am 5. Oktober feiert das Dokumentationszentrum Prora das zehnjährige Bestehen seiner Dauerausstellung „MACHTUrlaub“. In diesen zehn Jahren haben 600 000 Besucher diese Ausstellung gesehen. Zudem gab es Lesungen und 70 Sonderausstellungen zu den Themen Geschichte, Architektur, Kunst, Natur und Politik, unter anderem die beeindruckende Dokumentation „Die Asche von Sobibor“, die Leni-Riefenstahl-Ausstellung und „Abgeerntet. Wer ernährt die Welt“, die Ausstellung eines Netzwerkes zu Hunger, Globalisierung und Landwirtschaft oder die Kunstausstellung mit filigranen Bronzen von Michael Jastram.

„Unsere Gäste kommen überwiegend aus Deutschland, Belgien, Holland, Schweden, Österreich und der Schweiz“, sagt Christian Schmidt, Mitarbeiter des Dokumentationszentrums. Zu den Aufgaben dieser Einrichtung zähle, den Ort Prora zu entmystifizieren und das wahre Gesicht der Sozialpolitik im Dritten Reich zu zeigen.

„Diese Wortkombination ‚MACHTUrlaub’ steht dafür, was man mit Macht aus- und anrichten kann“, so Christian Schmidt. Die Nationalsozialisten hatten den viereinhalb Kilometer langen Koloss von Prora als so genanntes „Kraft-durch-Freude-Bad“ geplant, aber wegen des Zweiten Weltkrieges nie vollendet. 20 000 Volksgenossen sollten sich dort erholen, „ihre Arbeits- und Kampfkraft stählen“ und ideologisch auf den Nationalsozialismus eingeschworen werden.

Innerhalb kürzester Zeit wurde der Rohbau zwischen 1936 und dem Kriegsbeginn 1939 aus dem Dünenboden in der Schmalen Heide gestampft. Mehr als 3000 Arbeiter gossen die stahlbewährten Träger und Decken und mauerten die Gebäude auf sechs Etagen. Sie ist neben Hitlers „Reichsparteitagsgelände“ in Nürnberg die größte geschlossene architektonische Hinterlassenschaft der nationalsozialistischen Zeit und für Rügen eine schwere Altlast, deren Geschichte wissenschaftlich aufgearbeitet und der Nachwelt erhalten werden muss.

Seit 1992 befasst sich die Stiftung NEUE KULTUR mit diesem Thema, hat seit 1994 mehrere internationale Tagungen, Workshops und Symposien dazu durchgeführt. „Immer wieder stellen wir fest, wie wenig manche Besucher über die Zeit des Nationalsozialismus wissen. Darum müssen wir weiter Aufklärungsarbeit leisten, gerade auch an diesem Ort“, sagt Mitarbeiterin Sabine Sakuth. Sie freue sich aber über die gute Zusammenarbeit beispielsweise mit der Regionalschule in Sassnitz. Regelmäßig werden Schüler aus Sassnitz und Szczecin eingeladen. Sie erfahren von den letzten Zeitzeugen, von ehemaligen Zwangsarbeitern aus Polen, Lebensgeschichten aus deren Zeit auf Rügen. Auch mit dem Rügener Verein „Nordlichter e.V.“, den Jugendherbergen in Prora und Sellin, dem Jugenddorf Wittow und weiteren Rügener Schulen bestehe enger Kontakt.

Prora, ein Ort der Geschichte.
Im Krieg kamen dort Flüchtlinge unter, die Rote Armee zog ein, später die Nationale Volksarmee mit dem Offiziers-Erholungsheim, mit Fallschirmjägern, Baupionieren und Panzertruppen, mit Bildungseinrichtungen für Unteroffiziere und internationale Militärkader. Ein besonderes Kapitel ist das der Bausoldaten. „Ich war einer von ihnen und habe als Wehrdienstverweigerer und so genannter Spatensoldat beim Aufbau des Fährhafens Mukran mitarbeiten müssen“, sagt Christian Schmidt. Auch diese Geschichte müsse weiter aufgearbeitet werden.

 

Drei Mythen,
die über Prora noch immer verbreitet werden und die absolut falsch sind:
Eine Sprengung des Gebäudekomplexes würde die Binzer Bucht in Schutt und Asche legen.
Es gibt dort einen U-Boot-Hafen.
Eine U-Bahn soll von Prora bis Sassnitz führen.

 

Am 5. Oktober wird im Dokumentationszentrum Prora um 13.30 Uhr eine Jubiläumsausstellung mit zahlreichen Plakaten der Vorjahre eröffnet. Grußworte von Mitgliedern das Bundes- und Landtages werden erwartet. Professor Dr. Wolfgang Benz wird gegen 16 Uhr einen Festvortrag halten. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von Hugo Bascope am Bandonion.

www.dokumentationszentrum-prora.de

Bis zum 31. Oktober 2014 sind im Dokumentationszentrum Prora die Sonderausstellungen „Rechtsextreme Gewalt in Deutschland 1990-2013“ und „Opfer rechter Gewalt in Deutschland“ zu sehen. Außerdem werden rund 60 Plakate vorheriger Sonderausstellungen gezeigt.

Öffnungszeiten im Oktober: täglich von 10- 18 Uhr.

Führungen im Oktober: täglich um 11.45 Uhr

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