„Göttlicher Nektar“ von rassigen Blondinen – Produkte aus Stutenmilch von Ummanzer Haflingern


Holger Vonberg ist gebürtiger und bekennender Rüganer. Sein Berufswunsch als Zweijähriger: „Urlauber Baabe“. Das hat nicht ganz geklappt. Ab 1991 war er als Journalist u. a. für den NDR, die OZ und den „Urlaubs-Lotsen“ auf der Insel unterwegs. Bis März... mehr

Frühling auf Rügen: Die alte Holztür knarrt, wenn Norbert Briesemeister sie öffnet. Im Stall stehen die Fohlen des Jahrgangs 2014. Manche säugen bei ihren Müttern Stutenmilch, andere liegen im weichen Stroh, die größeren tollen schon ohne Mutter, also „abgesetzt“, wie der Züchter sagt, auf der Koppel. „Bei ausreichender Fütterung produzieren die Stuten so viel Milch, dass wir von jeder zweimal täglich etwa 2,5 Liter melken können, ohne die Entwicklung des Fohlens einzuschränken“, verrät der Ummanzer. Zurzeit ist aber keine Milch mehr auf Lager. „Im nächsten Frühjahr geht es weiter mit dem Melken.“

Die dabei gewonnene Haflingermilch ist ein wertvolles und empfindliches Naturprodukt.
Und das hat schon vielen Babys mit Milch-Allergie als Muttermilch-Ersatz gute Dienste geleistet. „Wir haben einen so genannten Vorzugsmilchbetrieb, der unbehandelte Milch zum Trinken produziert“, erzählt der 75-jährige Züchter, der zugleich auch Melker ist. Nur ihn lassen die sehr sensiblen Stuten so nah heran. Die gewonnen Mengen sind überschaubar, auch, weil die Pferde nur dann Milch geben, wenn die Fohlen dabei sind. „Gleich nach dem Melken wird die Milch bei Minus 20 bis Minus 25 Grad tiefgefroren, damit sie später auch zu Kosmetikartikeln verarbeitet werden kann.“ Er streichelt einem Pferd über die breite, lange Stirn, schiebt eine blonde Strähne beiseite und schaut in große, braune Augen.

Die Stutenmilchproduktion ist ein wichtiges Standbein des Vereins. Zusammen mit Rügener Apotheken, Dermatologen sowie mit Anbietern aus dem Wellness- und Gesundheitsbereich wurde eine Produktlinie entwickelt, produziert im Labor der Rugard-Apotheke in Bergen. Dort fertigt Apotheker Axel Poggendorf mit seinen Fachkräften nach strengen Richtlinien für „Rügenkosmetik“ fettreiche und feuchtigkeitshaltige Cremes und Körperlotionen, kombiniert mit Stutenmilch, Heilkreide und Sanddorn-Öl.

 

„Da stecken wirklich Rügen und Ummanz drin.“
„Ich bevorzuge Feuchtigkeitscreme im Sommer und Aufbaucreme im Winter“, sagt Axel Poggendorf. „Meine Frau schwört auf die Körperlotion und deren angenehme Wirkung.“ Wenn alles mit der Zertifizierung klappt, dann tragen diese Produkte bald das Goldene Gütesiegel des Rügenprodukte Vereins.

Schon vor 3000 Jahren galt die Stutenmilch in China als Heil- und Wundermedizin. Die Kaiser der Ming-Dynastie schworen auf die Wirkung des „göttlichen Nektars”. Große Stutenherden wurden für die Milchgewinnung gehalten. Im Orient nannten die Scheichs die Stutenmilch „ein von Allah gesegnetes Heilmittel”. Das Reitervolk der Skythen trank die Stutenmilch regelmäßig in vergorener Form. Homer erzählte in seiner „Ilias” gar von den Pferdemelkern, die die Milch als Nahrungsmittel nutzten. Kubiai-Khan, der Herrscher der Mongolen, soll jeden Abend Kumys getrunken haben. Nur für ihn und seine Nachkommen wurde eine Herde weißer Stuten für die Milchgewinnung gehalten.

Haflinger waren damals nicht dabei. Die konnte man aber beim traditionellen Ummanzer Tonnenabschlagen am 16. August 2014 bestaunen. Norbert Briesemeister und seine Pferdefreunde haben an jenem Wochenende auch 40 Jahre Haflingerzucht auf Ummanz gefeiert. Damit ist dieser kleine Verein der älteste Haflingerzuchtbetrieb des Landes. „Die Pferde sind das Aushängeschild unserer kleinen Insel. Und so soll es bleiben.“ Zu diesem Jubiläum war auch die Kopie der Ummanzer Reiterfahne wieder zu sehen. Das Original stammt von 1896 und ist aus der königlich-kaiserlichen Fahnenfabrik Bonn.

 

www.stutenmilch-info.de

www.haflingerzucht-ummanz.de

 


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