Ganz nah an den „Vögeln des Glücks“


Berichte von Einheimischen.

Die Nationalparkregion „Vorpommersche Boddenlandschaft“, zu der auch Rügens Schwesterinsel Ummanz gehört, ist die zentrale Drehscheibe für den Kranichzug.
Jedes Jahr im Herbst legen die grauen Großvögel in der Rügen-Bock-Region nach langem Flug von den Brutgebieten in die Winterquartiere hier eine Rast ein. Während die Schreitvögel beim Frühjahrszug nur kurze Zeit in der Region verweilen, bleiben sie im Herbst bis in den November hinein.

Bis Mitte des Monats ziehen 60.000 bis 70.000 Kraniche durch diesen Landstrich.

Bis zu 300 Gramm Körnernahrung benötigen die Kraniche täglich, um für den Weiterflug in die französischen und spanischen Winterquartiere gerüstet zu sein. Als Kraftspender dienen Maiskörner.
„Die flachen Bodden in Küstennähe sind einzigartige Schlafplätze für die Mehrheit der ziehenden europäischen Kraniche“, weiß der Rügener Tier- und
Naturfotograf Rico Nestmann. „Das Naturschutzgebiet Spyker See mit Mittelsee auf Jasmund und die Boddenufer bei Kammin und Lobkevitz auf Wittow sind besonders bevorzugte Schlafplätze während der Rastzeit“, haben seine neuesten Beobachtungen ergeben. Die Rufe der Kraniche begleiten den 44-Jährigen auf seiner Heimatinsel seit der Kindheit. Das weithin hörbare Trompeten dieser Tiere erfüllt ihn seit jeher mit Fernweh. Es diesen wunderbaren Vögeln gleichzutun und mit ihnen von Horizont zu Horizont schweben – ein Wunsch, der nie in Erfüllung gehen konnte. Dennoch war er den Kranichen in den vergangenen Jahren oft sehr nahe und hat ihr Treiben am Kranichrastplatz Ostseeküste mit seinen Kameras und Teleobjektiven verfolgt. Herausgekommen ist das Buch „Kranichrastplatz Ostseeküste“, das dem Leser und dem Betrachter Gelegenheit gibt, mit den „Vögeln des Glücks“ über die Felder zu schreiten. Mit den Wanderern zwischen den Welten durch das Abendrot zum Schlafplatz zu gleiten oder am frühen Morgen mit ihnen in einen neuen Tag zu starten. „Wer sich einen letzten Hauch Romantik bewahrt hat, kann sich diesem gewaltigen Zauber des Kranichzuges nicht verschließen.
Ziehende Kraniche, ein Segelboot und die Ostsee im Hintergrund – der Inbegriff von Freiheit und Sehnsucht“, sagt auch Georg Rüting, Vorsitzender des Vereins zum Schutze und Erhalt des Kranichrastplatzes Rügen-Bockregion e.V.
Neben dem Seeadler ist der Kranich die Tierart, mit der sich Rico Nestmann am intensivsten beschäftigt. So ist der Wittower als Mitglied von Kranichschutz Deutschland auf Rügen für zwei Kranich-Schlafplätze als Zähler und Betreuer verantwortlich. Auf seiner Internetseite www.nestmanns-foto.de erfahren Kranichfreunde immer die aktuellsten Rastplatz-Zahlen in der Rügen-Bock-Region. So wurden am 5. und 6. Oktober 2013 in diesem Gebiet 53.445 Kraniche gezählt.
Wer den Großvögeln ganz nah sein möchte, ohne sie zu stören, hat alljährlich im Herbst die Möglichkeit, Rico Nestmann auf Kranichfahrten durch den Breeger Bodden und/oder den Großen Jasmunder Bodden zu begleiten.
Bis zu 600 Meter nähert sich ein Fahrgastschiff der Reederei Kipp
geschützt liegenden Schlafplätzen, die von bis zu 5.000 Kranichen angesteuert werden. Ferngläser nicht vergessen!

Inselexperten-Tipp: Neben der Reederei Kipp bietet auch die Reederei Hiddensee im Herbst Kranichfahrten an. Im Sommerhalbjahr können Urlauber mit ein bisschen Glück bei den Robben-Touren der Weißen Flotte Kegelrobben im Greifswald Bodden sehen und den Rangern des Biosphärenreservates Südost-Rügen beim Zählen der Tiere helfen.


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